Valentinstag: Ja! Nein! Vielleicht!

Der Valentinstag löst bei jedem ein anderes Gefühl aus. Hier bei ERGO Direkt können wir uns auch nicht einig werden und beleuchten deshalb dieses Thema aus ganz verschiedenen Sichtweisen.

Teil 1: Valentinstag – Ja(panisch)! … von Julia Schreier

In meiner Partnerschaft übernehme ich die Vorbereitungen für den Valentinstag. Mein Mann kann sich entspannt zurücklehnen und lässt sich gerne überraschen, was ich für den Tag plane. Obendrein gibt es auch noch leckere Schokolade für ihn.

Teil 2: Valentinstag – Nein Danke! … von Lisa-Marie Roberson-Vogel

„Was macht ihr so am Valentinstag?“ Dieser oder ähnlich formulierte Sätze lassen mich böse Blicke verteilen und gereizt denken: Schon wieder Valentinstag? Ich hasse diesen „besonderen“ Tag und hoffe, dass ich nicht die Einzige bin!

Teil 3: Valentinstag – Jain!! … von Johannes Plott

Meine Haltung zum Valentinstag ist zwiespältig: Wer mich fragt, wie ich zu diesem „Feiertag“ stehe, bekommt von mir ein ganz eindeutiges „Kommt darauf an“ zur Antwort. Ich sehe nämlich sowohl positive als auch negative Aspekte an dieser Veranstaltung.


Teil 1: Valentinstag – Ja(panisch)!

VE in TokyoIn meiner Partnerschaft übernehme ich die Vorbereitungen für den Valentinstag. Mein Mann kann sich entspannt zurücklehnen und lässt sich gerne überraschen, was ich für den Tag plane. Obendrein gibt es auch noch leckere Schokolade für ihn. Ich glaube, diese Art, den Valentinstag zu verleben, ist in Deutschland eher ungewöhnlich. Ich muss auch gestehen, ich habe sie einfach importiert.

Ich habe zweimal ein Jahr in Japan gelebt. Der Valentinstagsbrauch dort unterscheidet sich sehr von dem in Deutschland und hat mich wahrscheinlich doch mehr geprägt, als ich dachte. Da ist es nämlich so, dass Frauen die Männer verwöhnen. Sie schenken ungefähr nahezu allen Männern, die sie kennen, Schokolade.

Wobei es schon einen Unterschied zwischen Arbeitskollegen, Bekannten, männlichen Familienmitgliedern und dem Herzallerliebsten gibt. Für den gibt es eine besonders schöne, sorgfältig ausgewählte, wenn nicht sogar selbstgemachte Pralinenschachtel. Diese Schokolade wird „Honmei choko“ („Schokolade für den Liebling“) genannt. Für alle anderen gibt es „Giri choko“ („Pflichtschokolade“). Die fällt natürlich kleiner aus. Manche Japanerinnen machen es auch so, dass sie eine Pralinenschachtel für alle männlichen Kollegen einfach in die Kaffeeküche stellen, wo sich die Herren bedienen können.

Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich in Japan war. Inzwischen gibt es eine weitere Variante an Valentinstagsschokolade, die Jibun-Choko („Schokolade für sich selbst“). Das ist doch schlau, so versüßen sich die Damen den eigenen Alltag, auch ohne Herzallerliebsten.

Der neueste Schrei ist anscheinend die Valentinstagsversicherung. So kommen Männer zu hundert Prozent an ihre Valentinstagsschokolade, sogar ohne Frau, die sie ihnen schenkt. Online bestellen sie ihre Schokolade, die dann in Valentinstagsaufmachung zu ihnen geliefert wird, sogar mit Widmung. Vor wem auch immer – es wird beschrieben, dass sie so ihr Gesicht wahren – vor wem auch immer. Hm, die „Sich-selbst-Schokolade-schenken“-Variante kann schon lecker sein, aber ob sie glücklich macht… Keine Ahnung.

Pralinen ValentinstagEgal, welche Schokolade es wird, eins steht fest: In Japan ist Valentinstag der wichtigste Tag für die Schokoladenbranche. Ich fand es sehr erstaunlich, dass bereits Wochen vor dem Valentinstag in den Kaufhäusern Platz gemacht wurde für diese süße Sünde, meist wunderschön verpackt in bunten hübsch gestalteten Schachteln.

Von der Dimension her kann man sich das ganze ungefähr so vorstellen, wie wenn bei uns zu Weihnachten andere Artikel den Platz für Weihnachtssüßigkeiten räumen müssen. In den exklusiven Kaufhäusern gibt es für ausgewählte Marken – darunter nicht zuletzt bekannte Belgische und Schweizer Schokoladenmarken – kleine Verkaufsstände.

Dort kann man dann nach Lust und Laune auch probieren. Verrückt, oder nicht? Wenn man sich jedoch bewusst macht, dass eine Japanerin durchschnittlich hundert Euro für Valentinstagsschokolade einplant, kann man den Aufwand der Kaufhäuser doch ganz gut verstehen. Was jedoch zuerst da war, der Kaufrausch der Frauen oder die wunderschön dargebotene Schokolade, das weiß ich nicht.

Genau einen Monat später, am 14. März, kommen dann übrigens auch noch die Männer dran. Dann schenken sie den Frauen in der Regel weiße Schokolade. Dieser Tag ist nicht Valentinstag der Zweite, sondern nennt sich White Day. Nachdem die japanischen Männer sich nicht wie ihr weibliches Pendant dem Kaufrausch hingeben, fällt dieser Tag nicht so sehr ins Gewicht wie der Valentinstag.

Zugegeben, Valentinstag ist in Japan schon eine sehr kommerzielle Angelegenheit, viel mehr als bei uns. Und ja, das geht! Und vielleicht hat mich die Werbepsychologie auch voll im Herzen erwischt. Aber ich empfinde es nicht als Stress oder kommerzielles Diktat, wenn ich mich an einem Tag im Jahr von dem Knistern in der Luft anstecken lasse und einen romantischen Tag – bei mir darf die Schokolade natürlich nicht fehlen – mit meinem Liebsten verbringe.
Nachdem meine Kollegen spätestens jetzt wissen, dass ich von diesem japanischen Brauch nicht abgeneigt bin, können die sich schon mal auf was Süßes zu Valentinstag einstellen.
Wer mehr zum Valentinstag in Japan erfahren möchte, kann gerne mal im Asienspiegel vorbeischauen.

(Julia Schreier)

Teil 2: Valentinstag – Nein Danke!
„Was macht ihr so am Valentinstag?“ Dieser oder ähnlich formulierte Sätze lassen mich böse Blicke verteilen und gereizt denken: Schon wieder Valentinstag? Ich hasse diesen „besonderen“ Tag und hoffe, dass ich nicht die Einzige bin!

Warum soll die Liebe, wenn man sie einmal gefunden hat, an einem von der Wirtschaft vorgeschriebenen Tag gefeiert werden? Und was ist mit den Singles? Der Valentinstag will ihnen jedes Jahr vorschreiben, sich ohne Herzblatt einsam oder schlecht zu fühlen. Paare hingegen sollen viel Geld ausgeben, um sich ihre Liebe zu beweisen. Wenn man seine Liebe an den restlichen Tagen im Jahr nicht zeigt, kann man sich das am Valentinstag ebenfalls sparen, finde ich.

Wir haben mit der Zeit unsere ganz eigene Tradition geschaffen, indem wir von Jahr zu Jahr unser ganzes Kleingeld sparen und uns von diesem Geld einen schönen gemeinsamen Hochzeitstag machen. Erstaunlicherweise kommt dabei viel zusammen. Abgesehen davon: Immer wenn einer für den anderen etwas sieht, was er ihm schenken möchte, tun wir dies unabhängig von Valentinstagen und Weihnachten. An diesen Tagen schenken wir uns nämlich grundsätzlich nichts.
Im Ausland gibt es wenigstens gleich gesinnte Valentinstags-Hasser. Am Wochenende vor dem 14. Februar veranstalten Gegner des Kommerzes in London Anti-Valentinstags-Events. Mit Speed-Hating und Blind-Hate, bei dem Beziehungsgefrustete verbal Ihre Wut am Gegenüber auslassen dürfen. Verwelkte Blumen und halb aufgegessene Schokolade dürfen natürlich nicht fehlen.

Im Netz finden sich darüber hinaus tolle Anti-Valentinstags-Karten. Jede Karte mit dem passenden ehrlichen Text, sollte der Partner auf eine solche Geste bestehen. Der Spruch „Nothing says „You´re special“ like a mass-produced sentiment written by someone else“ trifft doch den Nagel auf den Kopf!
Ich denke, es wird noch eine Weile dauern, bis diese Bewegung hier bei uns in Nürnberg angekommen ist. Derweil werde ich weiter jedes Jahr böse Blicke bei der Erwähnung des Wortes Valentinstag verteilen. Vielleicht fragt mich irgendwann keiner mehr.

(Lisa-Marie Roberson-Vogel)

Teil 3: Valentinstag – Jain!
Meine Haltung zum Valentinstag ist zwiespältig: Wer mich fragt, wie ich zu diesem „Feiertag“ stehe, bekommt von mir ein ganz eindeutiges „Kommt darauf an“ zur Antwort. Ich sehe nämlich sowohl positive als auch negative Aspekte an dieser Veranstaltung.

Valentinstag BlüteTypisch, wird jetzt manche(r) sagen, der macht es sich leicht und will einfach nicht Stellung beziehen. Aber es gibt eben nicht nur schwarz und weiß, und jede Medaille hat zwei Seiten. Ich erzähle einfach mal die Pro- und Contra-Argumente, die ich für mich gefunden habe.
Und wie ich mich letztlich mit dem Valentinstag arrangiert habe:
Hauptargument Nummer 1 gegen den Valentinstag ist natürlich der Konsum. Das ist richtig! Wieder so eine typische, von der gierigen Wirtschaft verordnete, Geschenkaktion. Klar, die Blumenhändler müssen auch leben! Und dafür wird eine so edle Empfindung wie die Liebe brutal instrumentalisiert und ausgenutzt. Bloß damit der Rubel noch schneller rollt!

Der zweite Grund gegen Valentin ist der erbarmungslose Druck, dem Millionen von Männern durch ihn ausgesetzt werden. Wer nicht seine valentinstägliche Pflicht erfüllt, bekommt in der Regel brutalen Stress mit der Liebsten. Und außerdem droht auch noch die gesellschaftliche Ächtung – zumindest von Seiten des weiblichen Teils der Gesellschaft.
Ich hatte da vor Jahren ein prägendes Erlebnis: Damals arbeitete ich in der Redaktion einer Zeitung und in meinem Ressort waren – außer einem Kollegen und mir – noch etwa sieben bis acht Kolleginnen. Es war Valentinstag und ich kam in der Mittagspause zufällig an einem Blumenladen vorbei. Einem plötzlichen Impuls folgend, kaufte ich einen geschmackvollen Strauß für meine Frau und brachte diesen nach der Pause mit in die Redaktion.

Die Folgen waren katastrophal! Nicht für mich, mein Ansehen stieg bei meinen Kolleginnen in nie gekannte Höhen. Nein, sondern für deren Freunde und Ehemänner. Denn kaum sahen die Kolleginnen meinen Blumenstrauß, brach der aufgestaute Groll gegen ihre Partner, die anscheinend die Gebote des Valentinstags nicht peinlich genau befolgten, wie eine Flutwelle heraus. Es wurden den Partnern in deren Abwesenheit lautstarke Vorwürfe gemacht.
Wilde Drohungen wurden ausgestoßen für den Fall, dass wieder kein Blumenstrauß oder ein vergleichbares Geschenk zu Hause auf sie warten würde. Gegenseitig bemitleideten sich die tief verletzten Kolleginnen und klagten sich ihr Leid, was sie für unsensible und gefühlsarme Klötze zu Hause sitzen hätten. Und sie schmiedeten Pläne, wie sie diesen Klötzen die schlechten Manieren schon noch austreiben würden.

Als sie mir dann noch das zweifelhafte Kompliment machten, sie würden mich bei ihren Partnern als leuchtendes Beispiel anpreisen, verließ ich die Räumlichkeiten, voller Mitleid für meine ahnungslosen Geschlechtsgenossen und voll schlechtem Gewissen darüber, dass meine an sich so vorbildliche Tat einem halben Dutzend mir unbekannter Männer, die mich von jetzt an auch noch hassen würden, den Abend wohl gründlich verderben würde. Seit diesem Erlebnis überlege ich mir immer wieder, ob es nicht für alle Beteiligten besser wäre, sich dem Diktat des heiligen Valentin nicht zu beugen.

Andererseits – und nun komme ich zu dem für mich positiven Aspekt des Valentinstages – bietet so ein allgemein anerkannter und bekannter Termin auch gerade den Männern, die bei der Pflege der Beziehung vielleicht nicht immer so aufmerksam sind, wie die Damen sich das wünschen, eine willkommene Hilfestellung.
Männer sind ja bekanntlich oft etwas wortkarger bei der Erklärung ihrer Gefühle. Und wem die Fähigkeit, die Frau oder Freundin durch spontane Beweise der Zuneigung zu erfreuen, nicht in die Wiege gelegt wurde, der findet an so einer Terminvorgabe die nötige Orientierung. Zumindest einmal im Jahr gelingt es dem armen Kerl auf diese Weise, die Erwartungen der Partnerin zu erfüllen.

Dank sei Bischof Valentin! Wer dies, so wie ich, nicht nötig hat, der kann dem Valentinstag ganz entspannt entgegen sehen, souverän auf den blöden Konsum schimpfen – und zwei Wochen später viel Geld für einen geschmackvollen Strauß auf den Ladentisch des Blumenhändlers seines Vertrauens legen.

(Johannes Plott)


Und jetzt wollen wir von Ihnen wissen: Wie halten Sie es mit dem Valentinstag?

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2 Kommentare

  1. Roland Farnbacher schreibt am 14. Februar 2014 um 11:33:

    Schöner Beitrag mit einem interessanten Einblick in japanische Gepflogenheiten. Grundsätzlich bin aber, was den Valentinstag betrifft, voll und ganz auf der Seite von Lisa-Marie. Wobei ich die Schokolade für den Mann aber trotzdem nicht ablehnen würde – rein aus Höflichkeit natürlich… ;o)

  2. Pingback: Wenn der Hund von Freunden einzieht - ERGO Direkt Blog

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