Wenn er fällt, dann schreit er – Tipps für mehr Sicherheit beim Reiten

Pferde sind mein Leben. Bereits mit fünf Jahren habe ich mit dem Reiten begonnen. 15 Jahre und einige Knochenbrüche später, sind mir auch die Gefahren dieses wundervollen Sports bewusst. Um das Risiko so gering wie möglich zu halten, habe ich einige Tipps für Sie.

Einem bekannten Sprichwort zufolge versteckt sich das Glück auf dem Rücken der Pferde. Irgendetwas muss da tatsächlich dran sein, denn fast vier Millionen Menschen schwingen sich regelmäßig in den Sattel.

Reiten – für mich steht das für Freiheit, Naturverbundenheit und eine einzigartige Verbindung zwischen Mensch und Tier. Allerdings gilt Reiten auch als Risikosportart, denn die Verletzungsgefahr ist nicht zu unterschätzen. Viele Gefahrenquellen können Sie jedoch durch richtiges Verhalten im Umgang mit dem Pferd und entsprechende Schutzkleidung minimieren.

Sportpartner Pferd

Pferde gelten als sensible Tiere. Wer reitet, teilt seinen Sport mit einem Lebewesen, das eigene Bedürfnisse und Charakterzüge mitbringt. Es ist daher wichtig, sich mit den Eigenheiten dieser Tiere vertraut zu machen.

Wenn Sie sich intensiv mit dem Pferd und seinem Verhalten beschäftigen, verrät Ihnen seine Körpersprache bereits viel über seinen aktuellen Gemütszustand. Augen- und Ohrenspiel – und sogar der Gesichtsausdruck – helfen Ihnen, zu erkennen, wie das Pferd in bestimmten Situationen reagiert.

Zudem lernt über den kontinuierlichen und aufmerksamen Kontakt auch das Pferd Sie besser kennen. Gegenseitiges Vertrauen ist hier das Zauberwort. Ein Pferd, das seinem Reiter vertraut, reagiert auch in Gefahrensituationen gelassener.

Mädchen mit Reithelm küsst Pferd auf die Nase

Unfallverhütung im Reitsport

Sicherheit beginnt schon in der Box oder auf der Koppel. Pferde können fast rundherum sehen, deshalb nehmen sie auch kleinste Bewegungen in ihrer Umgebung wahr. Sie verfügen über einen ausgeprägten Fluchtreflex. Unbekannte, vor allem große Objekte, erleben sie als Bedrohung, wenn sie sich auf sie zu bewegen.

Schon eine Plastiktüte kann ein Pferd in Panik versetzen. Nähern Sie sich ihm daher immer behutsam und von der Seite. Vermeiden Sie hektische Bewegungen und laute Geräusche. Ruhiges Ansprechen und richtiges Führen des Pferdes leisten einen wichtigen Beitrag zur Unfallverhütung.

Auch die Pferdepflege sollte im Idealfall außerhalb der Box erfolgen. Das Pferd wird dafür mit einem Sicherheitsknoten auf einem festen Untergrund angebunden. Räumen Sie lose Gegenstände wie Eimer oder Mistgabeln aus dem Weg. So verhindern Sie, dass sich das Pferd erschreckt, weil Sie über herumliegende Gerätschaften stolpern. Kontrollieren Sie außerdem vor dem Reiten immer, ob Sattel und Trense in Ordnung sind.

Von Kopf bis Fuß – Schutz vor Verletzungen durch die richtige Reitkleidung

Schon die richtige Kleidung leistet einen wichtigen Beitrag für die Sicherheit beim Reiten und einen guten Schutz im Falle eines Falles. Lange Hosen verringern das Risiko von Abschürfungen.

Ideal sind enganliegende Reithosen ohne Naht an der Innenseite, am besten mit Knie- oder Vollbesatz. Schuhe mit Schnürsenkeln sind tabu – das verhindert ein Hängenbleiben und reduziert die Sturzgefahr. Am besten eignen sich spezielle Reitstiefel aus Gummi oder Leder.

Generell ist auf festes Schuhwerk mit mindestens 1,5 cm Absatz zu achten. Der Schaft sollte außerdem immer über den Knöchel gehen. So bleibt der Fuß sicher im Steigbügel. Pferde sind sehr große Tiere. Ein eventueller Sturz erfolgt daher aus großer Höhe. Sorgen Sie deshalb unbedingt für einen guten Schutz von Kopf und Rücken.

Ein gut sitzender Helm ist Pflicht, auch wenn Sie schon über langjährige Reiterfahrung verfügen. Schweren Verletzungen im Bereich von Rücken und Brustkorb können Sie mit speziellen Reitwesten vorbeugen.

Achtung: Hier gibt es zum Teil erhebliche Unterschiede hinsichtlich Qualität und Schutzlevel. Einige Modelle schränken außerdem die Bewegungsfreiheit deutlich ein. Lassen Sie sich daher vor dem Kauf im Fachhandel beraten.

Mädchen auf Pferd mit Reitstiefeln und Reiterhose

Unfallverhütung in der Reithalle und im Gelände

Für die Vermeidung von Unfällen in der Reithalle oder beim Geländereiten gelten Gelände- und Bahnregeln. Ein Sicherheitsabstand von mindestens 2,50 m in der Reithalle und 10 m im Gelände verhindert das Aufreiten auf Fußgänger oder andere Reiter. Außerdem schützt er vor Verletzungen durch Tritte oder Stürze

Wenn Sie einen Ausritt planen, informieren Sie mindestens eine weitere Person darüber, wo es hingehen soll. Nehmen Sie für den Notfall immer Ihr Handy mit. Mit dem Smartphone können Sie nicht nur schnell Hilfe rufen, sondern auch Ihren genauen Standort versenden.

Absicherung gegen Unfälle

Trotz aller Sicherheitsmaßnahmen lassen sich Unfälle nicht immer verhindern. Ein Sturz vom Pferderücken kann dramatische Folgen haben. Knochenbrüche oder Verletzungen von Kopf oder Wirbelsäule können bleibende Beeinträchtigungen hinterlassen.

Eine private Unfallversicherung schützt vor den finanziellen Folgen eines Unfalls. Zusätzliche Hilfe erhalten Sie auf Wunsch, wenn Sie aufgrund Ihrer Verletzungen Hilfe im Alltag benötigen. Können Sie als Folge des Unfalls kein Auto fahren, springt der Unfall-Mobilitäts-Service ein und bringt Sie zum Arzt oder ins Büro.

Als Pferdehalter ist es zudem sinnvoll, sich gegen die finanziellen Folgen von Sach- oder Personenschäden abzusichern, die das Pferd verursachen kann. Von gesetzlicher Seite aus ist eine Pferdehalter-Haftpflichtversicherung zwar nicht verpflichtend, dennoch entscheiden sich viele Pferdebesitzer dafür.

Kein Wunder, denn ein ausgewachsenes Pferd bringt locker 500 Kilo auf die Waage und verfügt über immense Kräfte. Gerät ein so großes Tier in Panik, kann es einen ziemlichen Schaden anrichten.

Wird dabei fremdes Eigentum beschädigt oder ein Mensch verletzt, haftet stets der Eigentümer.  Auch dann, wenn er selbst keine Schuld trägt. Das kann schnell ziemlich teuer werden. Bestenfalls sind Sie als Pferdehalter also entweder Multimillionär oder versichert.

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