Oldtimer: Alte Liebe rostet nicht

Oldtimer Wenn man den Geschichten aus meiner Kindheit Glauben schenken darf, so war eines meiner ersten Worte „Auto“. Tatsächlich gibt es Bilder, die beweisen, dass ich schon mit acht Monaten auf den Fahrersitz meiner Eltern geklettert bin.

Die Faszination für Autos hat mich bis heute nicht losgelassen: Ich fahre immer und überall, am liebsten weite Strecken. Nur eines hat mich über die Jahre immer mehr genervt: Das Fahren mit den heutigen Autos ist eigentlich keines mehr! Die mobile Autowelt ist sicherer, aber auch langweilig geworden.

Dinge wie selbstschaltende Getriebe, automatisches Einparken oder Navigieren mit Stauumfahrung in Echtzeit brechen einem echten Autonarren das Herz. Daher beschloss ich schon vor Jahren, dass ein Oldtimer her müsse. Seitdem war ich auf der Suche nach einem Käfer oder einer Ente. Gemütlich sollte der Oldie sein, original, stilecht und möglichst ohne Elektronik.

Liebe auf den ersten Blick

Ich sehnte mich nach dem Geruch von Benzin, nach einer servofreien Lenkung und einer Kupplung, die so schwer geht, dass man am nächsten Tag einen Muskelkater im Bein hat. Doch ich fand trotz hoher Bestände keinen Wagen, der mich angesprochen hat.

Und wie so oft im Leben kommt immer alles anders als man denkt. Als ich bei Freunden zum Kaffee eingeladen war, erblickte ich einen traurig aussehenden Porsche aus den 80ern im Garagenhof. Aus Neugierde bat ich darum, mich nur mal kurz reinsetzen zu dürfen. Und schon war es passiert: Der Wagen fühlte sich trotz seines bewegten Vorlebens und eines etwas desolaten Zustandes absolut richtig an! Wir einigten uns über den Preis und ich ging glücklich nach Hause.

Zum Glück hatte ich mich schon im Vorfeld gut informiert, was bei einem Oldie alles zu beachten ist. Auch nacheiner guten Werkstatt hatte ich mich umgesehen, die ihn mechanisch wieder auf Trab bringen konnte.

Sollten Sie sich auch für einen Oldtimer interessieren, habe ich Ihnen hier einige Tipps aufgelistet:

Oldtimer: Wertanlage, Alltagsfahrzeug oder beides?

Überlegen Sie sich vor einem Kauf, ob das Auto eine Kapitalanlage und/oder für die tägliche Nutzung gedacht ist. Sie können sich über die Wertentwicklungen aller gängigen Modelle in Fachzeitschriften (zum Beispiel AUTOBILD Klassik) schlau machen. Dort sind die Wertzuwächse beziehungsweise -verluste der letzten Jahre aufgelistet.

Lassen Sie sich aber nicht von möglichen Wertentwicklungen blenden: Mein Wagen verzeichnet beispielsweise 17 Prozent Wertzuwachs im Jahr. Allerdings müssen Sie davon auch die laufenden Kosten wie Wartung, Versicherung, Steuer und Ersatzteile abziehen. Idealerweise erzielen Sie ein Patt und gehen auf Null raus.

Darüber hinaus erfahren Sie in den Zeitschriften, wie alltagstauglich Ihr Fahrzeug ist, wie hoch die Reparaturkosten sind und ob Sie leicht an Ersatzteile herankommen. Gerade bei Exoten kann es zu großen Schwierigkeiten kommen, wenn Sie ein bestimmtes Teil benötigen.

Was muss ich beim Kauf beachten?

Haben Sie sich für ein Modell entschieden, können Sie auf die Suche danach gehen. Nutzen Sie entweder die einschlägigen Autobörsen für Gebrauchtwagen oder wenden Sie sich direkt an Clubs. Das eine oder andere Mitglied trennt sich von seinem Schatz und diese Modelle sind in der Regel besonders gut gepflegt.

Generell gilt bei einem Oldtimer: Lieber das etwas teurere Modell nehmen und im Nachgang sparen. Lassen Sie die Hände von Bastelbuden oder Modellen ohne nachvollziehbare Historie. Dies ist eher etwas für Experten, die sich gut mit der Materie auskennen oder selbst schrauben können.

Apropos Experte: Sehen Sie sich niemals ein Auto alleine an! Nehmen Sie einen Freund mit, der sich mit Autos gut auskennt oder nehmen Sie gleich die Hilfe eines Kfz-Sachverständigen in Anspruch. Das ist nicht teuer und spart Ihnen im Nachgang im Zweifelsfall viel Geld.

Wie bekommt man eine H-Zulassung?

Um an das begehrte Oldtimer-Kennzeichen zu kommen, muss das Auto folgende Kriterien erfüllen:

  • Es muss mindestens 30 Jahre alt sein
  • Es muss vom Gutachter (TÜV oder Dekra) als Kulturgut anerkannt werden
  • Es sollte möglichst im Originalzustand sein (es werden beispielsweise nur Lackierungen akzeptiert, die es damals für den Wagen gab)
  • Die Hauptuntersuchung muss bestanden werden

Was bedeutet die H-Zulassung?

Das Oldie-Kennzeichen bietet eine Reihe von Vorteilen: Sie dürfen mit Ihrem Auto auch in Umweltzonen fahren, selbst wenn sie keinen KAT haben. Der Steuersatz ist pauschal für alle Oldies gleich und liegt unabhängig vom Hubraum bei 191 Euro jährlich. Darüber hinaus bekommt man bei Versicherern einen günstigen Tarif, da Oldtimer weniger bewegt und dafür mehr gepflegt werden als normale PKWs. Ansonsten dürfen Sie den Wagen ganz normal fahren und nutzen, auch im Ausland.

Weitere Tipps

  • Beachten Sie immer, dass es sich wirklich um einen alten Schatz handelt. Fahren Sie die Motoren sorgsam warm und prüfen Sie wöchentlich den Ölstand. Suchen Sie sich eine Werkstatt, die entweder auf das Modell oder generell auf Oldtimer spezialisiert ist und lassen Sie ihn dort warten. Bei der Suche helfen Ihnen auch gerne die zahlreichen Oldtimerclubs weiter.
  • Lassen Sie den Wagen nach Möglichkeit versiegeln: Profiwerkstätten sprühen die Hohlräume mit Rostschutz aus und sie müssen sich nicht ein paar Jahre später über gammelndes Blech ärgern.
  • Und der beste Tipp zum Schluss: Bewegen Sie das Fahrzeug! Kein Auto wurde gebaut, um zu stehen. Wenn Sie diese Kniffe beachten, haben Sie im besten Fall eine Geldanlage, die viel Spaß macht!
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