Christkind, Dürer, Lebkuchen: Unser buntes Nürnberg

Wo befindet sich eigentlich ERGO Direkt? Und was für Menschen sind diese Franken? Ein Blick auf die ganz besonderen Seiten Nürnbergs.

Zugegeben: Es gibt hübschere Städte in Deutschland. Man sieht Nürnberg deutlich an, dass hier im Zweiten Weltkrieg ganze Stadtviertel den Bomben zum Opfer gefallen sind.

Die Zerstörung war so groß, dass es sogar Überlegungen gab, die Stadt aufzugeben und an anderer Stelle neu zu errichten. Aufgebaut hat man trotzdem wieder recht flott – mal originalgetreu, mal in schönster Nachkriegsarchitektur der Fünfziger Jahre, sodass sich ein Flickenteppich der Jahrhunderte ergibt, der sich ganz besonders in der Altstadt entlang der Pegnitz zeigt.

In der Weißgerbergasse überlebten zahlreiche Fachwerkhäuser die schweren Luftangriffe

So ein Fluss mitten durch die Stadt war im Mittelalter ein gewaltiges Risiko. Zwar wurde das Wasser zur Versorgung und für die Betreibung der zahlreichen Mühlräder dringend benötigt, andererseits war der Fluss natürlich eine gefährliche Sicherheitslücke in der Stadtmauer.

Der berühmte Henkersteg bei Nacht

Viele andere Städte – Köln, Dresden, Würzburg – lenkten den Fluss an der eigentlichen Stadt vorbei; die Nürnberger dagegen ließen am flussaufwärtigen Tor absenkbare Gatter und Verteidigungstürme anbringen, die das Eindringen von Eroberern und Brandfallen aufhalten sollten. Mit Erfolg: In ihrer achthundertjährigen Geschichte wurde die Stadt niemals eingenommen, und man kann noch heute die komplett erhaltene und teilweise mit gigantischen Gärten begrünte Stadtmauer umrunden.

Der Nürnberger Witz

Nürnberg wurde im Mittelalter vor allem als Stadt des Handels und des Handwerks bekannt. Mehrere große Handelsrouten führten durch die kaiserliche Reichsstadt, die dadurch mit vielerlei Zutaten und Rohstoffen gut versorgt war.

Dies führte nicht nur zu mechanischen Erfindungen wie der Taschenuhr und dem ältesten erhaltenen Globus (auf dem, im Jahre 1492 entstanden, der Kontinent Amerika noch fehlt), sondern auch zu den auf kostbaren Gewürzen basierenden Spezialitäten der Gegend, wie den berühmten Elisen-Lebkuchen und den kleinen Nürnberger Rostbratwürstchen. Johann Wolfgang von Goethe hatte sich in die letzteren so verliebt, dass er sie sich per Kutsche nach Weimar liefern ließ.

Das Albrecht-Dürer-Haus in Nürnberg

Auch die schönen Künste kamen nicht zu kurz: Einer der berühmtesten Söhne der Stadt ist der Künstler Albrecht Dürer, dessen Hasen sicher jeder schon im Kunstunterricht bewundern durfte.

Der als „Nürnberger Witz“ bekannte Einfallsreichtum erhielt sich bis in die Moderne. Während der Industriellen Revolution erarbeitete man sich eine wichtige Rolle in der Metallverarbeitung und brachte Firmen wie den Motorradhersteller Zündapp und die heutige Fahrradmarke Hercules hervor.

Die erste deutsche Papiermühle drehte sich hier im Jahr 1390, und nur 540 Jahre später wurde Nürnberg Geburtsort des Tempo-Taschentuchs. 1927 entstand das erste deutsche Versandhaus: die Quelle GmbH, aus der 1984 die Quelle Versicherung hervorging, die seit 2010 den Namen Ergo Direkt trägt.

„Bassd scho“ – Fränkischer Pragmatismus

Auf Durchreisende und Zugezogene wirken die fränkischen Ureinwohner ein wenig eigenwillig und spröde. Hochtrabende Emotionen kennt man kaum – die korrekte Antwort auf fast alle Facetten des Lebens, sei es die momentane Gefühlslage oder die persönliche Meinung, lautet schlicht: „Bassd scho“, zu hochdeutsch etwa „passt schon“.

Mehr über den fränkischen Dialekt erfahren Sie in unserem Beitrag: Fränkisch: der Dialekt Ihres Vertrauens  

Der schöne Brunnen (vorne) und die Turmspitzen der St. Sebald Kirche (im Hintergrund)

So sind auch das eigentlich Liebenswerte an den Nürnberger Sehenswürdigkeiten mehr die Geschichten, die hinter ihnen stecken. Etwa beim Schönen Brunnen auf dem Hauptmarkt, der in seinem frisch restaurierten Glanz zwar durchaus ansehnlich ist, dessen Verpackung aber mehr Besucher anzieht als der Brunnen selbst – am richtigen Ring des Eisengitters zu drehen, soll nämlich Wünsche erfüllen.

Ein schönes Beispiel für die fränkische Lebensart bietet auch der Stadtheilige St. Sebald, der erst fünfhundert Jahre nach seinem Ableben durch den Papst heilig gesprochen wurde.

Warum? Die ehrenwerten Nürnberger schickten eine Delegation nach Rom, die mit Unterschriftensammlungen, Belegen über Wunderheilungen und sachlichen Argumenten darlegte, warum der fromme Eremit und Menschenfreund trotz mangelndem Märtyrertod in den Kanon aufgenommen werden musste.

Sein Prunkschrein in der Sebalduskirche beinhaltet ein ganzes Sammelsurium an nicht ausschließlich biblischen Figuren: Fabelwesen und antike Heroen, weinselige Engelchen und eine Justitia mit bloßem Knie tummeln sich auf dem von Delphinen und Schnecken getragenen Kunstwerk. Das sollte man sich bei einem Besuch nicht entgehen lassen!

Übrigens muss Kultur hier gar nicht teuer sein. Wussten Sie, dass man im Germanischen Nationalmuseum mittwochs ab 18 Uhr freien Eintritt genießt? Oder dass man die Nürnberger Symphoniker und die Staatsphilharmonie im Sommer kostenlos beim größten Picknick der Stadt beim „Klassik Open Air“ bewundern kann?

Die Kaiserburg in Nürnberg

Durch die Kaiserburg schlendern kostet keinen Eintritt, erst wenn man das Innere besichtigen will, muss man bezahlen.

Übernachten kann man direkt nebenan in den alten Stallungen, die jetzt als Jugendherberge einen neuen Zweck gefunden haben. Und auch für das leibliche Wohl ist gesorgt: Am Kopernikusplatz kann man für wenig Geld Brot und Gebäck vom Vortag, klein geratene Eier und krummes Gemüse frisch vom Bauern erwerben.

Nürnberg ist abseits von Rauschgoldengeln und Meistersingern eine Stadt, die mit vielen spannenden Geschichten aufwarten kann. Liebe, Rache und Forscherdrang sorgen seit Jahrhunderten für Aufsehen. Wird sich daran etwas ändern? Wir hoffen doch nicht!

Was gefällt Ihnen am besten in Nürnberg ? Welche Orte fehlen und müssen Ihrer Meinung nach unbedingt noch erwähnt werden? Disskutieren Sie mit uns!

 
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