Munich Re sichert die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien ab

Ein Ausfall der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien ist beim Rückversicherer Munich Re mit 300 Millionen Euro abgesichert.

Munich Re im Interview zur Absicherung der FIFA300 Millionen Euro würde es dem weltweit größten Rückversicherer Munich Re kosten, wenn die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien abgesagt werden würde. Ich habe deshalb Andrew Duxbury, der bei Munich Re für die Absicherung solcher Großereignisse zuständig ist, dazu befragt.

Konrad Welzel: Warum werden sportliche Großveranstaltungen, wie zum Beispiel die Fußball-Weltmeisterschaft, versichert?

Andrew Duxbury: Bei großen Sportveranstaltungen geht es immer um sehr viel Geld. Und zwar nicht erst, wenn die Sportler gegeneinander antreten. Rund um Großveranstaltungen wie eine Fußball-Weltmeisterschaft oder die Olympischen Spiele sind viele Versicherer mit von der Partie: die Bau- und Montageversicherung beim Bau der Stadien, die Haftpflichtversicherung der Veranstalter, Unfallversicherung für die Sportler, die Diebstahlversicherung für die Pokale oder Medaillen und, last but not least, die Veranstaltungsausfallversicherung.

Konrad Welzel: Was wird von einer Veranstaltungsausfallversicherung gedeckt?

Andrew Duxbury: Mit einer Veranstaltungsausfallpolice können sich die Beteiligten gegen die finanziellen Folgen absichern, die entstehen, wenn eine Sportveranstaltung nicht wie geplant durchgeführt werden kann oder im schlimmsten Fall komplett abgesagt werden muss. Denn das kann teuer werden. Fernsehsender verlangten ihr Geld für die Übertragungsrechte zurück, Sponsoren für die Werbung und Besucher für die Tickets. Maskottchen und T-Shirts könnten nicht verkauft werden, Hotels blieben leer, Reisebuchungen würden storniert. Vor diesen Verlusten können sich Organisatoren und Unternehmen mit einer Veranstaltungsausfallversicherung schützen.

Andrew Duxbury von Munich Re

Andrew Duxbury ist bei Munich Re für die Absicherung von Großveranstaltungen zuständig.

Konrad Welzel: Seit wann gibt es diese Versicherung?

Andrew Duxbury: Die Veranstaltungsausfallversicherung hat spätestens seit der Vergabe von Fernsehrechten in den 60er/70er Jahren an Bedeutung gewonnen, da es hier um sehr hohe finanzielle Verpflichtung geht. Munich Re betreibt dieses Geschäft seit den Olympischen Spielen 1972 in München.

Konrad Welzel: Was muss passieren, damit eine solche Veranstaltung ausfällt?

Andrew Duxbury: Da sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist nur, dass das auslösende Moment außerhalb der Kontrolle des Versicherungsnehmers liegen muss, damit die Police greift. Naturkatastrophen, Terroranschläge, sich schnell ausbreitende ansteckende Krankheiten, Stromausfall oder schlicht ein großes Feuer, das zum Beispiel unmittelbar vor der Eröffnungsfeier ein Olympiastadion zerstört – das alles kann zu einer Unterbrechung oder einem Ausfall führen. Das Problem bei Sportereignissen dieser Dimension liegt darin, dass sie nicht spontan woanders hin verlegt werden können, wenn unmittelbar vor dem Ereignis etwas passiert.

Konrad Welzel: Ist denn schon mal eine Weltmeisterschaft ausgefallen?

Andrew Duxbury: Nein, zum Glück musste noch nie eine der ganz großen Sportveranstaltungen abgesagt werden. Aber ich habe schon manchmal die Luft angehalten. Zuletzt bei der Rugby-Weltmeisterschaft in Neuseeland 2011. Nach dem starken Erdbeben in Christchurch konnten dort keine Wettkämpfe stattfinden. Aber mit den vereinten Kräften aller Beteiligten ist es gelungen, die Wettbewerbe in anderen Städten durchzuführen. Die Versicherer trugen die daraus entstehenden Zusatzkosten.

Ich erinnere mich auch noch daran, als 2008 in China nur wenige Monate vor der Olympiade die Erde bebte. Die Chinesen haben es trotzdem geschafft, dass die Spiele wie geplant stattfinden konnten. Solche sportlichen Megaereignisse haben nicht nur eine große wirtschaftliche sondern auch eine politische und für viele Menschen sehr emotionale Bedeutung. Das heißt, man kann davon ausgehen, dass alle Beteiligten alles dafür tun werden, damit sie stattfinden.

Konrad Welzel: Wie kommen sie zu der Einschätzung des Risikos, ob eine Fußball-Weltmeisterschaft ausfällt?

Andrew Duxbury: Unmittelbar nachdem der Austragungsort einer Weltmeisterschaft bekannt gegeben wird, fangen wir an, uns mit allen Fragen der Risikoeinschätzung zu beschäftigen. Wir diskutieren zum Beispiel mit unseren Geo-Experten, ob ein Land stark von Naturgefahren gefährdet ist. Brasilien ist nicht sehr von Erdbeben, heftigen Stürmen oder anderen extremen Wetterereignissen bedroht.

Auch unsere Spezialisten, die die politischen Gefahren in einem Land einschätzen können, werden zu Rate gezogen. Dabei hilft es uns sehr, dass Munich Re eine Tochtergesellschaft in Sao Paulo hat. Die Kollegen vor Ort haben natürlich ein viel realistischeres Bild von der Situation im Land als wir in Europa. Die Unruhen der vergangenen Monate machen uns zwar Sorge, allerdings muss man sagen, dass es eigentlich immer im Vorfeld solcher Großveranstaltungen Proteste gibt, vor allem in den Ländern, wo die sozialen Unterschiede sehr groß sind. Bisher hat während der Spiele die Begeisterung dann aber doch die Probleme für einige Zeit überdeckt.

Und dann schauen wir uns auch noch andere Aspekte an wie die Erfahrung des Gastgeberlandes bei der Durchführung von Megaereignissen, Sicherheitsvorkehrungen, Überprüfung von Mitarbeitern und Ehrenamtlichen und die Notfallpläne.

Konrad Welzel: Haben Sie keine Angst vor Terroranschlägen?

Andrew Duxbury: Diese Bedrohung ist immer da und man darf sie nicht verdrängen, sowohl bei der Organisation als auch beim Underwriting. Das ist spätestens seit dem furchtbaren Attentat, das die Olympiade 1972 in München überschattete, jedem bewusst. Oft sind die Länder mit der höchsten Terrorgefahr auch am ehesten in der Lage, die Bedrohung abzuwehren. Man muss aber darüber hinaus bedenken, dass die politischen Probleme aus anderen Ländern quasi in das Gastgeberland importiert werden, wenn so viele Menschen aus aller Herren Länder zusammenkommen. Daher ist es besonders wichtig, dass die internationale Zusammenarbeit der für die Sicherheit zuständigen Behörden gut funktioniert.

Konrad Welzel: Was passiert, wenn die Spieler oder Zuschauer im Verkehrschaos stecken bleiben?

Andrew Duxbury: In der Tat ist der Verkehr oft eine große Herausforderung. In London, wo der Verkehr schon an einem normalen Tag oft chaotisch ist, wurde für die Olympiade das schlimmste befürchtet – aber dank der hervorragenden Vorbereitung lief alles glatt. In Brasilien bestehen die Herausforderungen nicht nur in den Städten, wo die Spiele stattfinden, sondern auch darin, die großen Entfernungen zwischen den einzelnen Stadien zu überwinden. Aber die Veranstalter bauen genügend Sicherheitspuffer ein, damit die Spieler rechtzeitig zu jedem Anpfiff auf dem Platz stehen. Wenn die Zuschauer nicht rechtzeitig ankommen ist das zwar sehr schade, aber nicht versichert.

Konrad Welzel: Was bereitet Ihnen jetzt noch schlaflose Nächte?

Andrew Duxbury: Für mich als Engländer wäre das Schlimmste, was jetzt noch passieren kann, eine Niederlage Englands gegen Deutschland im Elfmeterschießen.

Unsere Kollegen von ERGO berichten über weitere Versicherungen, die im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft benötigt werden. Unter anderem sind zum Beispiel die Goldmedaillen der Siegermannschaft vor Diebstahl abgesichert.

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