Mitfahrgelegenheit, Carsharing, Leasing – günstigere Alternativen?

Mitfahrgelegenheit und CoEin Auto ist praktisch. Sei es, um den Wocheneinkauf zu erledigen, trockenen Fußes zur Arbeit zu kommen oder mit fünf Koffern in den Urlaub zu fahren. Aber ein Auto ist auch teuer. Ich wollte wissen, was die günstigste Alternative zum eigenen Auto ist, ohne auf den Komfort eines Fahrzeugs verzichten zu müssen. Wie viel spart man wirklich durch Mitfahrgelegenheiten, Carsharing und Leasing?

Vor drei Monaten habe ich mir ein neues Auto gekauft, einen Nissan Qashqai. Ein großer Unterschied zwischen meinem neuen Auto und meinem alten Polo macht sich im Komfort bemerkbar. Aber leider auch im Geldbeutel: Ein größeres Fahrzeug bedeutet mehr Ausgaben für Sprit und Wartung. Ich habe mich deshalb interessehalber nach Alternativen zum Autokauf umgesehen: Mitfahrgelegenheit, Carsharing und Leasing.

Von A nach B mit Carsharing

Anfang des Jahres waren in Deutschland 380.000 Fahrberechtigte im stationsbasierten Carsharing registriert. Das ist etwa ein Prozent aller deutschen Autofahrer. Carsharing bietet Autofahrern die Möglichkeit, minutenweise oder auch bis zu mehreren Wochen ein Auto zu mieten. Beim Carsharing gehören die Fahrzeuge zu einer Carsharing-Organisation. Die Autos stehen entweder auf fest angemieteten Parkplätzen zur Abholung bereit oder der Standort des Fahrzeugs wird dem Mieter über GPS-Ortung angezeigt.

Bei einer größeren Organisation ist eine Buchung über das Internet oder Telefon üblich. Nach Ablauf der Frist müssen die Autos wieder an den festen Standort oder einen definierten Bereich zurückgebracht werden.

Sparen mit Carsharing?

Solange die jährlich gefahrenen Kilometer und Nutzungszeiten unter der Rentabilitätsschwelle von 15.000 Kilometern liegen, ist Carsharing preisgünstiger als ein eigenes Auto.

Die eigenen Kosten für Stellplatz- oder Garagenmiete, Steuer und Versicherungsprämien spart man sich in diesem Fall. Hier ist die Carsharing-Organisation in der Pflicht. Versichert werden die Fahrzeuge in einer Flottenversicherung. Das garantiert, dass viele verschiedene Fahrer mit einem Fahrzeug fahren dürfen.

So funktioniert Leasing

Beim Leasing mietet man sein Wunschfahrzeug über eine fest vereinbarte Laufzeit von einem Händler. Das  bietet einige Vorteile: Kosten lassen sich sicher planen. Auch die Ausstattung des Fahrzeugs kann unter Umständen hochwertiger ausfallen. Auf der anderen Seite sind gerade für Privatpersonen Finanzierungsarten wie Bankkredite meistens wirtschaftlicher. Denn Leasingraten können nicht steuerlich geltend gemacht werden. Außerdem hat man unter Umständen am Ende der Vertragslaufzeit ungewisse Kosten durch eine Instandsetzung des Fahrzeugs.

Kein billiges Taxi für Mitfahrer

Eine Mitfahrgelegenheit ist meist eine gute Alternative für Berufspendler. Bei einer Mitfahrgelegenheit zahlt man in der Regel weniger als bei Bus und Bahn. Auch der Komfort ist um einiges höher. Man sitzt mit maximal fünf Leuten in einem Fahrzeug und muss nicht um einen Sitzplatz kämpfen. Aus meiner Sicht war es das dann aber auch schon mit den Vorteilen.

Die Nachteile liegen auf der Hand: Die Strecke, die ich fahren will, muss zum selben Zeitpunkt auch ein anderer fahren wollen. Dieser andere muss noch dazu über einen Führerschein und ein Auto verfügen. Außerdem spielt die Sicherheit eine wichtige Rolle. Man kann sich nie 100-prozentig sicher sein, zu wem man ins Auto steigt und ob der Fahrzeugführer ein sicherer Autofahrer ist. Das gilt vor allem, wenn man eine Mitfahrgelegenheit für einmalige Fahrten nutzt. Bei Berufspendlern ist das Risiko deutlich geringer, weil man in der Regel immer mit demselben Fahrer fährt. Dazu kommt, dass man als Mitfahrer sehr abhängig ist. Man kann jederzeit versetzt werden. Dann steht man da und muss schauen, wie man zur Arbeit kommt.

Lohnt sich die Mitfahrgelegenheit für Fahrer?

Stellt man sein eigenes Fahrzeug als Transportmittel zur Verfügung, hat es den Vorteil, dass man etwas Geld dazu verdient. Der Verdienst durch eine Mitfahrgelegenheit macht zwar nicht reich, aber es verringert die Kosten für eine Strecke, die man sowieso gefahren wäre.

Der Nachteil ist, dass man Zeit verliert. Es kostet Zeit, die Mitfahrer an einem bestimmten Treffpunkt abzuholen und eventuell an unterschiedlichen Endzielen abzusetzen. Auch als Fahrer hat man ein gewisses Sicherheitsrisiko, da man die Mitfahrer in der Regel nicht kennt. Zudem ist versicherungstechnisch ein solches „privates Taxi“ schwierig. Sobald ein Autofahrer mit seinen Fahrdiensten Geld verdient, also gewerblich aktiv ist, sollte unbedingt den Versicherungsschutz überprüfen lassen. Die private Kfz-Haftpflichtversicherung reicht in diesem Fall nicht mehr aus.

Mein Fazit: Sind Mitfahrgelegenheit, Carsharing und Leasing günstige Alternativen?

Alle Varianten haben für mich Vor- und Nachteile. Natürlich muss ich auf den ersten Blick beim Carsharing nicht so viel bezahlen. Allerdings nur bei weniger als 15.000 gefahrenen Kilometern im Jahr. Das ist nicht viel, wenn man den Urlaub in Italien und Besuche bei der verstreuten Verwandtschaft einrechnet.

Leasing ergibt für mich nur Sinn, wenn man möglichst oft neue Autos ausprobieren möchte. Wenn ich ein Auto nicht mit einer Einmalzahlung bezahlen kann, ist eine Finanzierung durch einen Kredit für mich als Privatpersonen günstiger.

Die Möglichkeit der Mitfahrgelegenheit ist eine Lösung für Pendler oder mal eine Notfalllösung, aber für mich nichts Dauerhaftes. Als Mitglied einer Fahrgemeinschaft für den Weg zur Arbeit kann ich sicherlich Geld sparen, allerdings befindet man sich hier in einer rechtlichen Grauzone.

Ich muss ehrlich zugeben, ich bin und bleibe ein Verfechter des Autokaufs. So bin ich unabhängig und keinem Rechenschaft schuldig, wenn ich einen Kratzer in die Tür mache. Ich kann zu jeder Zeit überall hinfahren, ohne vorher überlegen zu müssen, wann ich das Auto zurück bringen muss. Und ich werde mein Auto – hoffentlich – länger als nur ein bis zwei Jahre fahren.

Weitere Informationen rund um das Thema „So teuer ist das Leben“ finden Sie auch in unserem Themenschwerpunkt. 

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4 Kommentare

  1. Daniel schreibt am 29. Oktober 2015 um 17:32:

    Schöner Beitrag. Allerdings kenne ich niemanden, der Fahrgemeinschaften als „rechtliche Grauzone“ bezeichnen würde. Die gibt es schon seit Jahrzehnten, daran ist rechtlich nichts auszusetzen. Und für die Reise in den Urlaub oder zu Verwandten gibt es ja noch andere Verkehrsmittel wie die Bahn. Somit knacken die 15.000 Kfz-Kilometer wohl fast nur Leute, die wirklich vom Auto abhängig sind, zum Beispiel Staubsauger-Vertreter. Ein gesunder Verkehrsmittel-Mix aus ÖPNV, Carsharing, Fahrrad, Bahn und zu Fuß gehen ist für den Geldbeutel oft das Beste.

    • Katja Brömmel Katja Brömmel schreibt am 30. Oktober 2015 um 11:04:

      Hallo Daniel,

      danke für Ihren Kommentar. Natürlich kann man auch mit Bus und Bahn in den Urlaub oder zu den Verwandten fahren. Allerdings ist man dann an die Abfahrtzeiten gebunden,. Außerdem ist ein Auto deutlich komfortabler, wenn man viel Gepäck dabei hat oder einfach spontan seine Reiseroute ändern will.

      Aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen sagen, dass nicht nur Staubsaugervertreter die 15.000 km im Jahr knacken. Ich habe mein Auto seit vier Monaten und habe bereits jetzt 10.000 km auf der Uhr. Ich bin zwei mal in den Urlaub gefahren – wohlgemerkt innerhalb Deutschlands.

      Aber Sie haben Recht, ein Mix aus verschiedenen Verkehrsmitteln ist für den Geldbeutel das beste. Obwohl ich ein Auto habe, versuche ich möglichst viel mit dem Rad oder zu Fuß zu erledigen:)

  2. Claus schreibt am 28. Januar 2016 um 19:39:

    Große Überraschung. Ein Blog eines Versicherungsunternehmens kommt zu dem Schluss, dass man sich doch sein eigenes Auto kaufen – und womöglich eine Versicherung abschließen – soll?

    Und bei Carsharing soll man sich nur „Stellplatz- oder Garagenmiete, Steuer und Versicherungsprämien“ sparen? Die Liste ist viel länger.

    Reifen, Reifenwechsel, Lagerung, Ölwechsel, Vignette, Waschen, Saugen, Schneeketten, Glühlampen, Waschwasser, Autobatterie, Zahnriemenwechsel, Kupplungstausch, Bremsentausch, Scheibenwischerblätter und Tanken sind gratis?

    • Katja Brömmel Katja Brömmel schreibt am 29. Januar 2016 um 10:07:

      Hallo Claus,

      vielen Dank erst einmal für Ihr Feedback und Ihre Meinung.

      Carsharing lohnt sich, wenn man das Auto für kurze Fahrten braucht. Und natürlich kann man auch deine Liste noch um weitere Einsparpunkte verlängern. Es ist aber eben nur so lange günstiger als ein eigenes Auto, wenn man weniger als 15.000 km im Jahr fährt. Ich, ganz persönlich, finde ein eigenes Auto deswegen praktischer. Dabei geht es nicht um die Versicherung. Ich fahre im Jahr etwa 40.000 km, deshalb rentiert sich Carsharing für mich nicht.

      Es bleibt aber jedem selbst überlassen, ob er ein Auto kauft, least oder am Carsharing teilnimmt.

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