Als Teilnehmerin auf dem internationalen Aktuarskongress in Berlin

Nach 50 Jahren Pause fand der 31. International Congress of Actuaries (ICA) vom 4. bis 8. Juni wieder in Deutschland statt. Mit ca. 2.800 Teilnehmern und über 500 Referenten war es der größte in der Geschichte und ein einmaliges Erlebnis. Was habe ich erlebt?

Zusammen mit sechs Kollegen aus dem Leben-, Kranken- und Sach-Aktuariat startete ich am 5. Juni für eine halbe Kongresswoche nach Berlin-Neukölln. Tagungsort war das Estrel Convention Center, das größte und modernste Kongresszentrum Berlins. 

Unter dem Motto „Getting closer“ waren Aktuare aus aller Welt zum fachlichen und persönlichen Austausch eingeladen.

Mit einer eigenen ICA-App war es möglich, sein individuelles Programm zu planen und sich zu vernetzen. So konnte ich mich z.B. mit einem neuen ERGO-Kollegen zum Mittagessen verabreden.

Was ist ein Aktuar?
Aktuare sind Mathematiker, die in der Versicherungs- oder Finanzbranche arbeiten. Wir analysieren die Vergangenheit, um Vorhersagen für die Zukunft zu treffen. Zu unserer Arbeit gehört u.a., Preise für Versicherungsprodukte zu kalkulieren (Pricing) oder hochzurechnen, wie viel ein Schaden am Ende kosten wird und wieviel an Kapital das Unternehmen dafür zurückstellen muss (Reserving).

Was erwartete uns?

Es war eine Tagung mit Beiträgen aus allen Bereichen der Arbeit von Aktuaren: dies sind die Mathematik der Lebens- und Krankenversicherung, der Schaden-Unfall-Versicherung, Pensionen (Alterungsrückstellungen), Finanzmathematik und die relativ neu hinzugekommene Sektion Aktuarial Data Science. Die Kongress-Sprache Englisch war für die meisten von uns ungewohnt, ich hörte mich jedoch erstaunlich schnell ein.

Fachprogramm: Talks und Plenary Sessions

Es gab parallel laufende zweistündige Vortragsblöcke mit jeweils vier halbstündigen Präsentationen. Um möglichst viele Slots unterzubringen, dauerte ein Kongress-Tag von 8:30 bis 18:30 Uhr. Ganz schön anstrengend!

Die ganze Bandbreite unserer Arbeit wurde angesprochen, manchmal eher theoretisch, manchmal sehr praxisnah: Kollegen aus dem universitären Bereich entwickelten klassische Schätzverfahren weiter.

Praktiker aus der Branche erzählten über aktuelle Fragestellungen, sogenannte Use Cases. Sie zeigten u.a. Lösungsansätze mit Maschine-Learning-Verfahren, darunter auch der Chef-Aktuar unseres Schwesterunternehmens Ergo Mobility Solutions (EMS) Frank Schönfelder.

Dazwischen fanden spannende Plenary Sessions zu Zukunftsthemen für alle statt. Dazu waren hochkarätige Sprecher aus Banken, Versicherungen und der Aufsicht, sprich den Regulierungsbehörden, eingeladen.

Es wurde über die Zukunft im Niedrigzins-Umfeld und über Aufsichts-Systeme der Zukunft diskutiert. Besonders spannend fanden wir die Ausführungen zur zukünftigen Mobilität vom Vorstand des Autovermieters SIXT. Er sprach über Carsharing in den Städten, Ride-Hailing, also über eine App buchbare private Mitfahr-Gelegenheiten, und autonomes Fahren.

Vor dem Hintergrund der immer weiter fortschreitenden Digitalisierung, erscheint es zwingend erforderlich, eine globale Sichtweise einzunehmen, voneinander zu lernen und weltweite Standards zu etablieren. Darin waren sich alle einig, auch wenn es herausfordernd ist.

Rahmenprogramm: Ausflüge und Farewell Event am Abend

Für den Donnerstag Nachmittag waren besondere Veranstaltungen vorgesehen. Die deutschen Aktuare konnten sog. Limited Attendance Experiences buchen, die u.a. in Berliner Museen stattfanden.

Ich hatte die Gelegenheit, ins Technikmuseum nach Kreuzberg zu fahren. Weithin sichtbar ist der Rosinenbomber auf dem Dach! Dort bekamen wir eine Kurzführung zu den Anfängen von Mobilität, also den ersten Fahrrädern bzw. Autos. Anschließend gab es in kleinem Rahmen ein fortgesetztes Fachprogramm.

Vor allem für die ausländischen Gäste, jedoch auch einige deutsche Aktuare, gab es sogenannte Field Trips, also ein klassisches Ausflugsprogramm zu Berliner Sehenswürdigkeiten. Die Kollegen waren begeistert von der Aussicht vom Panorama-Punkt, der zu der Tour „Moderne Architektur“ gehörte.

Am Donnerstagabend waren wir eingeladen in die Kalkscheune, eine denkmal-geschützte Maschinenfabrik mit begrüntem Innenhof in Berlin‘s „Mitte“, gleich hinter dem Friedrichstadtpalast gelegen. Wir wurden auf einen Jahrmarkt der 20er-Jahre zurückversetzt. Es gab Attraktionen, wie Dosenwerfen und Knobelspiele, man konnte sich Lebkuchen-Herzen mit einem Wunschtext beschreiben lassen oder Zuckerwatte satt essen.

Ein weiterer attraktiver Programmpunkt des Abends waren die Auftritte der Aktuarsband und des A-Capella-Chores Carl Friedrich and the Abnormal Distribution mit witzigem Repertoire: die Debut Single “Getting Closer”.

 

Staffelübergabe an Sydney  

 

Der nächste ICA wird 2022 in Australien unter dem Motto „Build the Bridge to Tomorrow“ stattfinden.

Das Einladungsvideo, ein herumhüpfendes Känguru und Koalabilder weckten die Vorfreude darauf.

Vielleicht kann der ein oder andere den Besuch des Events mit einem Urlaub dort verbinden, wer weiß.

 

Mein Fazit

Ich werde den Kongress in sehr guter Erinnerung behalten. Die deutsche Aktuarvereinigung (DAV) hat es geschafft, eine perfekt organisierte Tagung mit breitgefächertem Programm anzubieten und sich als weltoffen zu präsentieren.

Mir gefällt es, über den Tellerrand der täglichen Arbeit hinaus zu blicken. Man bekommt mit, was die Branche bewegt, welche Themen „in“ sind oder welche Verfahren gerade ausprobiert werden.

Wir konnten vielfältige Impulse für unsere Arbeit mitnehmen und die Luft einer internationalen Veranstaltung schnuppern. Auch Berlin ist immer eine Reise wert! Es war schön, mit den Kollegen unterwegs zu sein.

Wir hatten Zeit für Gespräche in den Pausen, beim gemeinsamen Frühstück oder beim Tapas-Essen in Neukölln. Dies ist im Arbeitsalltag nur selten möglich. Danke an die Ergo Direkt, dass wir fahren durften!

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