Granny Au-pair in Tasmanien

Die Granny Au-pair Inge Schneider berichtet von ihren Erfahrungen in Tasmanien.

Granny Au-pairIch denke gerne an meine eigene Zeit als Au-pair in Frankreich zurück. Ich verbrachte ein Frühjahr und einen heißen Sommer in der Region Burgund im Zentrum Frankreichs, unweit von Cluny in einem kleinen Dorf. Das Haus „meiner“ Familie, war ihr ehemaliges Feriendomizil und lag einsam an einer kurvigen Bergstraße, die in einen Wald mündete. Ich kümmerte mich hauptsächlich um die drei Kinder: Iris, drei Jahre, Fleur fünf und Gregoire 13 – eine geballte Mischung französischer Lebenslust und Unbekümmertheit.

Meine persönliche Checkliste vor dem Abenteuer Au-pair:

  • Bin ich tolerant und offen im Umgang mit fremden Menschen?
  • Bin ich neugierig genug für ein Leben in einer fremden Kultur?
  • Spreche ich die fremde Sprache?
  • Wie groß ist mein Durchhaltewille, um auch schwierige Situationen zu meistern?
  • Komme ich ohne meine Familie und Freunde klar?
Natürlich war die Verständigung untereinander am Anfang schwer, ich hatte zwar Französisch in der Schule, beherrschte aber nicht die Raffinessen der Kindersprache und mit der Aussprache haperte es auch. Aber wir gewöhnten uns schnell aneinander und hatten viel Spaß miteinander. Ich bin heute noch in Kontakt mit der jüngsten Tochter der Familie – Facebook sei Dank.

Mich hat die Zeit in Frankreich offener für fremde Kulturen und Menschen gemacht, meine Anpassungsfähigkeit und Flexibilität an neue – mir gänzlich unbekannte – Situationen geschult und meine Sprachkenntnisse enorm verbessert. Außerdem hat der Aufenthalt sicherlich zu meiner Selbstsicherheit und einem erhöhten Verantwortungsbewusstsein beigetragen.

Granny Au-pair in Tasmanien

Mit diesen Erinnerungen an meine eigenen Erfahrungen bin ich neugierig, von welchen Erlebnissen eine „echte“ Granny Au-pair berichtet. Deshalb habe ich Kontakt mit der Agentur „Granny Aupair“ in Hamburg aufgenommen, die seit 2010 Frauen ab 50 ins Ausland zu Gastfamilien vermittelt. Inge Schneider hat sich mit 69 Jahren mit Hilfe der Agentur für funfeinhalb Monate nach Tasmanien getraut, eine Insel am östlichen Rand des Indischen Ozeans. Dort lebte sie in einer Familie in der Stadt Launceston mit rund 70.000 Einwohnern im Nordosten von Tasmanien.

Vor dem Auslandsaufenthalt als Granny Au-pair durchlief die Seniorin zunächst das Bewerbungsverfahren der Plattform: Sie füllte online den Fragebogen aus und erstellte ihr Profil. Danach trudelten die ersten Angebote von unterschiedlichen Familien ein und Inge Schneider nahm auch Kontakt mit einigen für sie interessanten Familien auf. „Durch dieses einfache Vorab-Kennenlernen online versuchte ich mir ein Bild von den Menschen zu machen“, so die Seniorin.

Deutsche Sprachkompetenz wird gefördert

Im Ausland gibt es häufig Mischehen, von denen ein Partner Deutsche/r ist – deshalb möchten diese Familien auch häufig, dass ihr Kind von einer deutschen Granny umsorgt wird. So wird die deutsche Sprache aktiv gesprochen und gefördert. Außerdem ist die „echte“ deutsche Oma in den meisten Fall nicht vor Ort. Inge Schneider erzählt mir, dass „der zweijährige Junge aus der Familie deshalb sehr wissbegierig war und wir sprachen überwiegend deutsch“.
Die Seniorin hat drei Tage in der Woche den kleinen Jungen betreut, gekocht, gebacken und Gartenarbeit verrichtet. Die restliche Zeit hatte sie zur freien Verfügung. Deshalb unternahm sie viele Ausflüge mit dem Bus, um die großen und kleinen Sehenswürdigkeiten der Insel zu erkunden. Dafür erhielt sie sogar noch ein kleines Taschengeld. 

Die Agentur „Granny Aupair“ wurde 2010 von Michaela Hansen gegründet. Lesen Sie hier ein Interview über ihre Motivation, Frauen ab 50 zu Gastfamilien zu vermitteln. Die Agentur hat bereits mehr als 500 Frauen in über 40 Länder vermittelt.

Tasmanien

Tasmanien – Land der Sehnsucht

Tasmanien, der südliche Inselstaat von Australien übte schon immer eine große Anziehungskraft auf Inge Schneider aus. „Die Insel ist dünn besiedelt und es gibt sogar Nationalparks, die noch gar nicht erschlossen sind. Die wunderbaren Sandstrände sind menschenleer. Die multikulturelle Gesellschaft rundet das Bild von Tasmanien positiv ab“, schwärmte die Seniorin.

In Tasmanien zu leben und zu arbeiten hat die Seniorin offener und auch selbstbewusster gemacht. Zudem hat sie gelernt, Missverständnisse in ihrer Gastfamilie sofort anzusprechen und zu klären. Generell findet sie, dass die Menschen im Ausland lockerer und auch freundlicher sind als in Deutschland.

Au-pair in jungen oder in reiferen Jahren?

Leider hatte die Seniorin in jungen Jahren nicht die Möglichkeit ins Ausland zu gehen, sie konnte nicht von zu Hause weg, weil sie sich um ihre Mutter kümmerte und somit blieb ihr Traum erst mal auf der Strecke. Aber nur so lange bis sie von „Granny Aupair“ hörte und die wunderbare Gelegenheit, als Au-pair ins Ausland zu gehen am Schopf packte!

Nach meinem Gespräch mit Inge Schneider kann ich meine anfangs gestellte Frage: „Au-pair in jungen oder in reiferen Jahren?“, nicht abschließend beantworten. Ich denke, die Frage ist eine sehr persönliche und muss jeder für sich selbst beantworten. Wichtig ist, dass der Auslandsaufenthalt in die Lebenssituation des Einzelnen passt und dass der Zeitpunkt der richtige ist. Wenn eine Frau den Traum, als Au-pair zu arbeiten, hat, sollte sie ihn unbedingt umsetzen, es kann sehr bereichernd sein, im Ausland zu leben und viel Spaß machen.

Waren Sie auch als Au-pair im Ausland? Oder planen Sie Ihren Aufenthalt gerade? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

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