Blaue Nacht in Nürnberg

Die ersten beiden Maiwochen sind bei mir dick im Kalender angestrichen. Denn in diesem Zeitraum steigt die für mich größte Kulturfete.

Lorenzkirche in Nürnberg bei Nacht

Lorenzkirche in Nürnberg bei Nacht

Einmal im Jahr öffnet die Stadt Nürnberg Kulturfans Tür und Tor zu einer magischen Nacht, der Blauen Nacht. Dieses Mal startet das Event am 3. Mai und ich schaue nachmittags etwas besorgt aus dem Fenster: Dicke Regenwolken haben sich am Himmel aufgetürmt und ein kalter Wind weht um die Häuser. Und bei diesem Wetter soll ich nachts stundenlang um die Häuser ziehen und Kultur tanken?

Bevor mein innerer Schweinehund noch lauter bellt, durchwühle ich meinen Kleiderschrank und finde tatsächlich eine alte Regenjacke. Dazu ein paar wetterfeste Boots und fertig ist der Lack! Ich packe noch eilig meine Fotoausrüstung in den Kofferraum, verstaue Notizbuch und Getränke in meinem Rucksack und düse in Richtung Innenstadt.

An dieser Stelle gleich der erste Tipp: Wenn Sie niemanden mit Parkplatz in Nürnberg kennen, dann fahren Sie lieber Bus oder Bahn. Der Verkehr zur Blauen Nacht ist schlichtweg der Wahnsinn.

Menschen und Kultur in Massen

Samba auf dem Hauptmarkt in Nürnberg

Samba auf dem Hauptmarkt in Nürnberg

Nachdem ich die letzten Jahre eher ziellos durch die Blaue Nacht gewandert bin, habe ich mir dieses Mal einen detaillierten Plan erstellt, der gute fünf Stunden füllen wird. Den Anfang macht ein Besuch im Volksbad, das seit 1994 stillgelegt ist. Die Gelegenheit muss ich unbedingt für ein paar Fotos nutzen!

Doch meine Vorfreude wird jäh gebremst, also ich die etwa 150 Meter lange Menschenschlange vor dem Eingang sehe. Da sich diese auch nach Minuten nicht bewegt, entschließe ich mich etwas enttäuscht zu einem Besuch im Planetarium, das gleich um die Ecke ist. Doch auch hier sind sämtliche Vorführungen bis weit nach Mitternacht bereits ausgebucht!

Völlig desillusioniert fahre ich zum Hauptmarkt und bestelle ein Eis, von dem wohl auch eine fünfköpfige Familie satt geworden wäre. Dabei beschließe ich, meinen sorgfältig ausgearbeiteten Plan zu verwerfen und mich einfach treiben zu lassen. Wie aufs Stichwort tanzt auch schon eine bunte Sambatruppe an mir vorbei und hebt meine Laune beträchtlich.

Back to the 50s

Danach schlendere ich zum Lorenzer Platz und sehe dort über ein Dutzend stilvoll restaurierte Oldtimer: Von Cadillac bis Volvo ist alles dabei, was Rang und Namen hat. Wer mag, darf sich sogar zu einer Mitfahrt anmelden. Alternativ fährt ein uralter Bus mit toller Patina durch die City. Aber ich kenne mich: Sobald ich in so ein Auto steige, will ich es haben, also belasse ich es bei einigen Fotos und spaziere lieber Richtung Lorenzkirche.

Kultur zur Völkerverständigung

Dort nimmt mich gleich eine Gruppe Amerikaner in Beschlag, die alles über diese in blau getünchte Kirche wissen wollen. Nachdem wir ein paar Fotos zusammen gemacht und die obligatorischen „Drei im Weckla“ verputzt haben, geht’s in das Germanische Nationalmuseum, in dem einige Installationen zeitgenössischer Künstler zu sehen sind.

Ich mag das Museum ja tagsüber schon sehr gerne, aber nachts ist es etwas ganz Besonderes! Die alten Gemäuer und modernen Kunstgegenstände sind in sanftes Blau getaucht und sind ebenso gespenstisch wie faszinierend.

Die „spooky“ Burg

Blaue Nacht in Nürnberg

Blaue Nacht in Nürnberg

Mittlerweile ist es richtig dunkel. Und jeder Blaue Nacht-Besucher weiß: Nichts wie hin zur Burg! Denn hier wird alljährlich eine einzigartige Projektion gezeigt. Künstlerische Bilder werden per Beamer in Übergröße an die alten Sandsteinwände geworfen. Aus der hingerissenen Menge tönt es „spooky!“, „fantastique“ und „woooahh!“. Allerdings stehen die Menschen hier so dicht an dicht, dass es weder einen Zentimeter vor noch zurück geht.

So langsam merke ich, wie mir dieser Gewaltmarsch samt 20 Kilo Gepäck in den Knochen steckt. Ich statte noch einem Cafe einen Besuch ab und blicke mit einem Espresso auf meine Stadt. Es sind nicht so sehr Kunst und Kultur, die mich an dieser magischen Nacht faszinieren. Es ist das friedliche Miteinander von über hunderttausend Menschen, die sich in Nürnberg alljährlich aufs Neue begegnen. Nächstes Jahr bin ich wieder hier – versprochen!

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