Bahnstreik: Welche Rechte haben Reisende?

Als Pendler bin ich direkt vom Bahnstreik betroffen. Welchen Anspruch auf Erstattungen habe ich und was darf ich mir rechtlich erlauben?

BahnstreikDie Bahn streikt und ich als Pendler bin dem hilflos ausgeliefert. Da ich selbst kein Auto habe, bin ich auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. Deshalb fahre ich täglich mit dem Zug von Bamberg nach Nürnberg zur Arbeit. Ein Bahnstreik bedeutet für mich immer ein großes Organisationschaos. Dieses Mal konnte ich mir glücklicherweise für zwei Tage ein Auto in meiner Familie ausleihen. Doch wie sehen eigentlich meine Rechte als Zugfahrer bei einem Streik aus? Was mache ich mit bereits gekauften Tickets? Was sagt mein Arbeitgeber, wenn ich zu spät komme?

Welche Rechte habe ich bei einem Bahnstreik?

Für alle, die beim Bahnstreik nicht kurzfristig auf Alternativen umsteigen können, gibt es einen aktuellen Notfahrplan der Züge. In der Regel können Reisende den nächsten (auch höherwertigen) fahrenden Zug für die gebuchte Fahrt nutzen. Allerdings gibt es hierbei auch Ausnahmen für Spartickets wie zum Beispiel Schönes-Wochenende-, Quer-durchs-Land oder Länder-Tickets.

Außerdem bietet die Bahn derzeit auf ihrer Webseite eine „kostenfreie Erstattung von Fahrkarten aufgrund streikbedingter Zugausfälle“ an. In Ausnahmefällen werden die Kosten von maximal 80 Euro für alternative Reisemittel wie Mitfahrgelegenheiten, einen Fernbus, Mietwagen oder ein Taxi erstattet. Zum Beispiel, wenn die planmäßige Ankunft zwischen 0 und 5 Uhr liegt. Oder wenn die letzte Fahrt des Tages zum Zielbahnhof ausfällt. Auch Übernachtungen werden in Ausnahmefällen von der Bahn erstattet. Allerdings sollte man sich dazu immer eine Bestätigung vor Ort geben lassen und bei einem Serviceschalter informieren. Hier finden Sie weitere Informationen zu den Regelungen der Fahrgastrechte. Aktuelle Informationen zu Ihrer Reise bekommen Sie auch unter der kostenlosen Hotline der Bahn: 08000 996633.

Entschädigungen für Verspätungen der Bahn

Laut EU-Gesetz haben Reisende übrigens generell ein Recht auf die Erstattung von Fahrpreisen bei Verspätungen aufgrund von höherer Gewalt. Darunter fällt neben Unwetter und Erdrutsch auch ein Bahnstreik. Geltend machen kann man die Entschädigungen über das Fahrgastrechte-Formular, das entweder in den Serviceschaltern oder online erhältlich ist.

  • 25 Prozent des Fahrpreises wird erstattet, wenn der Zielbahnhof mindestens eine Stunde verspätet erreicht wird.
  • 50 Prozent des Fahrpreises wird erstattet, wenn der Zielbahnhof mindestens zwei Stunden verspätet erreicht wird.
  • Der Aufpreis, der für einen ICE-Sprinter anfällt, wird ab einer Verspätung von 30 Minuten beglichen.

Interessant ist für mich als Pendler, dass ich auch mit meiner Jahreskarte Anspruch auf eine Entschädigung habe. Pro Fahrt gibt es dafür eine Pauschale:

  • 5 Euro ab einer Verspätung von 60 Minuten in der zweiten Klasse.
  • 7,50 Euro ab einer Verspätung von 60 Minuten in der ersten Klasse.
  • Für BahnCard-100-Fahrer gibt es 10 Euro (zweite Klasse) beziehungsweise 15 Euro (erste Klasse).

Was passiert, wenn ich zu spät zur Arbeit komme?

Rechtlich gesehen kann ein Arbeitgeber sogar das Gehalt kürzen, wenn ich zu spät oder gar nicht zur Arbeit komme. Denn ich trage immer selbst das Wegerisiko und muss deshalb dafür sorgen, möglichst rechtzeitig an meinem Arbeitsplatz zu sein. Allerdings ist der Bahnstreik eine Ausnahmesituation, in der Arbeitgeber sicherlich nicht konsequent durchgreifen wird. Abmahnungen sind aufgrund des Lokführerstreiks in der Regel nicht zu befürchten. Man ist allerdings verpflichtet, den Arbeitgeber über Verspätungen zu informieren. Und auch die zusätzlichen Kosten für den Weg zur Arbeit muss man selbst tragen.

Normalerweise bin ich durch die gesetzliche Unfallversicherung auf meinem direkten Weg zur Arbeit und nach Hause abgesichert. Doch was passiert, wenn ich durch den Bahnstreik zum Beispiel bei Kollegen mitfahre und dadurch einen Umweg in Kauf nehmen muss? „Die Abholung des Arbeitskollegen fällt auf alle Fälle unter den Versicherungsschutz der gesetzlichen Unfallversicherung“, erklärt Dieter Sprott, Experte von ERGO Direkt. Laut des Spitzenverbandes Deutscher Gesetzlicher Unfallversicherung sind Wegeunfälle generell in bestimmten Fällen auch bei Umwegen abgesichert:

  • um Kinder während der Arbeitszeit unterzubringen
  • bei Fahrgemeinschaften
  • bei Umleitungen
  • wenn der Arbeitsplatz über einen längeren Weg schneller erreichbar ist

Dieter Sprott fügt hinzu: „Für Umwege darf es allerdings keine private Veranlassung geben.“ Abgesichert sind demnach keine Einkäufe, Besuche, etc. die außerhalb des direkten Arbeitsweges liegen.

 

Für mich als Pendler bleibt nur zu hoffen, dass die Bahnstreiks bald ein Ende haben, damit ich wieder geregelt ins Büro kommen kann.

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