Wenn die Kinder flügge werden – Freudensprünge oder Mutterblues?

Das Kinderzimmer leer, alles ordentlich, alles still: Wenn die Kinder aus dem Haus sind, beginnt für Eltern ein neuer Lebensabschnitt. Mit dieser Veränderung geht jeder anders um. So geht es mir damit.

Drei Gelehrte reden über den Beginn des Lebens. „Das Leben beginnt mit der Zeugung!“ sagt der katholische Pfarrer. „Na ja“, sagt der evangelische Pastor, „das Leben beginnt wohl mit der Geburt.“ „Was für ein Unsinn!“, meint der Rabbi. „Das Leben beginnt, wenn die Kinder aus dem Haus sind und der Hund tot ist.“ 

Viele Eltern stürzt der Auszug ihrer Kinder in eine Krise. Plötzlich ist das Haus still und leer. Kein „Mama, kannst Du mal …“. Die gemeinsamen Gespräche fehlen, der gemeinsame Alltag. Was bleibt, ist ein Gefühl der Leere und Traurigkeit. Niemand braucht dich mehr.

Das Empty-Nest-Syndrom

Die Frage nach dem Sinn des Lebens stellt sich neu. Dieses Phänomen ist so weit verbreitet, dass es sogar einen eigenen Begriff dafür gibt: „Empty-Nest-Syndrom.“

Meine Zwillinge

Ich stehe gerade irgendwo dazwischen. Zwei meiner Kinder sind ausgezogen und stehen auf eigenen Beinen. Zwei wohnen noch zuhause. Und vielleicht erfasst ja auch mich das Empty-Nest-Syndrom, wenn „meine Kleinen“ – zwei inzwischen 23-jährige ausgewachsene Kerle, die aussehen wie Bodybuilder  – das Nest verlassen.

Noch aber überwiegen die positiven Gefühle: Die Leitung unseres erfolgreichen Familienunternehmens habe ich gerne abgegeben. Ich habe mein eigenes Leben wieder.

Ich kann weggehen, wann und solange ich will. Kann ohne schlechtes Gewissen meinen Hobbies nachgehen und muss mir auch keine Gedanken mehr darüber machen, wie ich Familie und Beruf unter einen Hut bekomme. Wenn ich Lust zum Kochen habe, koche ich. Sonst lasse ich es bleiben. Verhungern wird deshalb keiner.

Loslassen können

Seit meine Großen aus dem Haus sind, kann ich sie leichter ihr Leben leben lassen. Mache mir keine Gedanken mehr darüber, ob sie auch rechtzeitig zur Arbeit und zur Uni kommen, wofür sie ihr Geld ausgeben und was sie aus Mamas Sicht nicht ernst genug nehmen. Schlicht und einfach, weil ich nicht mehr so nah dran bin. Und das tut mir gut.

Einsam und überflüssig fühle ich mich nicht. Wir besuchen uns gegenseitig, treffen uns zu Spieleabenden und zum Essen, telefonieren und schreiben uns über WhatsApp in unsere Familiengruppe.

Ostern mit der Familie

Ich liebe es, wenn wir an Weihnachten, Ostern und Geburtstagen in großer Runde um den Tisch sitzen, essen, reden und lachen: Mein Partner, ich, meine Kinder, der Vater meiner Kinder, seine Frau, die Partner meiner Kinder, deren Eltern, manchmal auch die Freunde…

Diesmal haben wir Weihnachten alle zusammen bei meiner Tochter gefeiert. Ganz ungewohnt, einmal gar keine Arbeit zu haben und nur zu genießen. Ich habe jedem einen Gutschein zum Brunchen geschenkt. Den haben wir im Januar zusammen eingelöst. Und Ostern gab es Lamm bei mir.

Dem Auszug meiner Zwillinge sehe ich gelassen entgegen. Ein bisschen freu ich mich sogar darauf. Morgens in eine aufgeräumte Küche zu kommen, hat schließlich auch seinen Reiz.

Vielleicht geht er ja an mir vorbei, der Mutterblues. Muss ich mich jetzt als Rabenmutter fühlen? 

 

 
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6 Kommentare

  1. Ute Hagen schreibt am 25. Mai 2018 um 15:57:

    Ein großes Thema für alle „Kinder-Besitzer“!!! Genau das sind wir eben nicht! Wir dürfen ein Stück weit begleiten, helfen, fördern. Doch dann gilt es loszulassen und sich seinem eigenen Leben zu widmen.
    Hut ab, wenn Dir das so gelingt!
    Und Recht hast Du, genau das sollten wir auch: GENIESSEN hinterher 🙂

  2. Antonia Kniel Antonia Kniel schreibt am 28. Mai 2018 um 14:21:

    Danke Ute. Klar, immer klappt das Loslassen und entspannt bleiben nicht. Aber immer öfter 🙂

  3. Sandra Winkler schreibt am 30. Mai 2018 um 4:21:

    Ich hab ein Gäste-/ Nähzimmer aus dem Kinderzimmer gemacht. Meine Tochter ist auch schon mal wieder für kurze Zeit eingezogen (nach einem Unfall, da es bei uns keine Treppen gibt). Manchmal fehlt sie mir schon sehr. Ich hab sie innerlich noch nicht richtig loslassen können. Sie ist halt mein einziges Kind.

    • Antonia Kniel Antonia Kniel schreibt am 30. Mai 2018 um 9:44:

      Ich bin gespannt, wie das bei mir wird, wenn auch die „Kleinen“ nicht mehr da sind…

  4. Diana Liersch schreibt am 16. Juni 2018 um 23:23:

    Ich hab ehrlich gesagt einbischen Angst davor … die große hat demnächst ihre Ausbildung fertig und möchte dann ausziehen . Die Zwillinge (demnächst 18 ) machen ab September ein FSJ und ziehen beide deswegen ca 1 1/2stunden weit weg . Meine kleinen meine kleinen Sorgenkinder… weiß noch nicht Wie es mir dann damit geht … mein Mann ist Lkw Fahrer und auch viel unterwegs … er hat aber schon gemerkt das es mir zu schaffen macht und hat jetzt einen Wohnwagen für uns zwei gekauft so das wir dann an den Wochenenden so oft wie möglich wegfahren können und ich damit auf andere Gedanken komme …. bin mal gespannt was da so auf mich zu kommt .

    • Antonia Kniel Antonia Kniel schreibt am 18. Juni 2018 um 9:20:

      Ich hatte auch Angst, bevor meine zwei Großen ausgezogen sind. Wie sie das so schaffen… Ob sie mit ihrem Geld auskommen… Wie ich das mit dem Umzug schaffen soll (musste mich verkleinern) … Ich konnte nächtelang nicht schlafen, weil ich mir die schlimmsten Dinge ausgemalt habe. Alles gut gegangen 🙂

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