Schule beendet – Was bedeutet das für die bestehenden Versicherungen?

Mit dem Schulabschluss beginnt für einen jungen Menschen eine neue Lebensphase. Ist das „ehemalige“ Kind weiterhin in den Versicherungsverträgen der Familie eingeschlossen? Das hängt von einigen Faktoren ab.

Für meine Tochter fielen Schulabschluss und Volljährigkeit nahe zusammen. Nach dem Abitur holte sie erst einmal die ausgefallene Freizeit der Lernmonate nach: sie schaute stundenlang Serien wie „Gossip Girl“, chillte mit Freunden am Nürnberger Stadtstrand oder traf sich mit ihnen zu Spieleabenden. Auch dem achtzehnten Geburtstag fieberte sie lange entgegen. Denn endlich ist die lang ersehnte Freiheit und Unabhängigkeit von den Eltern in greifbare Nähe gerückt.

Sie nutzte die freie Zeit auch für konkrete Planungen der näheren Zukunft: sie machte den Führerschein, informierte sich an diversen Hochschulen über die Inhalte der sie interessierenden Studiengänge und bewarb sich schließlich um einen Platz. Welche Erleichterung, es klappte alles wie gewünscht: Sie bekam die erhoffte Zusage, entschied sich für ein Studium an der Fachhochschule (FH) und eine eigene Wohnung.

Die Situation bei uns ist also folgende: Meine Tochter hat kein Einkommen, bis auf einen geringfügigen Nebenjob. Sie wohnt während des Semesters auswärts. Nur an den Wochenenden genießt sie es, zu Hause von Mama versorgt und bekocht zu werden. Wenn sie mal ein Auto benötigt, benutzt sie meines oder das meines Mannes.

Was passiert nun mit ihren Versicherungen? Darum hatten wir uns als Eltern bisher gekümmert.

Versicherungen interessieren sich nicht dafür, ob jemand schon 18 Jahre alt ist, sondern ob er oder sie

  • eine Ausbildung absolviert,
  • ein Studium begonnen hat oder
  • schon eigenes Geld im Job verdient.

 

Privathaftpflicht-Versicherung

„Volljährige Kinder bzw. Studenten oder Azubis sind i.d.R. weiterhin über die Familien-Haftpflicht mitversichert, wenn sie sich in der Erstausbildung befinden.“ Manchmal geht es sogar darüber hinaus: auch bei einer zweiten Ausbildung direkt im Anschluss sind junge Erwachsene noch mitversichert. Aufgepasst, wenn sie mehrere Semester im Ausland studieren!

Was heißt Erstausbildung? D.h. er/sie beginnt direkt nach der Schule mit einer Ausbildung oder einem Studium. Wenn man z.B. auf einen Studienplatz warten muss, ist man meist bis zu einem Jahr über die Eltern-Police versichert.

Manchmal stellt man fest, dass man sich das Falsche ausgesucht hat, z.B., dass die Arbeitsthemen zu trocken sind oder die Ausbilder zu wenig unterstützen. Wenn man abbricht und es nochmals – vielleicht besser vorbereitet – versucht, ist man i.d.R. nicht mehr mitversichert. Oft gibt es auch eine Altersbeschränkung für die „ewig Studierenden“.

Also gilt es, die Unterlagen auf folgende Stichworte zu prüfen:

  • Hat man eine Familien-Police abgeschlossen und
  • was steht in den Bedingungen beim Paragrafen Mitversicherte Personen

Bei uns ist alles so formuliert, dass wir nichts weiter unternehmen müssen. Schön!

 (Verbundene) Hausratversicherung

Es war gar nicht so leicht herauszufinden, ob der Hausrat meiner Tochter in ihrer Wohnung noch im Vertrag der Familie am Hauptwohnsitz mitversichert ist.

Im Paragraphen Außenversicherung bin ich schließlich fündig geworden. Sinngemäß steht dort folgende Formulierung: „Versicherte Sachen, die Eigentum des Versicherungsnehmers oder einer mit ihm in häuslicher Gemeinschaft lebenden Person sind oder die deren Gebrauch dienen, sind weltweit auch versichert, solange sie sich vorübergehend außerhalb der Wohnung befinden. Der Zustand „vorübergehend“ gilt so lange, wie er bzw. sie dort nicht einen eigenen Haushalt gegründet hat, aber längstens ein begrenzter Zeitraum. Dieser kann von Gesellschaft zu Gesellschaft unterschiedlich sein und ist in den Versicherungsbedingungen vermerkt.

Doch ab wann ist es ein „eigener Haushalt“?
Ein entscheidendes Merkmal für einen eigenen Haushalt ist, wenn man nicht mehr beabsichtigt zu den Eltern zurückzuziehen, z.B. wenn man mit einem Partner/Partnerin zusammenzieht.

Meine Tochter verbringt die Semesterferien hauptsächlich zu Hause.  Sie bewohnt „nur“ ihr ehemaliges Kinderzimmer und für Einkaufen, Kochen, Putzen und Waschen und bin ich als Mutter weiterhin zuständig. Folglich unterhält sie bei uns im Haus keinen eigenen Haushalt. In unserem Fall ist nichts zu veranlassen. Sie ist weiterhin mitversichert.

 

KFZ-Versicherung

Für meine Tochter macht ein eigenes Auto keinen Sinn – Stichwort: in der Stadt findet sie ohnehin keinen Parkplatz. Daher entschieden wir uns dafür, sie als weiteren Fahrer in meine KFZ-Police aufnehmen zu lassen. Dies kostet natürlich mehr: Sie wird durch die geringe Fahrpraxis als höheres Risiko eingestuft. Es macht Sinn, sich mehrere Angebote unterbreiten zu lassen, da jede Gesellschaft etwas anders vorgeht.

Schöne Überraschung: Den Dienstwagen meines Mannes, der über seine Firma versichert ist, darf sie sogar auch fahren. Dies ist nicht selbstverständlich und nicht immer üblich.

 

Gesetzliche Krankenversicherung (GKV)

Ob ein Familienmitglied weiterhin bei der Versicherung eines Elternteils eingeschlossen ist, hängt nicht vom Alter ab. Den Unterschied macht der Familienstand und die Tatsache, ob es eine Ausbildung macht oder schon berufstätig ist.

So sind Studenten bis zum 25. Geburtstag über ein Elternteil in der GKV mitversichert. Zuzahlungen muss man jedoch aus eigener Tasche leisten.

Da sich Auszubildende selbst gesetzlich versichern müssen, lohnt es sich, nach guten Tarifen Ausschau zu halten: Manchmal gibt es hohen Zuschüsse für die nächste Brille oder Beiträge zurück, wenn man nicht krank war; manchmal wird sogar einen Zuschuss für die Mitgliedschaft im Fitness-Studio bezahlt.

Natürlich ist es wichtig, sich auch über weitere Versicherungen Gedanken zu machen: Beispielsweise kostet eine Unfallversicherung nicht allzu viel. Für eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) muss man wesentlich mehr ausgeben. Daher sollte man hier gründlich recherchieren, was man genau absichern möchte. Diese beiden Arten sind jedoch personenbezogen. Man kann sie unabhängig von einem Familienschutz abschließen.

Fazit: Ich bin erstaunt, wie viel bereits mit einer normalen, klassischen (Sach-)Versicherung abgedeckt ist. Es lohnt sich auf jeden Fall, die Bedingungen einer Familien-Police genau zu prüfen. So kann man Lücken im Versicherungsschutz oder Doppelversicherung vermeiden. Oft spart man sich dadurch den Abschluss von separaten Policen für das „ehemalige“ Kind.

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