Berufsbegleitende Weiterbildung: ein Hoch und Tief der Gefühle

„Das haben andere vor mir auch schon geschafft.“ Dieser und andere Sätze haben mich in verzweifelten Momenten bei meinem Studium begleitet. Vor allem, da ich neben meinem Vollzeitjob berufsbegleitend studierte.  

 

Duales Studium – sinnloser Stress?

Da ich nach meiner Ausbildung in meine erste eigene Wohnung gezogen bin, habe ich mir die Frage: „Schaffe ich ein Studium neben dem Beruf?“ überhaupt nicht gestellt. Die Miete musste bezahlt und der Kühlschrank gefüllt werden. Natürlich hätte ich mich mit diversen Nebenjobs oder der Unterstützung aus dem Elternhaus über Wasser halten können, aber mein Ehrgeiz hat das nicht zugelassen. Zudem hatte ich zu diesem Zeitpunkt einen gut bezahlten und sicheren Job, der mir außerdem auch noch viel Spaß bereitete. Last but not least – auf meine Berufserfahrung wollte ich auch nicht verzichten.

 

Nach dem Hoch kommt das Tief

So kam es, dass ich Ende 2014 die berufsbegleitende Weiterbildung zum Medienfachwirt Digital bei der IHK begonnen habe. Ab diesem Zeitpunkt hieß es ein- bis zweimal unter der Woche von 17:30 bis 20:30 Uhr und samstags von 8 bis 15 Uhr die Schulbank drücken – zusätzlich zu meinem Vollzeitjob. Eine Doppelbelastung, die es in sich hat. Anfangs war ich hoch motiviert, doch nach dem Hoch kam ziemlich rasch ein Tief.

Aufgrund des neuen Zeitfressers blieb mein Privatleben auf der Strecke. Ich hatte weniger Zeit für Hobbys, Familie und Freunde. Oft musste ich Verabredungen mit den Worten: „Ich kann leider nicht, da habe ich Vorlesung.“ absagen. Aufgeben kam für mich jedoch nie in den Sinn.

 

Die positiven Seiten 

Denn neben all den negativen und nervenaufreibenden Aspekten hat die berufsbegleitende Weiterbildung insgesamt mein Leben bereichert. Ich habe neue Menschen kennen gelernt, die vor den gleichen Problemen standen wie ich. Der Austausch mit Gleichgesinnten bzw. Leidensgenossen hilft enorm die anstrengende Zeit zu überstehen. Bis heute besteht zu einigen Personen ein freundschaftliches Verhältnis.

Mein Zeitmanagement ist noch besser geworden und durch die nervliche Anspannung – vor allem während der Prüfungszeit – erlaube ich mir erprobtes Krisenmanagement auf meine Fahne zu schreiben. Praktischerweise konnte ich die Inhalte meiner Weiterbildung im Job umsetzen. Viele Firmen wünschen sich Fachkräfte, die neben dem theoretischen Wissen auch praktisch überzeugen können. Mit einem zusätzlichen Abschluss differenziert man sich auf dem Arbeitsmarkt und steigert dadurch seine berufliche Attraktivität. Ein Joker, den man z.B. auch bei der nächsten Gehaltsverhandlung ziehen kann. Denn im Schnitt können mit beruflichen Weiterbildungen Einkommenssteigerungen von sechs Prozent durchgesetzt werden.

 

Die Arbeitgeber sehen die Doppelbelastung und rechnen dieses Durchhaltevermögen dem Mitarbeiter positiv an. Denn sie erkennen, dass der Abschluss unter erschwerten Bedingungen, nämlich zusätzlich zum Beruf- und Privatleben gemeistert wurde.  

Finanzierungstipps

Für berufsbegleitende Weiterbildungen gibt es eine Vielzahl von Fördermöglichkeiten. Ich habe das Meister BAföG der KFW genutzt. Die Förderung besteht aus einem Darlehen, dass am Ende der Weiterbildung zurückgezahlt werden muss. Innerhalb der Karenzzeit werden keine Zinsen berechnet. Zusätzlich wird ein Zuschuss in Höhe von 40 % der Lehrgangs- und Prüfungsgebühren gewährt, der allerdings nicht zurückgezahlt werden muss. Bei Bestehen der Prüfung wird über den normalen Zuschuss hinaus, ein weiterer Erlass gewährt.

Die Bildungsstätten geben in der Regel auch Auskunft über die jeweiligen Fördermöglichkeiten und helfen den Studierenden bei den Fragen zur Finanzierung.

Einige Arbeitgeber würdigen das Engagement einer beruflichen Weiterbildung und unterstützen die studierenden Arbeitnehmer finanziell sowie mit Sonderurlaub für die Prüfungszeit. Bei der jährlichen Einkommenssteuer habe ich auch einige Ausgaben wie z.B. Bücher, Lernmaterialien oder die Kosten für meine Hausarbeit zurückerstattet bekommen.

 Als der Abschluss in der Tasche war…

… konnte ich mein Glück kaum fassen. Tatsächlich wusste ich im ersten Moment nicht, was ich mit der freien Zeit anfangen sollte. Doch die Lücken haben sich schnell gefüllt. Ich konnte endlich wieder (ohne schlechtes Gewissen) meinen Hobbys nachgehen und mich abends mit Freunden treffen. Als ich meine Auszeichnung überreicht bekommen habe, war ich wahnsinnig stolz auf mich.

Ich würde es jederzeit wieder tun

Auch wenn es mir und meinem privaten Umfeld viele Nerven gekostet hat, würde ich jederzeit wieder eine Weiterbildung neben dem Beruf machen. Es lohnt sich die Zähne zusammen zu beißen und die Qualifizierung durchzuziehen. Danach ist man unglaublich stolz die Herausforderung angenommen und gemeistert zu haben. Und wenn ich heute auf die Zeit zurückblicke, schmunzel ich und denke: „Alles scheint unmöglich, bis es jemand einfach macht.“ 

Habt Ihr auch eine Weiterbildung neben dem Beruf gemacht? Wie sind Eure Erfahrungen? Könnt Ihr spezielle Anbieter von Weiterbildungen empfehlen? Ich freue mich auf Eure Kommentare. 

Was sagen Sie zu diesem Thema?

Kommentar verfassen:

Bei der Verarbeitung von personenbezogenen Daten beachten wir die Vorschriften der EU-Datenschutz-Grundverordnung.
Ausführliche Informationen finden Sie im Datenschutzbereich unserer Webseite.

Hiermit erkläre ich mich mit der Netiquette einverstanden

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben.

Alle Felder mit einem * sind Pflichtfelder und müssen ausgefüllt werden.

*

Weitere Inhalte werden geladen...