Das schaffe ich alleine!? Wann eine Vorsorgevollmacht wichtig ist

Hilfe annehmen im Alter oder bei Krankheit – häufig fällt uns das schwer. Unsere Kollegin Christiane Marsing ist seit Jahren ehrenamtlich in der Sterbebegleitung tätig und schildert uns ihre Alltagserfahrungen. Sie gibt wertvolle Tipps und erklärt, warum eine Vorsorgevollmacht so wichtig ist. 

Christiane, du arbeitest als Hospizbegleiterin. Die Aussage „Das schaffe ich alleine!“ hörst Du häufig. Hilfe wird nicht immer dankend angenommen. Wie erhältst Du Zugang zu einer kranken Person? 

Meiner Erfahrung nach merkt der Betroffene meist nicht wirklich, dass er Hilfe braucht. Die erste Wahrnehmung liegt meist außerhalb des Betroffenen selbst. Der Verweis auf die Befähigungen des Hausarztes, welcher die Krankengeschichte kennt, wäre ein erster Schritt. Je nach Vertrauensverhältnis klärt der Arzt über den jeweiligen Zustand auf und empfiehlt einen Pflegedienst, der den genauen Bedarf prüft und den Kranken individuell unterstützt.

Je nach Temperament und Charakter nimmt der Erkrankte die Angebote an. Manche brauchen erst die eigene, schmerzhafte Erfahrung, wenn der Alltag nicht mehr so einfach zu gestalten ist. Ich persönlich finde es immer gut, ein Angebot zur Verfügung zu stellen; man sollte es aber keinem aufzwingen.

Christiane, welche Dokumente sind deiner Erfahrung nach notwendig, um einem kranken Menschen eine gute Pflege ermöglichen und im Todesfall seine Nachsorge organisieren zu können?

Ich empfehle dringend eine Vorsorgevollmacht. Damit gelingt es, schnell wichtige Entscheidungen treffen zu können, wenn die kranke Person selbst dazu nicht mehr in der Lage ist. Eine Krankenakteneinsicht beispielsweise ist nur mit einer Vorsorgevollmacht möglich. Ebenso die Herausgabe von ärztlichen Befunden, um weitere Arzt- und Kliniktermine für den Betroffenen organisieren zu können.

Diverse Hospizvereine bieten dazu kostenlose Beratungen an.

Ohne Vorsorgevollmacht vollkommen machtlos? Das sollten Sie wissen

Frau füllt Vorsorgevollmacht aus

 

Was ist eine Vorsorgevollmacht?

Mit einer Vorsorgevollmacht übertragen Sie Ihre bürgerlichen Rechte einem Dritten (z. B. die Entbindung der Schweigepflicht). Die Vorsorgevollmacht gibt Ihnen die Möglichkeit, die Bestellung eines Betreuers oder einer Betreuerin durch das Betreuungsgericht zu vermeiden. Es sollte allerdings nur eine Person bevollmächtigt werden, nämlich diejenige, der Sie uneingeschränkt vertrauen und von der sie überzeugt sind, dass sie in Ihrem Sinne handeln wird.

Wichtig: Eine Vollmacht kann auch ausgeübt werden, wenn der Vollmachtgeber noch entscheidungsfähig ist. Es kann aber auch vereinbart werden, dass der Bevollmächtigte erst von der Vorsorgevollmacht Gebrauch machen darf, wenn der Betroffene selbst nicht mehr in der Lage ist, über seine Angelegenheiten zu entscheiden.

Gut zu wissen:

  • Der Bevollmächtigte übernimmt die von Ihnen vorab festgelegten Wünsche, wenn Sie nicht mehr in der Lage sind, selbst Entscheidungen zu treffen
  • Durch eine Vorsorgevollmacht vermeiden Sie eine gesetzlich festgelegte Betreuung
  • Sie können Musterdokumente selbst runterladen und privat aufbewahren
  • Sie können die Vollmacht jederzeit widerrufen. Der Bevollmächtigten benötigt dafür lediglich die aktuelle Kopie.
  • Die Vorsorgevollmacht muss nicht notariell beglaubigt werden und Sie brauchen keinen Zeugen.
  • Die Vorsorgevollmacht gilt auch über den Tod hinaus. Das ist wichtig, da nach dem Tod vieles zu erledigen ist, z. B. die Kündigung von Verträgen, Datenverwaltung, Wohnungsauflösung etc.

 

Wo beantrage und hinterlege ich eine Vorsorgevollmacht?

Vorgefertigte Formulare finden Sie im Buchhandel oder bei Hospizvereinen.

Das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz bietet Ihnen eine aktuelle Mustervorlage mit allen wichtigen Information zum Ausfüllen des Dokuments an. Die aktuelle Fassung des Bayerischen Staatsministeriums für Justiz ist bundesweit geschätzt. Diese können Sie bei Ihren privaten Unterlagen ablegen. Händigen Sie Ihren Bevollmächtigten eine Kopie zur Aufbewahrung aus.

Die Vorsorgebevollmächtigung selbst und den Namen der bevollmächtigten Person/en können Sie auch im Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer online registrieren lassen.

Was passiert, wenn ich keine Vorsorgevollmacht besitze?

In diesem Fall fragt das Gericht im engsten Familienkreis nach, wer die Betreuungsvollmacht übernehmen wird und setzt diese Person als Betreuer ein. Dieser Betreuer ist nach dem Patientenverfügungsgesetz berechtigt, den gemutmaßten Willen des Patienten festzustellen.

Ersetzt die Vorsorgevollmacht den Erbschein?

 Nein, die Vorsorgevollmacht ersetzt nicht den Erbschein, da der Betreuer nicht gleich der Erbe ist.

Wie sieht der Widerruf oder eine Änderung einer Vorsorgevollmacht aus?

Versehen Sie die Vorsorgevollmacht mit aktuellem Datum sowie Ihrer Unterschrift und legen Sie diese an einen für jeden erkennbaren Aufbewahrungsort.

Wie unterscheidet sich eine Vorsorgevollmacht von einer Betreuungsverfügung?

In einer Betreuungsverfügung ist festgelegt, wer als Betreuer die Vollmachten übertragen bekommt. Haben Sie keine Vollmacht erteilt und können Ihre Angelegenheit nicht selbst organisieren, stellt Ihnen das Gericht einen Amtsbetreuer zur Verfügung. Dieser übernimmt die Aufgaben dann kostenpflichtig. Da ein Fremder die Wünsche des Sterbenden nicht so gut umsetzen kann, empfiehlt Herr Dr. Hanke, der Leiter des Hospizvereins Fürth e.V. immer einen Angehörigen oder guten Freund mit einzubeziehen.

Was regelt eine Patientenverfügung?

In der Patientenverfügung werden lediglich ärztliche Maßnahmen festgelegt, die bei medizinischen Maßnahmen gewünscht sind. Je eindeutiger die Verfügung formuliert ist, desto besser kommen die Angehörigen damit zurecht. Das ist die Untervollmacht der Vorsorgevollmacht.

Für wen ist eine Vorsorgevollmacht bzw. Patientenverfügung sinnvoll?

Laut Herrn Dr. Hanke, Leiter des Hopizvereins Fürth e.V., sollte jeder ab 18 Jahren eine Vorsorgevollmacht bzw. Patientenverfügung ausfüllen, denn Schicksalsschläge, plötzliche Unfälle oder Krankheiten nehmen einem plötzlich die Möglichkeit der Einwilligungsfähigkeit. Es empfiehlt sich die Vollmacht regelmäßig (z. B. alle ein bis zwei Jahre) mit einer Unterschrift zu bestätigen. Eine erneute Überarbeitung ist sinnvoll, wenn eine wesentliche Änderung der persönlichen Lebensumstände, insbesondere im gesundheitlichen Bereich eintritt.

Christiane, als Pflegender selbst kommt man auch an seine Grenzen. Wer gibt pflegenden Angehörigen Hilfestellung?

Bedingt durch meine jahrelange Zusammenarbeit, empfehle ich immer die Kontaktaufnahme mit den Koordinatorinnen von Hospizvereinen, wie z. B. dem Hospizverein Fürth e.V. Diese führen gern ein persönliches Gespräch und bieten über den Hospizverein kostenlos Gruppen- und Einzelsupervisionen an.

Dazu gibt es auch interessante Vorträge, Seminare und Veranstaltungen, die einem Antworten auf Fragen zum Thema Sterben, Tod und Trauer geben. Nehmen Sie Hilfe an. Sorgen Sie in guten Zeiten vor, mit z. B. einer Sterbegeldversicherung.

Hier finden Sie als pflegender Angehöriger selbst Rat und Hilfe:
 
 

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