Vom Glück der späten Mutterschaft

 severinnevavvas_blog

Ich wollte nie Kinder. Kinder kamen in meiner Zukunftsplanung nie vor. Freiheit und Unabhängigkeit waren meine größten Motivatoren.

 

Es war die Zeit bevor das Internet, und damit die Welt, nur einen Fingerwisch entfernt war. Schon während der Auslandssemester meines Wirtschaftsstudiums zog es mich nach Polen und Südafrika.

Mit dem Diplom in der Tasche und erster Berufserfahrung stieg ich ins Flugzeug nach Australien für ein Jahr. Work & Travel war die Magie, die mich anzog. Ich war 31 zu der Zeit und sesshaft werden war für mich noch keine Option. Das Jahr in Australien zählt noch immer zu den schönsten meines Lebens und ist eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

Späte Mutterschaft – Der Lauf des Lebens

33. So alt war ich, als ich meinen Ehemann kennenlernte. Er war der erste Mann überhaupt, mit dem ich mir Kinder vorstellen konnte.

Es vergingen zwei Jahre, bis wir heirateten, und weitere vier Jahre, um schwanger zu werden. Es war keine bewusste Entscheidung, eine späte Mutter zu werden; es war vielmehr der Lauf des Lebens.

Da war ich nun, an meinem 40sten Geburtstag, hochschwanger und so glücklich wie nie zuvor. Mein kleiner Sohn war unterwegs und ich konnte es kaum erwarten, endlich Mutter zu werden.

Meine Schwangerschaft war leicht, unkompliziert, mit den normalen Höhen und (Stimmungs-)Tiefen. Zunächst machte ich den Fehler, alles über „Schwanger mit 40“ zu googeln, aber das habe ich schnell wieder aufgegeben. Ein Rat von meiner Seite an dieser Stelle: Besuchen Sie niemals diese Art von Foren, machen Sie es nicht! Es macht einen nur verrückt und der Informationsgewinn ist marginal. Wenn Sie Ihre Schwangerschaft genießen wollen, googeln Sie nicht!

Meine Freundinnen hatten alle schon größere Kinder oder waren kinderlos, so dass ich keine Hilfe von dieser Seite erwarten konnte. Daher traf es sich ganz gut, dass ich im Geburtsvorbereitungskurs auf sechs andere Erstgebärende traf, mit denen ich mich austauschen konnte. Unser Mama-Club trifft sich immer noch alle zwei Wochen und der Austausch ist schön.

Lebenserfahrung hilft, sich nicht verrückt machen zu lassen

Ein wesentlicher Vorteil meiner späten Mutterschaft ist, dass ich mich nicht verrückt machen lasse. Weder von der Unmenge an Erziehungsratgebern, die einem weißmachen wollen, welche Methode der Kindererziehung die beste wäre.

Noch von der Werbung, die einem einredet, dass das Kind nur mit der richtigen Marke Joghurt groß und stark wird. Die Kleidung meines Kindes muss kein Merchandise-Bild zieren. Nicht umsonst habe ich Wirtschaft studiert, um die Mechanismen der Marketingindustrie zu durchschauen.

Mir fällt immer wieder auf, dass ich viele Themen entspannter angehe und mir einfach weniger einen Kopf mache. Sei es damals die Umstellung von Fläschchen auf Brei oder die Frage „bis wann muss mein Kind laufen können“.

Ich lasse mich von meinem gesunden Menschenverstand leiten und fahre gut damit

Das Selbstbewusstsein, das Plus an Souveränität, welches das Alter mit sich bringt, kommt meinem Kind zugute. Ich bin gelassener, kann den Moment mehr genießen und auch mal fünf gerade sein lassen. Ich liebe es, mit ihm in der Küche zu tanzen, mich von ihm belehren zu lassen („mit vollem Mund spricht man nicht“) und mit ihm Wettrennen zu machen.

Man ist immer nur so alt wie man sich fühlt

Mit meinem Kind habe ich immer was zu lachen.

Sei es ein Schmunzeln über seine wissbegierigen Fragen oder ein herzhaftes Lachen, wenn er viel Freude beim Verstecken und noch mehr beim Gefunden werden hat. Mein Leben ist reicher. Reicher an Erlebnissen, reicher an Erfahrungen und reicher an Spontanität.

 

Ich freue mich schon auf unseren ersten Urlaub auf dem Bauernhof. Ohne Kind wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen, auf einen Bauernhof zu fahren. Und auch die Vorstellung, ihm ein gesundes Selbstvertrauen mitzugeben und eine glückliche Kindheit zu ermöglichen, erfüllt mich mit Zufriedenheit.

Mein Kind hält mich jung. Die Auseinandersetzung mit ihm hält mich geistig und auch körperlich fit. Schließlich muss ich jetzt schon auf Zack sein und aufpassen, dass er mir mit seinen drei Jahren nicht entwischt.

Zudem habe ich das große Glück, ein zufriedenes und ausgeglichenes Kind zu haben. Und hier stellt sich die altbekannte philosophische Frage: Was war zuerst da? Das entspannte Küken oder die entspannte Henne? 😉

Keine „was wäre wenn“-Fragen

Das Glück meiner späten Mutterschaft liegt auch darin, dass ich mir die „was wäre wenn“-Frage nicht mehr stelle. Ich muss nicht fragen, ob ich etwas verpasst habe durch mein Kind, denn ich habe mein Leben bislang so gelebt, wie ich wollte, und meine Erfahrungen gesammelt.

Ich bin der festen Überzeugung, dass man immer nur die Dinge bereut, die man nicht gemacht hat. Deshalb bin ich so dankbar, dass ich noch Mutter geworden bin.

Und während ich diesen Text schreibe, tanzt mein kleiner Sohn fröhlich trällernd zum Kinderlied aus dem Lautsprecher „Wie schön, dass du geboren bist“… Ja, dem kann ich nur zustimmen!

Alles rund um die Familiengründung lesen Sie in unserem neuen Magazin.

Letzte Beiträge des Bloggers:
 
Was sagen Sie zu diesem Thema?

Kommentar verfassen:

Bei der Verarbeitung von personenbezogenen Daten beachten wir die Vorschriften der EU-Datenschutz-Grundverordnung.
Ausführliche Informationen finden Sie im Datenschutzbereich unserer Webseite.

Hiermit erkläre ich mich mit der Netiquette einverstanden

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben.

Alle Felder mit einem * sind Pflichtfelder und müssen ausgefüllt werden.

*

Weitere Inhalte werden geladen...