Patientenverfügung: nicht sexy aber notwendig?

Vor rund drei Jahren hatte mein Freund einen schweren Unfall mit seinem Motorrad. Er ist von der Straße abgekommen und hat sich mehrere Male überschlagen. Das Motorrad war danach ein Totalschaden. Mein Freund hatte zum Glück einen Schutzengel und ist mit leichten Verletzungen davongekommen. Danach wurde mir plötzlich bewusst, wie viel Glück man oft im Leben hat. Viele solcher Unfälle enden leider mit schweren Verletzungen oder sogar tödlich.

Was wäre, wenn der Unfall schlimmer ausgegangen wäre und er nicht mehr über seine medizinischen Behandlungen hätte entscheiden können. Wie hätten wir dann entschieden? Dieser Unfall hat mich zum Nachdenken gebracht. Möchte ich meine Familie mit diesen schwerwiegenden medizinischen Entscheidungen belasten, ob ich künstlich am Leben erhalten werde oder nicht?

Deshalb habe ich eine Patientenverfügung ausgefüllt und meine Wünsche mit meinem Partner und meinen Eltern besprochen. Mit einer Patientenverfügung kann man im Voraus alle medizinischen Wünsche festlegen.

Hier finden Sie auf einem Blick alle Fakten und Fragen zu diesem Thema:

Was ist eine Patientenverfügung?

In der Patientenverfügung werden ärztliche Maßnahmen festgelegt, die bei einem medizinischen Notfall gewünscht sind. Je eindeutiger die Verfügung formuliert ist, desto besser kommen die Angehörigen damit zurecht.

Warum ist eine Patientenverfügung wichtig?

Jede ärztliche Behandlung bedarf der Einwilligung des Patienten. Behandlungen ohne Einwilligung sind rechtswidrig, als Körperverletzung zu sehen und somit strafbar. Schwierig wird es, wenn der Patient krankheitsbedingt keine eindeutige Einwilligung geben kann. Mit einer Patientenverfügung sind ärztliche Maßnahmen vorab festgelegt und schriftlich dokumentiert.

Wichtig ist: Machen Sie sich Gedanken über die eigenen Wertvorstellungen zu Leben, Sterben und Tod. Nur so wird eine Verfügung eindeutig und zielgerichtet formuliert.

Was ist, wenn Sie keine Patientenverfügung haben?

Dann müssen andere Personen über medizinische Maßnahmen für Sie entscheiden. Der vorab von Ihnen Bevollmächtigte oder ein vom Gericht bestellter rechtlicher Betreuer muss den mutmaßlichen Willen ermitteln und entsprechend handeln. Für Angehörige keine leichte Entscheidung. Vor allem wenn ggf. unterschiedliche Meinungen und Empfehlungen im weiteren Familienkreis als Richtig empfunden werden.

Wie sieht eine Patientenverfügung aus und wo bewahren Sie das Dokument am Besten auf?

Im Internet finden Sie verschiedene Vordrucke und Ausfüllhilfen. Für die Anerkennung der Verfügung ist notwendig, dass sie schriftlich vorliegt und mindestens folgende Punkte beinhaltet:

  • Vor- und Familienname, Geburtsdatum und Anschrift
  • Beschreibung der Situation, in der die Patientenverfügung gelten soll
  • genaue Vorgaben, zu lebenserhaltenden Maßnahmen, Schmerz- und Symptombehandlung sowie künstlicher Ernährung
  • Wünsche zu Sterbeort und -begleitung
  • Aussagen zur Verbindlichkeit, zur Auslegung, zur Durchsetzung und zum Widerruf
  • einen Hinweis auf weitere Vorsorgeverfügungen
  • einen Hinweis auf eine mögliche Bereitschaft zur Organspende
  • eine Schlussformel mit Datum und Unterschrift
  • Aktualisierungen, etwa alle zwei Jahre, auch mit Datum und Unterschrift

Am besten sprechen Sie das Thema und Ihre Wünsche offen bei Ihren engsten Angehörigen an. Dadurch signalisieren Sie, dass Sie für den Ernstfall vorsorgen und Ihre Familie nicht unnötig belasten möchten. Das Dokument sollte griffbereit zur Verfügung stehen. Deshalb empfehle ich, diese in einem Ordner zu weiteren wichtigen Dokumenten abzuheften. Hilfreich ist es zudem, den Hausarzt über die möglichen Behandlungen zu befragen und ihm eine Kopie auszuhändigen.

Kann in einer Patientenverfügung auch die Organspende geregelt werden?

Prinzipiell ist dies ausgeschlossen. Um eine Organspende durchzuführen muss zuerst der Hirntod diagnostiziert werden. Dazu muss der Patient über seinen Tod hinaus weiter beatmet werden. Diese Beatmung gehört jedoch zu den lebenserhaltenden Maßnahmen und wird häufig in einer Patientenverfügung ausgeschlossen. Möchten Sie Organspender werden, ist eine entsprechende Formulierung unumgänglich. Darüber hinaus sollten Sie sich auch einen Organspendeausweis zulegen. Diesen bewahren Sie am besten im Geldbeutel auf. Im Ausweis können Sie unter anderem festlegen ob und wenn ja, welche Organe entnommen werden dürfen. Auch der Ausschluss von bestimmten Organen ist möglich.

Meine Familie habe ich für dieses Thema sensibilisiert. Ich freu mich, wenn ich das auch bei Ihnen erreicht habe. 🙂

Was sagen Sie zu diesem Thema?

3 Kommentare

  1. Olaf Kneifer schreibt am 29. Oktober 2018 um 11:44:

    Tolle Info, kann (bis zu einem etwaigen Ernstfall) gar nicht oft genug in Erinnerung gebracht werden, wie wichtig eine Patientenverfügung sein kann!

    • Alisa Philbert Alisa Philbert schreibt am 29. Oktober 2018 um 13:12:

      Ja, das stimmt, Herr Kneifer.

      Grüße aus dem Social Media Team

  2. Wilhelm Dr. Margula schreibt am 3. November 2018 um 17:15:

    Auch ich stimme Herrn Kneifer voll und ganz zu!

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