Mit Kindern ins Schwimmbad – ich packe meinen Koffer und nehme mit…

Wie die Motten zum Licht, zieht es die Menschen an Badeseen und in die Freibäder, sobald das Thermometer über 30 Grad anzeigt. Mit Kindern wird das Spektakel zu einer logistischen Herausforderung. Das alt bekannte Gedächtnisspiel „Ich packe meinen Koffer und nehme mit…“ wird auf ein ganz anderes Level gehoben.

Ein Ausflug ins Freibad kommt einem als Elternteil vor wie eine generalstabsmäßige Übung für den nächsten Urlaub: Wir packen also unsere Badetasche. Darin: Jeweils zwei Badetücher pro Mitreisendem (da ja eines immer nass sein wird), Sandalen, Taucherbrillen, Schnorchel, Luftmatratze, aufblasbarer Delphin, Schwimmhilfen, zwei Sonnenschirme für jeden Sonnenstand, Proviant für jede Lebens- und Gemütslage sowie Spiele für die Liegewiese, damit die Stimmung nicht schneller umkippt als die Großwetterlage. Und natürlich literweise Sonnencreme. Schutzfaktor 3652 versteht sich.

Wir haben als vorausschauende Eltern mittlerweile Checklisten erarbeitet, als PDFs abgespeichert und für den Einsatzfall laminiert, damit wir sie auch im Freibad benutzen können. Dazu hat mein Mann als erfahrener Tetris-Spieler eine Packordnung erarbeitet und als 3D-Skizze auf die Innenseite des Kofferraumdeckels geklebt. Und dann geht es los: Große Gegenstände zuerst, rechteckige und runde richtig verkeilt, damit die runden nicht davon rollen und die eckigen weg purzeln, dazwischen stopfen wir taktisch den Rest.

Dann müssen selbstverständlich auch noch Notfall-Artikel wie Insektenschutz, Wundschutzcreme und eine Zeckenzange mit in den Wagen – wer weiß schon, ob man das alles im Freibad überhaupt bekommt? Ebenfalls nicht fehlen dürfen Sandspielzeug und kleine Eimer.

Wir verstauen am Ende noch die Kinder im Auto, verteilen Pixi-Bücher und Kekse und begeben uns auf die Wanderschaft. Unwillkürlich muss ich dabei an eine Naturdokumentation denken, die ich vor kurzem im Fernsehen sah: wie die Elefanten ihren Nachwuchs und die alten Tiere zu einer Herde formieren, weil sie zu einem neuen Wasserloch ziehen. Zum Glück gehen Elefanten nie ins Freibad – nicht auszudenken, was die alles mitnehmen müssten.

Wir sind nicht die Einzigen…

Gut gelaunt biegen wir bei der ersten Ampel links ab und sind nicht nur mit vielen anderen Verkehrsteilnehmern sondern zugleich mit einer Erkenntnis konfrontiert: Auch andere Leute hatten diese wunderbare Idee von der Abkühlung im Freibad. Der beste Ehemann von allen hat aber vorausgedacht und die Navigationssoftware am Handy acht Ausweichrouten ausarbeiten lassen. Route Nummer 3, ein „Schleichweg“, wie mein Mann augenzwinkernd erläutert, führt uns dann durch Landschaften, die bis dahin noch sicher kein zivilisierter Mensch betreten hat und ich wundere mich, dass so eine gottverlassene Gegend überhaupt kartografiert ist.

Zwanzig Minuten später reihen wir uns nahtlos in den Fließverkehr Richtung Freibad wieder ein und zwar hinter dem selben VW Golf, hinter dem wir uns auf den „Schleichweg“ gemacht hatten.

Mit Kindern ins Schwimmbad

Völlig durchgeschwitzt erreichen wir gefühlte vier Stunden später das Bad. Die Schattenplätze sind rar. Doch da ist er, dieser perfekte Liegeplatz. Nicht zu sonnig, nicht zu schattig. In erträglicher Entfernung vom Klo und nicht zu nahe am Beckenrand. Denn wir wissen: Kind plus Beckenrand = potenzielle Gefahrenquelle. Ich spreche da von ausgeschlagenen Zähnen, ausgekugelten Armen und Kindern die ohne Schwimmhilfe die Umgebung erkunden wollen. Kurzum das Armageddon aller Jungeltern. 

Gut – wir schlagen also endlich unser Lager auf. Bauen quasi ein Fort aus all jenen Dingen, die wir mitgebracht haben. Inklusive einer Ein- und Ausgangsschleuse, damit der Nachwuchs nicht unbeobachtet entwischen kann. Die Stimmung, die Vorfreude und die Außentemperaturen steigen.

Und als wir schließlich mit allem fertig sind, durchzuckt es mich wie ein Blitz: Verdammt! Ich habe meinen Badeanzug daheim vergessen!


einerschreitimmerÜber die Autorin

Anne hat Zwillinge. Weil ständig eines ihrer Kinder brüllt, betreibt sie den Zwillingsblog „Einer schreit immer – die Wahrheit über das Leben mit Zwillingen“. Anne ist Mitte 30, macht „irgendwas mit Medien“, hat acht Hände und viel Humor. Sie wartet einstweilen auf ihre Nominierung für den Pulitzerpreis. Insgeheim wünscht sie sich zur Mutter des Jahres gewählt zu werden. Die Chancen dafür stehen aber leider schlecht, weil ihr jedes Mal die Realität frech ins Gesicht lacht und ihre Pläne böse kreuzt.

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