Mehrgenerationenhaus: Vom Kleinkind bis zur Oma unter einem Dach

MehrgenerationenhausDas Wohnmodell „Mehrgenerationenhaus“ wird in Deutschland immer beliebter. Bei einem Besuch in einem solchen Haus in Erlangen erzählten uns die Mitbewohner, warum sie sich für diese Form des Wohnens entschieden haben. Wir zeigen Ihnen zehn Vorteile für Jung und Alt.

Das Besondere an einem Mehrgenerationenhaus ist, dass in diesem Wohnmodell Menschen unterschiedlichsten Alters und sozialen Status miteinander und in gewisser Weise auch voneinander leben. Sie entscheiden sich dabei bewusst für einen engen Austausch zwischen Jung und Alt. Denn der Leitgedanke ist immer die gegenseitige nachbarschaftliche Hilfe.

In der Regel hat ein Mehrgenerationenhaus mindestens zwei separate Wohneinheiten, Gemeinschaftsräume, Gästezimmer oder auch einen gemeinsamen Garten oder Hof. Wie in einer Großfamilie leben hier Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen zusammen und profitieren so von den Fähigkeiten und Erfahrungen der anderen.

Neben diesen Gebäuden, in denen Menschen tatsächlich Tag und Nacht miteinander leben, gibt es bundesweit auch vermehrt Einrichtungen, die als Begegnungsort für Jung und Alt dienen. Auch diese werden häufig Mehrgenerationenhaus genannt und von der Bundesregierung gefördert.

„Dieses Gefühl möchte ich nicht mehr missen“

Wie das Leben in einem Mehrgenerationenhaus im ursprünglichen Sinne funktioniert, haben wir uns vor Ort in Erlangen angeschaut. Im Stadtquartier Erlangen wird uns von jüngeren Teilnehmern des Wohnmodells berichtet, dass es besonders der Zusammenhalt ist, der das Leben hier so angenehm macht. Die Vorteile des Lebens im Mehrgenerationenhaus liegen aber auch in der gemeinsamen Perspektive, berichtet eine ältere Mitbewohnerin: „Die Nachbarn schauen jeden morgen, ob ich noch da bin“.

Ein großer Pluspunkt sei es, dass man „aufeinander Obacht“ gebe. Die etwa zehnköpfige Gruppe ist einhellig der Meinung, dass besonders der Gemeinschaftsraum das Wichtigste sei in ihrem Mehrgenerationenhaus. Man veranstaltet Sommerfeste und richtet einen gemeinsamen Brunch aus. Schön sei es auch immer wieder, wenn alle Generationen gemeinsam kochen: So werden unter dem Motto „5 Köche – 5 Gänge“ jung und alt auch kulinarisch zueinander geführt. Eine ältere Bewohnerin fast es so zusammen: „Ich könnte hier nicht mehr ausziehen. Dieses Gefühl miteinander im Haus zu wohnen möchte ich nicht mehr missen“.

Der große Vorteil der sozialräumlichen Verflechtung

Für Klaus Pawletko, Experte des Bundesfamilien- und Bundesseniorenministeriums für Demenz-Wohngemeinschaften und Geschäftsführer des Vereins „Freunde alter Menschen e.V.“, ist das Besondere an dem Modell eines Mehrgenerationenhauses, dass sich Menschen bewusst entscheiden, mit unterschiedlichen Generationen unter einem Dach zu leben. „Neben der sozialräumlichen Verflechtung mit Jüngeren hat das Wohnen für die Älteren den Vorteil, dass sie im Fall des Falles mit der Unterstützung der Jüngeren rechnen können“, erklärt Pawletko. Neben den vielen kleinen alltäglichen Vorzügen für die jüngeren Bewohner, sieht Pawletko vor allem die Gewähr, dass sie selbst auf die Infrastruktur des Mehrgenerationenhauses zurück greifen können, wenn sie im Alter einmal Hilfe und Unterstützung benötigen.

Doch was passiert mit Menschen, die irgendwann pflegebedürftig werden und nicht mehr alleine durch die Mitbewohner unterstützt werden können? Für Klaus Pawletko besteht grundsätzlich keine Notwendigkeit, pflegebedürftige Menschen aus einem Mehrgenerationenhaus auszuschließen. Es sei vor allem eine Frage der Organisation von Unterstützungsleistungen: „Das kann die Nutzung von Synergie-Effekten sein, wenn sich zum Beispiel mehrere alte Menschen gemeinsam eine Pflegekraft „mieten“; bis hin zu speziellen – im Haus integrierten – Wohn-Pflege-Gemeinschaften, in denen von vorne herein Betreuungspersonal zur Verfügung steht.“

Die speziellen Vorzüge in einem Mehrgenerationenhaus

Neben dem generellen Vorteil für alle Bewohner eines Mehrgenerationenhauses, in einer nachbarschaftlichen Gemeinschaft zu leben, der alle Generationen umfasst, folgt hier eine Auflistung von jeweils zehn Vorzügen, die speziell Jüngere oder Ältere betreffen:

10 Vorzüge eines Mehrgenerationenhauses für jüngere Mitbewohner

Es hat viele Vorteile für Jüngere, denn die älteren Menschen können …

  • Die Kinder betreuen
  • Ratgeber sein
  • Ersatz für die eigenen Großeltern sein (die entweder gar nicht mehr oder weit entfernt leben)
  • Beim Kochen unterstützen
  • Beim Putzen helfen
  • Pakete annehmen
  • Auf das Haustier aufpassen
  • Während des Urlaubs die Blumen gießen
  • Werte und Erfahrungen weitergeben
  • „Märchenonkel“ für die Kinder sein

10 Vorzüge eines Mehrgenerationenhauses für ältere Mitbewohner

Umgekehrt bringt es natürlich auch einige Vorteile für Ältere mit sich, wenn sie mit Jüngeren zusammen leben. Denn jüngere Mitbewohner können …

  • Einkäufe erledigen
  • Haushaltshilfe sein
  • Partner für Spaziergänge und Spielrunden sein
  • Gartenarbeiten erledigen
  • Für mehr Geselligkeit sorgen / die Einsamkeit im Alter vermeiden
  • Geborgenheit schenken
  • Fahrdienste erledigen
  • Handwerkliche Dienste anbieten
  • Vom Erfahrungsschatz der Älteren lernen
  • Ältere am modernen Leben teilhaben lassen

Ein Mehrgenerationenhaus bietet also sowohl für Jung als auch für Alt einigen Nutzen. Allerdings sollten Sie sich vor dem Einzug in ein solches Gebäude im Klaren sein, dass es nichts für Menschen ist, die eher zurückgezogen und einsam leben wollen. Dafür gibt es zu viele interessante Personen, Geschichten und auch Aufgaben in einem Mehrgenerationenhaus.

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