Rechte und Pflichten für Radfahrer

Fahrradfahrer dürfen in beide Richtungen fahren

Fahrradfahren macht Spaß, ist gesund und schont die Umwelt. Doch, wie für alle Verkehrsteilnehmer im Straßenverkehr, gelten auch für Radfahrer Rechte und Pflichten. Damit Sie stets sicher unterwegs sind, klären wir Sie daher über die gängigen Regelungen und Ausnahmen auf.

Sicherlich hat nahezu jeder von Ihnen ein Fahrrad zuhause. Ob für den Arbeitsweg, als Hobby oder für Besorgungen – so ein Drahtesel ist einfach praktisch. Doch dem sportlichen und klimafreundlichen Gedanken stehen viele Verkehrsunfälle mit Radfahrern auf deutschen Straßen gegenüber.

Da man als Fahrradfahrer am öffentlichen Straßenverkehr teilnimmt, muss man sich daher ebenso an grundlegende Regeln halten, um sich und andere nicht zu gefährden. Erfahren Sie im Folgenden, wie die Vorschriften auf und abseits von Radwegen sind, welche Vorgaben bei der Ausrüstung gelten und welche Rechte und Vorzüge Sie als Radfahrer im Straßenverkehr genießen. 

Regelungen für Radwege nach der StVO

Beginnen wir zunächst mit einer kleinen Schilderkunde, die die grundsätzliche Nutzung von Radwegen erklärt:

Benutzungspflichtiger Radweg

Benutzungspflichtige Radwege

Bei diesem Schild handelt es sich um einen benutzungspflichtigen Radweg. Dieser muss auf jeden Fall benutzt werden, auch wenn nach eigenem Ermessen die Straße besser geeignet ist.

 

Getrennter Rad- und Gehweg

Getrennter Rad- und Gehweg

Hier verlaufen Rad- und Gehweg nebeneinander. Radfahrer und Fußgänger haben jeweils eigene Seiten, meist sind diese farblich voneinander abgegrenzt. Radfahrer dürfen also nicht auf den Gehweg ausweichen, auch nicht zum Überholen.

Im Gegenzug dürfen Fußgänger nicht auf dem Radweg laufen. Als Radfahrer sollten Sie auf einem getrennten Rad- und Gehweg dennoch nicht zu schnell unterwegs sein, um eventuell ausscherende Fußgänger nicht zu gefährden.

 

Gemeinsamer Geh- und Radweg

Gemeinsamer Geh- und Radweg

Hier teilen sich Radfahrer und Fußgänger gemeinsam den Weg. Der Radfahrer muss auf den Fußgänger Rücksicht nehmen und mit angepasster Geschwindigkeit fahren. Der Fußgänger wiederum soll dem Fahrradfahrer Platz machen, wenn dieser vorbeifahren möchte.

Merke: Sehen Sie eines der drei oben genannten Schilder, sind Sie als Fahrradfahrer verpflichtet, auf dem Radweg zu fahren.

Ausnahme: Wenn der Radweg für Sie unzumutbar oder nicht nutzbar ist, können Sie trotz Radwegpflicht auf der Fahrbahn fahren. Das ist z. B. der Fall, wenn dieser durch Unwetter zerstört wurde oder Hindernisse auf dem Weg liegen. Auch wenn Sie mit einem Fahrradanhänger oder einem mehrspurigen oder zu breiten Rad fahren, können Sie auf die Fahrbahn ausweichen.

Eine weitere Ausnahme gilt für Fahrradverbände ab 16 Radfahrern. In größeren Gruppen müssen Sie den Radweg also ebenfalls nicht nutzen.

Regelungen der StVO abseits von Radwegen

Neben dem benutzungspflichtigen Radweg können Sie als Radfahrer außerdem auf folgende Beschilderung an Wegen und Straßen stoßen:

Fahrradstraße

Verkehrsschild FahrrdastraßeEs gibt auch sogenannte Fahrradstraßen. Andere Fahrzeuge dürfen dort nur unterwegs sein, wenn ein Zusatzschild dies gestattet. Hier gilt eine Maximalgeschwindigkeit von 30 km/h. Radfahrer dürfen nebeneinander fahren. Autofahrer dürfen nur mit einem Mindestabstand von 1,5 Metern überholen. 

 

 

Gehweg

Radfahrweg

Für Radfahrer ist der Gehweg zum Fahren verboten. Nur bis zum Alter von 10 Jahren dürfen Kinder dort fahren. Viele nutzen aus Bequemlichkeit und Angst dennoch oft noch später den Gehweg. Damit stellen Sie jedoch eine erhebliche Gefahr für sich und andere dar. Gerichte geben bei Unfällen auf Gehwegen daher häufig dem Radfahrer die Alleinschuld.

Ausnahme: Auf Gehwegen mit der Zusatzbeschilderung „Fahrrad frei“ dürfen auch Fahrradfahrer fahren. Jedoch gilt dann erhöhte Vorsicht gegenüber Fußgängern und es ist nur Schrittgeschwindigkeit erlaubt. Sie haben natürlich die Wahlmöglichkeit und dürfen genauso auf der Fahrbahn fahren.

Einbahnstraßen

Durchfahrt nur für Fahrradfahrer erlaubtRadfahrer dürfen in einer Einbahnstraße in beide Richtungen fahren

Wenn Sie eines dieser Schilder sehen, dürfen Sie als Radfahrer in Einbahnstraßen entgegen der Fahrtrichtung fahren. Anderenfalls gilt dort die gleiche Vorschrift wie für Autofahrer.

 

Besondere Regelungen für Kinder und Familien

Bis zur Vollendung des achten Lebensjahres müssen Kinder auf dem Gehweg fahren. Auf dem Radweg dürfen Sie nur fahren, wenn dieser baulich von der Straße getrennt ist. Radfahrstreifen oder Schutzstreifen am Fahrbahnrand gelten nicht als solche. Kindern bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr ist das Fahren auf dem Gehweg, aber auch auf der Straße oder dem Radweg, erlaubt.

Problematisch kann die Situation bei Familienausflügen werden. Was passiert, wenn das Kind auf dem Gehweg und die Eltern auf der Fahrbahn fahren? Leider gibt die Gesetzeslage hier keine eindeutige Lösung. Hier sollte man auf den gesunden Menschenverstand bauen. Soll heißen: Auf belebten Straßen sollten Eltern und Kind auf den Geh- oder Radweg ausweichen. Auf ruhigeren Straßen kann das Kind mit den Eltern am rechten Straßenrand radeln.

Update: Seit Dezember 2016 darf nun eine mindestens 16 Jahre alte Aufsichtsperson das Kind auf dem Gehweg begleiten. 

Tipp für Eltern: Mit dieser Checkliste bringen Sie Ihrem Kind das Fahrradfahren im Straßenverkehr bei.

Sonderreglungen für Pedelecs und E-Bikes

Fahrräder bis 25km/h-Motor-Unterstützung werden als Pedelecs bezeichnet. Sie gelten rechtlich als normale Fahrräder und haben demzufolge die gleichen Rechten und Pflichten. Viele benutzen den Begriff „E-Bike“ für alle Fahrräder mit Motor, dabei bezeichnet er eine Art Kleinkraftrad, das ohne jegliche Muskelkraft fährt. E-Bikes und sogenannte S-Pedelecs (bis 45 km/h) gelten nicht mehr als Fahrräder. Daher dürfen Sie damit nicht auf Radwegen fahren. Auch die gesetzlichen Regelungen für E-Bikes und S-Pedelecs sind eher vergleichbar mit denen von Mopeds und Mofas.

Ausrüstungs-Vorschriften für Radfahrer laut StVO

Neben den Vorgaben für Radwege, regelt die StVO auch die Vorgaben für die Ausrüstung am Fahrrad. Im Allgemeinen muss das Fahrrad verkehrstüchtig sein und niemanden gefährden. Darüber hinaus gibt es klare Angaben bezüglich:

Fahrradklingel

Die StVO schreibt eine „helltönende Glocke“ am Rad vor. Diese sollte sich in ihrem Klang von der Umgebung klar abheben, aber auch nicht zu schrill und laut klingen. Hupen sind beispielsweise am Fahrrad nicht erlaubt. Fragen Sie im Fahrradgeschäft einfach nach einer StVO-zugelassenen Fahrradklingel. Das Fahren ohne oder mit falscher Klingel kann 10 € Bußgeld kosten.

Bremsen

Ein Fahrrad muss zwei voneinander unabhängige funktionierende Bremsen haben. Meist sind diese jeweils am Vorderrad und am Hinterrad montiert. Die Art der Bremsen schreibt die StVO dabei nicht vor.

Fahrrad-Beleuchtung

Wenn es um die Beleuchtung am Rad geht, sind sich viele Radfahrer unsicher. Generell müssen laut StVO jeweils ein Frontscheinwerfer und ein Rücklicht am Rad installiert sein. Dabei ist es unwichtig, ob die Lichter von einem Dynamo oder Akkus bzw. Batterien betrieben werden. Hinzu kommen ein Frontreflektor und ein Rückstrahler sowie Reflektoren an Pedalen und Speichen.

Tagsüber müssen Sie die Fahrradbeleuchtung nicht zwangsläufig dabeihaben. Sind die Lichtverhältnisse jedoch schwierig, ist eine ausreichende Beleuchtung ratsam. Bei Fahrten in die Dämmerung oder Dunkelheit ist eine Mitnahme Pflicht.

Achten Sie zudem auf das Prüfkennzeichen. Das stellt sicher, dass die Lichtquelle die gesetzlichen Vorgaben einhält und beispielsweise nicht zu hell ist. Das Prüfkennzeichen erkennen Sie an einer Wellenlinie, gefolgt vom Buchstaben K mit einer Nummer. Ohne diese Nummer sind die Lichter nicht als offizielle Fahrradbeleuchtung zugelassen und können Bußgeld kosten. Dazu zählen z. B. die beliebten Blinklichter. Kaufen Sie daher im Fahrradgeschäft ausschließlich StVO-zugelassene Lampen.

Diese Rechte und Vorzüge für Radfahrer sollten Sie außerdem kennen

Als Radfahrer haben Sie grundsätzlich die gleichen Rechte wie Fahrer von Autos, Motorrädern und anderen Fahrzeugen. Lediglich Kraftfahrstraßen und Autobahnen dürfen Sie mit einem unmotorisierten Gefährt nicht benutzen. Welche Rechte und Vorteile Sie außerdem als Radfahrer genießen, erfahren Sie im Folgenden.

An Autoschlangen vorbeifahren

An Ampeln dürfen Sie als Radfahrer an stehenden Autos vorbeifahren. Das gilt allerdings nur, wenn genug Platz vorhanden ist. Außerdem dürfen Sie lediglich rechts an der Autoschlange vorbei, zwischen stehenden Fahrzeugen ist dies verboten.

Parken von Fahrrädern

Bezüglich des Abstellens von Fahrrädern gilt: Parken dürfen Sie Ihr Rad grundsätzlich überall. Es darf dann nur den Verkehr oder die Sicht nicht behindern oder beeinträchtigen. Sogar am Straßenrand dürfen Sie Ihr Rad abstellen. Bei Dunkelheit sollten Sie dieses jedoch laut StVO dort nicht unbeleuchtet stehen lassen. Hier schaffen ein Warnschild oder reflektierende Flächen Abhilfe.

Wichtig: „Fahrräder abstellen verboten“-Schilder müssen Sie nicht beachten. Die StVO sieht ein solch allgemeines Verbot nicht vor. Solang Sie mit Ihrem Rad niemandem im Weg stehen oder etwas beschädigen, haben Sie keine Strafe oder andere Konsequenzen zu fürchten.

Vorfahrt für Radfahrer bei Hindernissen

Autofahrer müssen bei Hindernissen auf ihrer Fahrbahnseite zuerst den Radfahrer passieren lassen, wenn der Raum zu eng für beide wird. Auf keinen Fall darf der Radfahrer auf den Gehweg oder Rinnstein abgedrängt werden. Denn dadurch steigt das Unfallrisiko.

Überholen

Beim Überholen sollten Autofahrer genügend Abstand lassen. Als Mindestabstand gelten 1,5 bis 2 Meter. Generell sollten Kraftfahrzeuge zur Sicherheit auf die andere Fahrbahnhälfte ausweichen, unabhängig davon, ob sie ein Auto oder einen Radfahrer überholen.

Interview zum Thema Radrecht und Versicherungsschutz

Nun wissen wir also wieder, was wir im Straßenverkehr dürfen und was nicht. Welche Vorschriften darüber hinaus gelten und welche Auswirkungen ein Verstoß auf Ihren Versicherungsschutz haben kann, erfahren Sie im Interview mit unserem Unfallexperten bei ERGO Direkt – Andreas Strobel:

 

Andreas StrobelHerr Strobel, gilt das Handyverbot auch für das Fahrradfahren? Und welche Auswirkung hat ein Verstoß auf den Versicherungsschutz?

Die Benutzung eines Handys während der Fahrradfahrt ist nicht erlaubt. Aktuell (2018) wird hierfür ein Bußgeld von 25 € erhoben. Soweit der schlechte Teil der Nachricht. Die Gute ist, dass auch ein Unfall, der auf derart leichtsinnigem Verhalten beruht, unfallversichert ist.

Sind Kopfhörer mit Musik beim Fahrradfahren verboten?

Hier drückt sich der Bußgeldkatalog 2018 nicht ganz so deutlich aus. Es heißt lediglich „so laut Musik auf dem Fahrrad gehört, dass eine Behinderung entstand“. Daneben ist dann ein Bußgeld von 15 € vermerkt. Aber auch hier gilt: Es besteht Schutz über die private Unfallversicherung – und das, obwohl sich daraus sehr leicht gefährliche Situationen und Unfälle mit auch schwerwiegenden Verletzungen ergeben können.

Welche rechtlichen Konsequenzen könnte es haben, wenn ich ohne Helm fahrradfahre?

In Deutschland gibt es bislang (Stand 2018) keine Helmpflicht für Fahrräder (und im Übrigen auch nicht für Pedelecs mit Tretunterstützung bis 25 km/h). Schon alleine deswegen hat das Fahren ohne Helm keinen Einfluss auf den Versicherungsschutz. Jedoch hat diese Fahrweise erheblichem Einfluss auf mögliche Kopfverletzungen nach einem Sturz. Und schon alleine deshalb ist es ratsam, bei einer Radfahrt immer einen Helm zu tragen. Denn die gebotene finanzielle Entschädigung der privaten Unfallversicherung kann die eventuell lebenseinschneidenden, gesundheitlichen Defizite nicht wett machen.

Habe ich generell mit Leistungskürzungen zu rechnen, wenn ich gegen die Straßenverkehrsordnung verstoße?

Auch dies hängt von der Schwere des Verstoßes ab. Generell gilt, dass ein Verstoß –sobald er als Straftat verfolgt wird – zum Verlust des Versicherungsschutzes führen kann. Bei Ordnungswidrigkeiten bleibt der Schutz aber bestehen. Eine Leistungskürzung findet in diesen Fällen ebenfalls nicht statt.

Welche Auswirkungen hat es auf meinen Versicherungsschutz, wenn ich unter Alkoholeinfluss fahre?

Die Rechtsprechung sieht bei Radfahrern eine absolute Fahruntauglichkeit ab 1,6 Promille. Ab dann kann auch bei einem Unfall kein Versicherungsschutz mehr aus der privaten Unfallversicherung geboten werden. Zur Transparenz für unsere Kunden haben wir diese und weitere Promille-Grenzen in unseren Bedingungen festgeschrieben.

Weitere Informationen für Sie

Ob Sie Fahrrad und E-Bike fahren oder lieber andere Sportarten ausüben – in unserem Dossier  erfahren Sie, wie Sie mit den richtigen Vorkehrungen Ihr Leben richtig genießen können.

Mit welchen Bußgeldern bei Nichteinhaltung der Verkehrsregeln zu rechnen ist und welche Auswirkungen das auf Ihren Führerschein haben kann, können Sie im Bußgeldkatalog nachlesen.

Suchen Sie rechtliche Hilfe, können Sie sich darüber hinaus an den ADFC wenden.

 

Was sagen Sie zu diesem Thema?

2 Kommentare

  1. Fels schreibt am 29. März 2018 um 16:30:

    Guten Tag,

    Bezüglich eines der ersten Punkte ihre Aufstellung hier eine Neuerung dieses seit zwei Jahren gibt.

    https://www.adfc.de/presse/pressemitteilungen/stvo-novelle-kinder-duerfen-auf-radwegen-fahren–adfc-familienfreundliche-rad-infrastruktur-fehlt-

    Beste Grüße, Kai Fels

    • David Prestele David Prestele schreibt am 4. April 2018 um 15:53:

      Hallo Herr Fels,

      vielen Dank für den wichtigen Hinweis. Ich habe es im Text ergänzt.

      Beste Grüße
      David Prestele

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