Kitchen Impossible oder wie bekomme ich den Brokkoli in das Kind?

Haben Sie schon einmal einem Kleinkind zugesehen, wie es bedächtig Kartoffelpüree von einer Erbse leckt?

Gut! Sie verstehen! Es ist nämlich eine Gewissheit, dass manche Nahrungsmittel für Kinder relativ – nennen wir es mal „uncool“ – sind. Die werden stets ausgespuckt – Zucchini etwa. Oder der berühmte und vielfach verschmähte Brokkoli. Und Erbsen sowieso.

Das führt uns zu zwei Erkenntnissen: Kochen für Minderjährige ist eine Kunst und der Mittagstisch mit Kindern ist nichts für Weicheier.

Meine Kinder ernähren sich wie ich zu meinen schlimmsten Studentenzeiten. Würden wir jetzt noch Kakao durch Bier ersetzen, dann hätten wir wahrlich ein gröberes Problem.

Dabei gebe ich mir größte Mühe beim Kochen: Ich schnipple Karotten und Gurken wie Jamie Oliver, schäle Äpfel und Birnen wie Mary Poppins und drapiere sie liebevoll zu Disney-Figuren am Teller. Das kann ich mittlerweile so gut, dass man mir mindestens ein Semester Kunst an jeder Uni anrechnen müsste.

Hauptsache ungesund!

Weißbrot gibt es sowieso kaum bei uns. Und trotzdem essen die Kinder nur das Ungesunde vom Teller: Sie lecken die Streichwurst vom Brot, löffeln die „Baxi-Erbsen“ aus der Suppe, ohne das darin enthaltene Gemüse auch nur anzurühren.

Essenswünsche? Pizzaaaa!! 🙂

Als neulich Micky fein säuberlich jedes einzelne Stück Karotte aus der Pasta pickte und Mouse Zucchini angewidert auf den Tisch spuckte, war ich mit meinem Latein am Ende. Mittlerweile ist es nämlich so, dass die Kinder Fragen nach Essenswünschen prinzipiell nur mit „Pizza und Nudeln“ beantworten.

Was also tun? Ich schummle Tomaten und einzelne Salatblätter in die Sandwiches. Ich verfeinere Obst mit Streichkäse und Gurken mit Streichwurst. Außerdem verstecke ich geriebene Äpfel im Joghurt: „Das ist ein weißer Pudding!“, sage ich dann hinterlistig und feiere meine kleinen Teilerfolge. Denn die Kinder essen zumindest mittlerweile Joghurt.

Die Geschmacksnerven und die Schwangerschaft

Kritische Stimmen können jetzt sagen: „Die Geschmacksnerven der Kinder werden ja schon im Mutterleib geprägt. Da hast du dich wohl in der Schwangerschaft ausschließlich von Nutella und Mettwurst ernährt…“

Stimmt aber nicht! Ehrlich! Meine Schwangerschaftsgelüste galten nämlich Vollkornmüsli mit Organgensaft und Toffifee. Das ist zwar eine durchaus fragwürdige Kombination, die aber nicht unbedingt ungesund ist.

Und weil ich ja bekanntlich mit Zwillingen schwanger war, konnte ich ohnedies kaum etwas essen. Da war nämlich kein Platz mehr im Bauch, weil mein Magen irgendwo in einer Miniecke zwischen Zwerchfell und Milz gedrückt war.

Jetzt liegt es natürlich in der Natur der Sache, dass meine Kinder jenes ausgespuckte Essen irgendwo drapieren müssen. Ich bin ja froh, dass sie die abgelutschten Gemüsestücke nicht mehr zurück in Suppe und Sauce werfen – auch das hatten wir eine Zeit lang.

Und als ich einmal nicht gleich die Teller verräumt hatte und Papa dann herzhaft die Reste essen wollte…. Aber lassen wir das, das ist eine andere – tendenziell ekelhafte – Geschichte…

Die Lösung unseres Dilemmas? Ganz einfach: Wir haben nun Früchte und Gemüse nach Farben sortiert und hanteln uns nach dem Ampelprinzip von Rot nach Grün: Da die Akzeptanz von roten Lebensmitteln deutlich höher als die von grünen ist, pürieren wir Saucen nach Goethes Farbenlehre und servieren grüne (Zucchini-)Nudeln mit roter Sauce. Mit durchaus kleinen Erfolgen.

Was will uns diese kleine Parabel sagen? Ganz einfach: Mütter könnten in jedem Koch-Duell ganz einfach die Höchstpunktezahl erringen. Denn gesunde Mahlzeiten für Kleinkinder sind wirklich oft eine Kitchen Impossible und eine Fusionsküche aus Farben und Verzweiflung.


einerschreitimmerÜber die Autorin

Anne hat Zwillinge. Weil ständig eines ihrer Kinder brüllt, betreibt sie den Zwillingsblog „Einer schreit immer – die Wahrheit über das Leben mit Zwillingen“. Anne ist Mitte 30, macht „irgendwas mit Medien“, hat acht Hände und viel Humor. Sie wartet einstweilen auf ihre Nominierung für den Pulitzerpreis. Insgeheim wünscht sie sich zur Mutter des Jahres gewählt zu werden. Die Chancen dafür stehen aber leider schlecht, weil ihr jedes Mal die Realität frech ins Gesicht lacht und ihre Pläne böse kreuzt.

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