Kindersicherheit zu Hause: Sind wir zu vorsichtig?

Kindersicherheit zu Hause

Wenn Menschen Eltern werden, ändert sich einiges im Leben. Auf der einen Seite natürlich die äußeren Umstände: die Verantwortung für einen Menschen und die Veränderung der Lebensweise sind nur zwei Beispiele. Auf der anderen Seite ändern sich auch viele Einstellungen zu Werten. Eine der einschneidensten Veränderungen ist sicherlich das veränderte Verhältnis zum Thema Sicherheit.

Ersteltern sind Sicherheitsfanatiker

Bevor das erste Kind zur Welt kommt, wird das traute Heim erst einmal gründlich umgebaut und kindersicher gemacht. Alle spitzen Ecken und Kanten werden abgerundet, abgepolstert oder durch weniger gefährliche Möbel ersetzt. Ist das Kind dann zu Hause, steht es unter ständiger Beobachtung. Der freie Bewegungsradius wird auf zwei Meter begrenzt.
Damit es diesen Sicherheitsbereich auch bloß einhält, wird dieser durch Gitter oder Laufstall eingegrenzt. Selbstverständlich ist der Sicherheitsbereich auch durch entsprechende Decken und Kissen ausgekleidet, um jedes noch so kleine Risiko auszuschließen.

Diesen Sicherungsfanatismus kann wohl jede Mutter und jeder Vater nachvollziehen. Das Kind, besonders wenn es das Erste ist, soll um jeden Preis vor allem Übel bewahrt werden. Gerade Ersteltern können die Risiken noch nicht richtig einschätzen und reagieren deshalb vielfach über.

Man kann es ihnen auch kaum verübeln. Babies und Kleinkinder wirken, besonders anfangs, total unselbstständig und erwecken den Eindruck, sich ständig selbst in Lebensgefahr zu begeben. Es braucht einige Erfahrung, um zu erkennen, dass Kinder nicht den ganzen Tag im Selbstzerstörungsmodus unterwegs sind. Es ist ein ganz normales Entdeckungsverhalten. Kinder sind neugierig und überschreiten dabei oft die Toleranzgrenzen sicherheitsbewusster Eltern.

Kleine Beulen gehören dazu

Menschen lernen am besten und am schnellsten durch Erfahrungen. Das ist bei jungen Menschen um so stärker der Fall, denn alles was wir bereits wissen, beispielsweise dass Feuer heiß ist, müssen sie erst noch lernen.

Wir haben unsere Kinder an die Hitze unseres Kamins zum Beispiel so herangeführt, dass wir die Hand langsam dem Feuer genähert haben, so dass sie merkten, wie warm es ist. Dadurch hatten wir niemals das Problem, dass sich eines unserer Kinder dort die Hand verbrannte.

Kinder sind neugierig und müssen das auch sein dürfen. Sie müssen ihre Umwelt entdecken und ihre eigenen Erfahrungen machen dürfen auch, wenn das mal einen Kratzer, eine Beule oder einen blauen Fleck zur Folge hat.

Was ich heute lockerer sehe

Natürlich habe ich das nicht immer so gesehen.
Bei unserem ersten Kind war ich auch im absoluten Sicherheitsmodus unterwegs. Mit der Zeit und besonders mit dem zweiten Kind bin ich deutlich entspannter geworden. Die Lernkurve hat mich gelassener werden lassen und mir mehr Vertrauen in die Kinder gegeben.

Was geht und was nicht

  • Ich klebe nicht mehr alles ab – unser Haus hat Ecken und Kanten. Auch unsere Möbel. Diese werden nicht mehr abgepolstert.
  • Freie Wohnung für freie Kinder – unsere Kinder dürfen sich in der Wohnung frei bewegen auch ohne dass sie ständig unter Beobachtung stehen.

All das geht natürlich nur, nachdem ich mich vergewissert habe, dass es keine ernsthaften Gefahrenquellen gibt. Einige Punkte, auf die ich dabei besonders achte:

  • keine Gegenstände auf Tischen und Schränken sind vor dem Nachwuchs sicher
  • die Steckdosen sind gesichert
  • gefährliche Flüssigkeiten sind außer Reichweite
  • die Treppe ist abgesichert, denn Kinder können die Gefahr einer Treppe noch nicht wirklich einschätzen
  • alles Heiße wie Kamin und Herd sind gesichert

Auch wenn es leichter gesagt als getan ist, es tut allen Beteiligten gut, nicht gleich zu hyperventilieren, wenn ein Kind beginnt, die Welt um sich herum zu erkunden. Wenn Sie die lebensgefährlichen Gefahren beseitigt haben, können Sie auf die natürlichen Instinkte Ihres Kindes vertrauen und es seine eigenen Erfahrungen machen lassen.

Andreas Lorenz

(Quelle: Lena Böhm)

Über den Autor

Andreas Lorenz ist Vater von zwei Kindern, Florentine (5) und Leopold (7). Er versucht als berufstätiger Familienvater den täglichen Spagat zwischen Beruf und Familie möglichst gut hinzubekommen und schreibt darüber auf seinem Blog papa-online.com.

Weitere Informationen zu „Erste Hilfe am Kind“ finden Sie auch auf unserer Website.

 
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