Hausbau: Ein Drama in drei Akten

Verzweiflung ist ein treuer Begleiter von Hausbauern, egal ob Neubauer, Anbauer oder Dauer-Renovierer. Immer wieder gibt es Momente, in denen man meint, den Traum vom Eigenheim begraben oder zumindest radikal neu andenken zu müssen. Denn alle Bauherren dieser Welt kennen diese zwei Sätze: „Das kostet extra.“ Und: „Diese Leistung ist bauherrenseitig auszuführen.“

Des Dramas erster Akt: Kindlich-naive Vorfreude

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, hat schon Herrmann Hesse postuliert. Und nicht anders ist es beim Bauen. Der Grund für den unbekümmerten Enthusiasmus ist schlichtweg die Unwissenheit, was auf den Häuslebauer in den nächsten Monaten und Jahren zukommt.

 

Im Prinzip ist diese Ahnungslosigkeit vergleichbar mit der Geburt eines Kindes: Auch Eltern haben keinen blassen Schimmer, was sie erwartet. Beim Hausbau ist es ähnlich, nur teurer.

Aber kommen wir zurück zum ersten Endorphin-Rausch, der Neo-Bauherren durchströmt, wenn sie erstmals einen Vertrag unterschreiben: Im Prinzip versteht man nur die Hälfte von dem was man da unterschreibt und kann im Endeffekt auch gar nicht nachprüfen, ob nun die vertraglich vorgesehen 42 Steckdosen für 200 Quadratmeter auch wirklich ausreichend sind.

Glücklich sind jene, die vom Fach sind, oder Freunde haben, die etwas Ordentliches gelernt haben. Spätestens, wenn Sie als Bauherr die erste sechsstellige Rechnung bezahlen, kippt nämlich Ihre Vorfreude und endet in einem mutlosen Nervenzusammenbruch.

Profitipp: Fliesenleger, Schreiner und Elektroinstallateure in Familie und Bekanntenkreis sind in den nächsten 1,5 Jahren beliebte Partygäste. Seien Sie freundlich zu ihnen und halten Sie immer ein kühles Bier bereit. Sie werden die Expertise und Hilfe dieser Fachleute dringend benötigen.

Akademiker im Freundeskreis sind leider völlig nutzlos. Sie philosophieren auf der Baustelle nur über Fliesenfarben und können mit dem Wort „Fäkalhebepumpe“ leider nicht viel anfangen.

Des Dramas zweiter Akt: Das Dixie-Klo kippt

Unvorhergesehene Begebenheiten begleiten den Hausbauer auf Schritt und Tritt. Egal ob der Estrich eine drei Grad-Neigung hat und Murmeln in eine Ecke rollen lässt (#AllesInDerGesetzlichenToleranz).

Oder ob der Baulaster das Baustellenklo beim Einparken touchiert, bis es kippt: Es gibt nichts, was es auf einer Baustelle nicht gibt.

Vermeiden Sie es unbedingt „Fehler Hausbau“ zu googlen. Egal, wie viel Sie auch nachlesen, es passiert sowieso etwas anderes. Manchmal tropft es von der Decke, manchmal springt eine Wandfliese, weil Sie auf der anderen Seite der Wand mit der Schlagbohrmaschine werken und manchmal hören Sie einen Handwerker sagen: „Das habe ich auch noch nie gesehen.“

Stürzen Sie sich nicht in Depressionen oder in die nächste offene Baugrube: Das geht alles vorüber! Hausbauen ist wie Mosaike legen – am Ende muss das Gesamtbild stimmen.

Profitipp: Lösen Sie Baldrian in Bier auf, nehmen Sie für den Kaffee anstelle von Milch einen Schnaps. Das entspannt und gibt Ihnen die kindlich-naive Vorfreude von Akt eins zurück – zumindest für kurze Zeit. Vermeiden Sie für Ihr inneres Seelenheil Filme wie „Geschenkt ist noch zu teuer“ oder aber Dokusoaps wie „Ab in die Ruine“.

Des Dramas dritter Akt: Einziehen und ankommen

Und eines vorweg: egal, wie viele Kisten und Kartons Sie zu brauchen glauben, es sind zu wenig. Und eine Kiste bleibt sehr lange stehen. Sehr lange. Mindestens drei Jahre. Sie werden aber die Handtücher, die Ihnen mal Ihre Oma gekauft hat, auch später sicher nicht verwenden.

Setzen Sie sich auf die neue Couch (weil die alte überraschenderweise doch nicht ins Wohnzimmer passte), legen Sie die Füße hoch (der Couchtisch passte leider auch nicht) und genießen Sie Ihr neues Zuhause.

Sinnieren Sie über Dekorationsmöglichkeiten und neue Möbel. Es ist wirklich ein seltsames Phänomen, aber die alten Möbel, die Ihrer Wohnung vor kurzem noch Charme und das gewisse Extra verliehen hatten, passen irgendwie nicht mehr in Ihre neue Existenz. Macht nix.

Profitipp: Vermessen Sie Ihre Räume so oft Sie nur wollen. Es wird Sie der Wunsch packen, das neue Haus auch mit neuen Möbeln zu ehren. Stocken Sie also vorausblickend schon mal den Kredit auf. Mischen Sie alte und neue Möbel, dann können Sie erstens sparen und zweitens haben Sie damit eine Kontinuität von Ihrem alten zu Ihrem neuen Leben.

 

 

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