Der Garantiezins sinkt – sind Lebensversicherungen noch attraktiv?

Was ist ein Garantiezins und wieso lohnt sich trotz dessen Senkung weiterhin eine Lebensversicherung?

Garantiezins in der Lebensversicherung

In den letzten Monaten geistert immer wieder das Thema Garantiezins durch die Medien. Dieser ist so weit gesunken, dass sich viele Versicherte unsicher sind, ob sich eine Lebensversicherung dadurch überhaupt noch lohnt. Deshalb stelle ich mir die Fragen: Was ist überhaupt dieser Garantiezins? Und was hat die Senkung für Konsequenzen für die Versicherten?

Was ist der Garantiezins?

Der Garantiezins ist der unabhängig von den Entwicklungen am Kapitalmarkt garantierte Zins über die gesamte Laufzeit eines Versicherungsvertrages. Für Lebensversicherungen darf er höchstens 60 Prozent der durchschnittlichen Umlaufrendite zehnjähriger Staatsanleihen mit Spitzenratings aus dem gesamten Euro-Währungsgebiet betragen.

Durch diese defensive Kalkulation können die Versicherer auch nach vielen Jahren noch die vertraglich garantierten Zinserträge aus Lebensversicherungen an ihre Kunden zahlen. Oft wird das Kapital in Lebensversicherungen jedoch deutlich besser verzinst, als kalkuliert. Hierfür sind höhere Überschüsse verantwortlich, die Versicherungsunternehmen zum Beispiel durch geschickte Kapitalanlagen erwirtschaften und anteilig an Ihre Kunden weiterreichen.

Wer entscheidet, ob der Garantiezins angepasst wird?

Anpassungen des Zinssatzes schlagen die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) vor. Verbindlich setzt jedoch schließlich das Bundesministerium der Finanzen den Zinssatz per Verordnung fest.
Anfang 2014 empfahl die DAV, den Garantiezins für Lebensversicherungen für das Jahr 2015 von 1,75 auf 1,25 Prozent zu senken. Aufgrund der fortwährenden Niedrigzinsphase wurden nun auch fünfjährige Zinsszenarien mit betrachtet, um Schwankungen noch besser beachten zu können. Auch die BaFin sprach kürzlich die gleiche Empfehlung aus.

Die Bundesregierung hat am 4. Juni 2014 ein Reformpaket zur Absicherung stabiler und fairer Leistungen für Lebensversicherte (LVRG) verabschiedet. Damit sollen vor allem die Leistungsfähigkeit der Lebensversicherungen in Deutschland gesichert und die Verbraucher geschützt werden. Sobald der Bundespräsident das Gesetz unterschrieben hat und es im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wurde, tritt es in Kraft. Danach sind die Versicherer am Zug, die Senkung fristgerecht umzusetzen.

Was geschieht mit bestehenden Verträgen?

Eine Senkung hätte nur auf neue Verträge ab 01.01.2015 Einfluss. Für Altverträge ändert sich nichts, der vertraglich vereinbarte Garantiezins bleibt unverändert! Alte Verträge, die teils noch mit garantierten Zinsen von bis zu vier Prozent abgeschlossen wurden, sollten daher auch nicht ohne Grund und gründliche Prüfung gekündigt werden. Ansonsten können zum Beispiel Schlussüberschüsse verloren gehen, die nur Versicherte erhalten, deren Verträge bis zum Vertragsende laufen.

Lohnen sich klassische Lebensversicherungen noch?

Fakt ist jedoch, dass in den meisten Fällen spürbar höhere Renditen erzielt werden, als nur der Ertrag aus dem Garantiezins. Dieser erfüllt eher die Funktion eines Fangnetzes und sichert eine Mindestverzinsung auf den Sparanteil, wenn alle Stricke reißen. Hinzu kommen – wenn auch nicht garantiert – jährlich laufende Überschüsse, die dann ebenfalls verzinst werden und einmalige Schlussüberschüsse, zum Ablauf des Vertrages.

Die durchschnittliche Verzinsung von Kapitallebensversicherungen im Neugeschäft lag laut einer Untersuchung der ASSEKURATA Assekuranz Rating-Agentur GmbH 2014 bei circa 3,37 Prozent. Laut Aussage des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) wurden alleine in 2012 aus Lebens- und Rentenversicherungen Leistungen in Höhe von rund 76 Milliarden Euro ausgezahlt.

Im Vergleich zu Anlageformen wie einem Sparbuch bietet eine Lebensversicherung jedoch nicht nur relativ sichere Zinserträge zum Beispiel zum Ansparen einer Altersvorsorge. Eine Lebensversicherung ist durch die garantierte Verzinsung langfristig auch sicherer und besser planbar, als risikoreiche Anlagen wie Aktien. Lebensversicherungen unterliegen deutlich geringeren Schwankungen und entwickeln sich im Wert in der Regel trotzdem positiv.

Steuervorteile und Todesfall

Hinzu kommen steuerliche Vorteile für Versicherungsnehmer. Denn nur die Hälfte der Erträge wird mit dem persönlichen Einkommenssteuersatz besteuert. Vorausgesetzt, der Versicherungsnehmer lässt sich das angesparte Kapital frühestens mit 62 Jahren und nach mindestens zwölf Jahren Laufzeit auszahlen.

In der Regel enthalten Verträge zudem eine Todesfallabsicherung, mit deren Hilfe die Familie für den Ernstfall abgesichert ist. Verstirbt die versicherte Person, werden die vereinbarte Versicherungssumme sowie die bis dahin angefallenen Gewinnanteile an die bezugsberechtigte Person ausbezahlt.

Weitere Informationen zum Höchstrechnungszins bietet z.B. der GDV auf seiner Webseite an.

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