Basteln mit Kindern: Dos und Dont´s

Basteln mit DrachenschleimDas B-Wort spaltet die Mutterwelt: BASTELN!!! Die Bastelqueens wollen und können. Die anderen fürchten die Bastelmuttihölle. In diesem Beitrag gebe ich Ihnen Tipps, wie Sie erfolgreich mit Ihrem Kind basteln.

Die Bastelqueens haben ein intuitives System, wie sie mit ihren Kindern ins Basteln kommen. Sie wissen, wie sie pinterest-reife Ergebnisse erzeugen und wie danach ein schmuckes Zuhause mit viel kindlich-sympathischen Farbtupfern entsteht.

Die anderen haben: Chaos, klebrige Finger, Glitzer in den Haaren, eine Müllhalde statt Kinderzimmer. Und statt Wohnzimmer, Küche und Schlafzimmer noch mehr Kinderzimmer, Kinderzimmer und Kinderzimmer.

Basteln mit Kindern ist ein Kunststück

Dabei ist Basteln an sich wichtig für Kinder: Schnippeln, kleben, ausmalen und Co. fördert die Feinmotorik und die Hand-Augen-Koordination, die später für viele schulische Tätigkeiten wichtig ist. Da ich nicht nur Bloggerin sondern auch Schulgründerin bin, habe ich da viel Erfahrung: Die kleinen Pummelhändchen von Erstklässlern sind unterschiedlich flink – und das macht einen Riesenunterschied wenn sie die ersten Schreibübungen anfangen. Den einen geht das locker von der Hand, die anderen verkrampfen sich und fangen an, die Sache zu hassen: Erst die Buchstaben, dann das Lesen… und dann das Lernen überhaupt. Ja, ich dramatisiere ein wenig. Aber der Schneeballeffekt der Frustration ist nicht zu unterschätzen.

Was tun, wenn einem selbst aber Basteln nicht liegt, man die “Kunstwerke” in der Wohnung so sehr schätzt wie die Anwesenheit einer frisch im Schlamm gewälzten Sau – und trotzdem seinen Kindern das nicht vorenthalten möchte? Ich habe einige hoffentlich nützliche Tipps für Bastelwillige und -unwillige – sozusagen Do’s und Don’ts:

Nun zu den Dos:

DO: Andere Worte fürs Basteln finden – und auch ein wenig andere Aktivitäten
Es steht nirgends in der Bibel: “Du sollst basteln.” Auch nicht in irgendeinem ungeschriebenen Elterngesetz. Feinmotorik kann man auch mit Experimentieren, Werken oder Dekorieren trainieren.
Experimentieren insbesondere impliziert, dass man das Ergebnis hinterher entsorgt: Was für ein Segen! Lassen Sie die Kinder mal manschen und panschen in einem sicher abwischbaren Umfeld – wie zum Beispiel dem Badezimmer oder die Küche: Rasierschaum mit Farben anmischen, Mehl mit Babyöl kneten oder Maisstärke mit Wasser und Farbe mixen.

Iiih Drachenschleim! Und wenn das Erlebnis vorbei ist: Weg damit!

Beim Werken schwingt etwas Solides mit und wird gerade von Jungs sehr gut akzeptiert. Hier kann durchaus etwas Solides für den Haushalt dabei herum kommen: Sollten nicht mal sämtliche Schrauben am Regal nachgezogen werden? Auch Dekorieren, zum Beispiel mit Essenssachen ist smart – denn es macht Freude und lädt zum wegfuttern ein.

DO: Kinderlogik zulassen und Fantasie ermuntern
Wenn Sie mit Kindern basteln oder… siehe oben experimentieren, werken, etc. muss nicht alles naturwissenschaftlich oder logisch Sinn machen. Wenn sie merken, dass Ihr Kind an Tatsachen interessiert ist (“Warum schmilzt Eis?”), dann googlen und erklären Sie, was das Zeug hält. Wenn Sie allerdings vor hatten, Blumentöpfe zu gestalten und Ihr Kind auf neue Ideen kommt, akzeptieren Sie es einfach, wenn sich diese in gefährliche Drachennester oder selbsttanzende Prinzessinenschuhe verwandeln.

DO: Geben Sie Scheitern Anerkennung
Wenn ein Baby laufen lernt, fällt es wiederholt auf den dicken Windelpopo. Jede Disziplin braucht ihre Babyschritte. Auch das Basteln: Loben Sie ihr Kind fürs Ausprobieren. Erwarten Sie nichts Fertiges und seien Sie nicht enttäuscht, wenn gerade junge Kinder etwas anfangen und vielleicht nicht zu Ende bringen. Aber überspielen Sie auch nichts. Ist ihr Kind bedrückt über ein Scheitern, ist es das Beste gemeinsam liebevoll zu besprechen woran es gelegen hat – und geben Sie ihrem Kind das Vertrauen, dass es das nächste Mal besser klappen kann. Übung macht den Meister!

DO: Glitzer und Wackelaugen gehen immer
Das ist mehr ein Tipp aus der Trickkiste: Halten Sie immer etwas Glitzerfolie und Wackelaugen parat. Damit lässt sich jedes Bastelergebnis retten, egal in welcher Stimmung. Glauben Sie mir einfach: Haben Sie ein Krisenmoment erreicht, überreichen Sie das Material einfach kommentarlos ihrem Kind. Es wird sofort wissen, was damit zu tun ist.

Nun zu den DONTs

DON’T: Kindern zu viel helfen und alles als Erwachsener selbst machen
Ihr Kind soll nicht nur die Feinmotorik trainieren, sondern auch Vertrauen in die eigenen
Fähigkeiten entwickeln. Durch einfache Hilfestellungen können Sie Ihr Kind ermutigen, Dinge zu erforschen und eigene Lösungen zu finden. Das geht gut nach einem 7-Punkte-Plan, den auch Pädagogen in Kindergärten und Schulen befolgen:

  1. Start signalisieren: „Hast du alles, was du brauchst?“
  2. Unterstützung anbieten: „Du kannst mich jederzeit fragen!“
  3. Zwischenergebnisse anerkennen: „Klasse, wie gut du dieses….. geschafft hast!“
  4. Nachfragen, wenn es hakt: „Was glaubst du, wie es gehen könnte?“
  5. Erinnerungen auffrischen: „Weißt du, wie du … gemacht hast?“
  6. Konkrete Tipps anbieten – aber nicht erzwingen: „Was hältst du davon wenn …?“
  7. Rechtzeitig zurückziehen: „Ich glaube, jetzt kommst du allein weiter!“

DON’T: Angst vor “gefährlichem” Werkzeug
“Messer, Schere, Beil vom Koch – sind für Bastelkinder doch!” so ungefähr würde ich es am liebsten umtexten (wer einen besseren Reim findet, willkommen mit einem Kommentar!). Die meisten Eltern trauen ihren Kinder zu wenig zu. Kein Kind schnappt nach einem Messer und sticht sich damit schnurstracks ins Auge – sondern wird selbst damit erstmal vorsichtig hantieren, wenn die Eltern es liebevoll aber mutig unterstützen. In der Tat werden die Kinder mit den Anforderungen geschickter, und selbst wenn es mal am Anfang kleine Verletzungen gibt, packen Sie ein Pflästerchen drauf und weiter geht’s.

DON’T: Kinder über alles loben
Wenn Sie bei jeder Zeichnung oder jedem Bastelresultat Ihres kleinen Künstlers in Entzückung geraten, ist das schön. Aber am besten ist es, nicht sofort einfach nur zu loben, sondern sich genauer mit dem Kunstwerk auseinander zu setzen. Fragen Sie nach, wenn ein Krikelkrakel nicht verständlich ist. Sagen Sie, woran Sie etwas erinnert und welches Gefühl es in Ihnen weckt. Gehen Sie auf die Details ein. Dann fühlen sich Kinder ernst genommen – das beflügelt sie am allermeisten.

KinderkunstDON’T: Alles aufbewahren
“Ist das Kunst oder kann das weg?” Gerade Familien mit mehreren Kindern stehen oft bei Bastelergebnisse vor einer geliebten, künstlerisch anspruchsvollen Müllhalde. Macht mit den lieben Kleinen einen Archivierungsdeal: Kunstwerk wird mit Küssen bezahlt, dann digitalisiert und so aufbewahrt. Wenn es ganz viel Eindruck machen soll: Jedes Stück auf circa Briefmarkengröße ausdrucken und alle zusammen, schön geordnet, auf ein Riesenposter kleben.

So, und wenn alles nichts mehr hilft: Delegieren ist auch eine Option. Niemand muss als Mutter oder Vater basteln! Vielleicht gibt es die Oma, die das gern tut. Oder Nachbarn. Oder der Babysitter. Es gibt zu allem Mittel und Wege – auch zum Basteln!


tollabea - Béa BesteÜber die Autorin

Béa hat eine große eigene Tochter und einige Tausend weiterer Kinder, denn sie ist Schulgründerin und Bildungsunternehmerin. Mit ihrem Blog Tollabea will sie mehr Kreativität ins Familienleben bringen und überhaupt mehr Heiterkeit in Sache Lernen. Sie tüftelt an Lösungen, wie sie Eltern, Lehrern und Erziehern das Leben leichter und lustiger macht und managt eine Community mit über 90.000 smarten Fans, die selbst tolle Ideen haben und sie einbringen. So werden alle schlauer – mit viel Spaß dabei.

 

 
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