Als Papa in Elternzeit – ein lohnenswertes Abenteuer

Elternzeit als VaterDie Elternzeit für Väter ist alles, nur kein entspannender Zusatzurlaub. Es ist vielmehr ein Abenteuer mit ständig neuen Herausforderungen.

Schon kurz nachdem wir von der Schwangerschaft meiner Frau erfuhren, überlegten wir, wie wir die neue Verantwortung am besten auf beide Schultern verteilen. Das Thema „Elternzeit“ war für mich nicht neu, da ich bereits Kollegen vertreten habe, die von dieser Möglichkeit Gebrauch machten. Für uns stand schnell fest, dass auch ich ab der Geburt zwei Monate Elternzeit nehmen würde. Zudem plante ich einen zweiten Elternzeit-Block im elften und zwölften Lebensmonat unseres Sohnes Erik.

Ihre rechtlichen Ansprüche bei Elternzeit und Elterngeld

In meiner Abteilung wurde mit dem Thema sehr offen umgegangen. Alle Kollegen und Vorgesetzte haben mich super unterstützt. Verhält sich Ihr Arbeitgeber beim Wunsch nach Elternzeit weniger professionell, so sollten Sie wissen: In Deutschland haben Arbeitnehmer nach der Geburt eigener Kinder einen rechtlichen Anspruch auf diese Art der unbezahlten Freistellung. Der entsprechende Zeitraum muss im Regelfall spätestens sieben Wochen vor Antritt beim Arbeitgeber gemeldet werden. Hilfreiche Tipps finden Sie in der Broschüre des Bundesfamilienministeriums „So sag ich’s meinen Vorgesetzten – Elternzeit, Wiedereinstieg und flexible Arbeitsmodelle erfolgreich vereinbaren“.

Durch die Elternzeit erhalten beide Elternteile die Chance zur Betreuung des Nachwuchses. Dies gilt für Mütter und Väter, die mit dem Kind im Haushalt leben und es selbst erziehen. Um finanzielle Nachteile dabei abzufedern, wurde das Elterngeld eingeführt. Dieses beträgt monatlich mindestens 300 Euro bis maximal 1.800 Euro. Maßgeblich für die Höhe ist dabei das Durchschnittsgehalt des letzten Jahres vor dem Geburtsmonat des Kindes. Elterngeld kann ab der Geburt bis längstens zum Ende des vierzehnten Lebensmonats des Kindes bezogen werden. Einen Elterngeldrechner finden Sie hier. Weitere Informationen erhalten Sie in der Broschüre „Elterngeld und Elternzeit – Das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz“ sowie direkt bei den zuständigen Elterngeldstellen.

Meine Tipps für die erste Zeit zu dritt

Den ersten Block meiner Elternzeit nahm ich direkt ab der Geburt unseres Eriks. Meine Frau und ich nutzten die Zeit vor allem dafür, uns gemeinsam ans Leben zu dritt zu gewöhnen. Sobald wir alle zu Hause waren, mussten wir von der gewohnten Unabhängigkeit auf eine Art „Fremdsteuerung“ durch das Baby umschalten. Am Anfang unterstützte ich meine Frau besonders stark, damit sie sich von den Strapazen der Geburt erholen konnte. Neben Einkäufen für den täglichen Bedarf musste ich manche Dinge besorgen, von denen wir teils gar nicht wussten, dass wir sie (in der Menge) benötigen – z.B. Spucktücher, Bodies oder Windeltüten.

Zudem wollten wir von Anfang an, dass wir beide eine enge Bindung zum Kind herstellen. Viele Aufgaben lernten und erledigten wir daher in den beiden Monaten gemeinsam. Sei es Wickeln, das Baby in den Schlaf wiegen, Spazierengehen oder Baden. Dabei müssen Papas nicht enttäuscht sein, wenn das Baby in der ersten Zeit trotzdem stark auf die Mama fixiert ist. Anfangs tauschten wir uns darüber hinaus oft intensiv mit der Hebamme sowie anderen Mamis und Papis aus.

Keineswegs unterschätzen sollte man übrigens die Zeit für Besuche von Verwandten und Freunden. Viele wollen das freudige Ereignis mit einem teilen und den Sprössling sehen. Lassen Sie sich hier nicht unter Druck setzen. Vereinbaren Sie erst dann Termine, wenn sich Mutter und Kind ausreichend von der Entbindung erholt haben.

Noch ein kleiner Tipp am Rande: Kommunizieren Sie frühzeitig, welche Geschenke wirklich benötigt werden. Wir baten zum Beispiel darum, Kleidung lieber ein bis zwei Nummern größer zu kaufen, da wir in der kleinsten Größe bereits ordentlich ausgestattet waren.

Wer später in Elternzeit geht, kann auch die größeren Entwicklungsschritte miterleben

Es lohnt sich aber auch Elternzeit zu nehmen, wenn das Kind schon etwas älter ist. Bei meinem zweiten Block der Elternzeit war mein Sohn bereits ein Jahr alt. Er hatte sich inzwischen mit großen Schritten vom zerbrechlich wirkenden Baby zum Kleinstkind entwickelt. Nun konnte ich mehr mit ihm herumtollen und erste Türme aus Legosteinen bauen. Außerdem hatte ich endlich die Chance, Entwicklungsschritte des Kleinen tagtäglich mitzuerleben: das erste Hochziehen, Krabbeln oder Sitzen. Zudem planten wir für die Elternzeit, das Kind abzustillen, da meine Frau ab August wieder zur Arbeit gehen wollte.

Doch nicht nur ums Kind selbst konnte ich mich deutlich mehr kümmern als sonst. In Sachen „Nestbau“ bewegte ich während dieser Zeit ebenfalls Vieles, das während der Arbeitszeit nur mit sehr großem Aufwand zu schaffen gewesen wäre.

Erlebnisse anderer Papas in Elternzeit

Inzwischen sind Väter in Elternzeit keine Exoten mehr. Zunehmend nutzen auch Männer die Chance, sich eine berufliche Auszeit zur Erziehung des Kindes zu nehmen. Darüber, wie andere Papas ihre Elternzeit erlebt haben, erfahren Sie zum Beispiel auf den Vaterblogs Papalapapi oder Ich bin dein Vater. Außerdem gibt es interessante Interviews auf kidsgo.de und urbia.de. Auch die Frankfurter Allgemeine schrieb schon über Männer in Elternzeit.

Der Fernsehsender ARD hat sich im Beitrag „Papa, trau Dich!“ mit Vätern in Elternzeit und den damit zusammenhängenden Herausforderungen befasst. Wer das Ganze wissenschaftlich betrachten möchte, dem empfehle ich einen Blick in die forsa-Studie „Meinungen und Einstellungen der Väter in Deutschland“ aus dem Jahr 2014. Hier wird unter anderem der Bereich „Familie und Beruf“ beleuchtet.

Eine weitere gute Möglichkeit haben Freunde von mir genutzt: Sie flogen in der Papazeit zusammen mit dem Kind für vier Wochen nach Australien. Die berufliche Auszeit bietet also auch Chancen für gemeinsame Unternehmungen, für die einer Familie im Arbeitsalltag oft die Zeit fehlt. Zudem ist die Elternzeit eine gute Gelegenheit, die Absicherung der jungen Familie auf den Prüfstand zu stellen und auf die neue Situation anzupassen.

In der Elternzeit für den Job trainieren

Nehmen Sie als Vater Elternzeit, wenn es Ihnen irgendwie möglich ist. Sie verdienen in dieser Zeit zwar nicht Ihr volles Gehalt, erhalten dafür aber Vieles, das für Geld nicht zu kaufen ist. Sei es der Moment, wenn das Baby das erste Mal Ihre Hand greift, das erste Lächeln des Kindes oder wenn Ihr Nachwuchs jauchzend zum ersten Mal den gerade von Ihnen erbauten Turm zerstört. Wie auf papa-online.com schön beschrieben, hilft die Elternzeit Papas darüber hinaus, im Job geforderte Soft Skills auszubauen: vom Organisationstalent über Flexibilität bei ungeplanten Ereignissen bis hin zum Handeln unter Stress.

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1 Kommentar

  1. Lothar Kohl Lothar Kohl schreibt am 18. Februar 2015 um 13:47:

    Ein toller, lebensnaher Artikel.
    Ich hatte mir nach der Geburt unseres zweiten Sohnes auch 2 Monate Auszeit genommen. Eine tolle Erfahrung – für die gesamte Familie!

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