Zahnbehandlung der Zukunft

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Die Forschung in der Medizin schreitet fort. Nicht nur Chirurgen suchen nach besseren Behandlungsmethoden, auch Zahnärzte erforschen neue Therapiewege. Nachwachsende Zähne, Karies-Impfungen und Laserbehandlungen – sind diese Methoden bald möglich?

Ich habe im Internet über einige Zahnbehandlungsmethoden der Zukunft gelesen und einen Experten um seine fachliche Meinung gebeten: Prof. Dr. Stefan Zimmer, Lehrstuhlinhaber für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin von der Universität Witten/Herdecke:

Zähne aus Stammzellen

Katja Brömmel: Die Stammzellenforschung macht in vielen medizinischen Bereichen rasante Fortschritte und auch in der Zahnmedizin gibt es neue Ergebnisse. Bereits 2009 gelang es zum ersten Mal, Zähne in einem lebenden Organismus neu zu bilden. Wird es auch beim Menschen möglich sein, Zähne neu wachsen zu lassen?

Stefan Zimmer: Die Stammzellenforschung ist ein wichtiges und spannendes Forschungsbiet der Medizin und bietet das Potenzial, künftig vielleicht neue Organe wachsen zu lassen. In der Zahnmedizin gibt es diesen Forschungsansatz auch und man konnte tatsächlich bereits erste Erfolge beim Züchten neuer Zähne unter Laborbedingungen erzielen. Ich glaube aber nicht, dass man die Laborbedingungen in den Mund übertragen kann. Denn das müsste man tun, wenn man verloren gegangene Zähne nachwachsen lassen möchte.

Impfung gegen Karies

Katja Brömmel: U.S.-amerikanische Forscher wollen Kinder mit einem speziellen Nasenspray gegen Karies impfen. Der Impfstoff soll die Schleimhäute dazu anregen, Antikörper zu produzieren, die verhindern, dass sich Kariesbakterien ausbreiten. Kinder sollen ab einem Alter von zwölf Monaten mit dem Nasenspray behandelt werden.

Stefan Zimmer: Das ist ein seit Jahrzehnten mit dem gleichen Ansatz immer wieder neu belebtes Thema. Ich glaube nicht daran und zwar aus zwei Gründen. Erstens ist Karies keine klassische Infektionskrankheit, die durch einen spezifischen Erreger hervorgerufen wird. Es gibt im Gegenteil viele Bakterienspezies, die an der Entstehung von Karies beteiligt sind. Gegen alle zu impfen, ist nicht möglich. Zweitens ist das Impfrisiko ein Problem. Immer mehr Eltern lehnen Impfungen aus Angst vor Infektionen ab.

Mobile Zahnarztpraxen

Katja Brömmel: Werden wir künftig nicht zum Zahnarzt gehen und stattdessen kommt der Zahnarzt zu uns – in seiner mobilen Zahnarztpraxis?

Stefan Zimmer: Aktuell sehe ich das nicht. Zumal die Berufsordnungen es auch nicht erlauben. In der Zahnmedizin haben wir – zumindest aktuell – auch nicht das Versorgungsproblem auf dem Land, wie wir es von den Allgemeinärzten kennen. Wenn es kommt, muss man vielleicht über eine mobile Versorgung nachdenken. Aber das ist schwieriger als man vielleicht zunächst glaubt.

3-D-Drucker in der Zahnbehandlung

Katja Brömmel: Mit Hilfe von digitalen Stiftkameras soll künftig der Mund gescannt werden, um eine dreidimensionale Aufnahme des Gebisses zu erstellen. Diese könnte dann in Zukunft als Vorlage für einen 3-D-Drucker dienen.

Stefan Zimmer: Es gibt Ansätze, 3-D-Drucker für die Herstellung von Zahnersatz zu nutzen. Ich denke, dass das in Zukunft für unterschiedliche Materialien, von Metallen über Kunststoffe bis zu Keramiken möglich sein wird.

Zahnprophylaxe

Katja Brömmel: Was tut sich in der Zahnprophylaxe? Wird es neue Methoden geben, um Volkskrankheiten wie Karies oder Parodontitis präventiv zu behandeln?

Stefan Zimmer: Das Instrumentarium zur Prophylaxe haben wir weitgehend. Wir müssen es nur noch stärker umsetzen. Wir müssen wirksame Präventionskonzepte in die Lebenswelten der verschiedenen Altersgruppen integrieren. Allerdings fehlt uns hier tatsächlich noch wissenschaftliche Evidenz, zum Beispiel, was wir mit täglichen antibakteriellen Mundspüllösungen am Arbeitsplatz in der Prävention von Parodontitis erreichen können.

Impfen gegen Karies

Ich finde einige dieser Ansätze sehr spannend und hoffe, dass die eine oder andere Methode vielen die Angst vor dem Zahnarzt nimmt. Stefan Zimmer als Experte auf dem Gebiet der Zahnforschung sieht allerdings fast alle Ideen als nicht umsetzbar an. Vision und Wirklichkeit gehen also auseinander – bis auf absehbare Zeit werden viele verbesserte Behandlungsmethoden nur ein Forschungsgebiet bleiben. Schade!

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Mehr über unseren Zahnexperten

Univ.-Prof. Dr. Stefan Zimmer ist Lehrstuhlinhaber für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin an der Universität Witten/Herdecke. Dort leitet er außerdem das Department für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde und ist Prodekan der Fakultät für Gesundheit. Fachlich ist Dr. Zimmer Fachzahnarzt für Öffentliches Gesundheitswesen und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Prävention.

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