Wurzel um Wurzel, Zahn um Zahn

Wer schon einmal im Wartezimmer eines Zahnarztes oder Kieferchirurgen saß, weiß ganz genau wie verzweifelte Anspannung und Panik aussieht.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Diese Berufsgruppen sind bestimmt privat sehr nett. Sie haben nur einen Fehler: Sie schneiden Menschen beruflich mit dem Skalpell ins Zahnfleisch. Na, spüren Sie schon die Anspannung?

Es begann, wie es so oft beginnt: mit kleinen Schmerzen, die man einen Hauch zu lange ignoriert. Schließlich habe ich keine Zeit in meinem hektischen Familienalltag, mich auch noch um ein kleines Ziehen auf den Zähnen zu kümmern. Wer ein Kind geboren hat, neigt dazu Zahnschmerzen zu missachten. Was ist schon eine undichte Plombe gegen eine Presswehe? Kinderkram!

Der Schmerz kam und ging und meine Aufmerksamkeit darauf schwand. Bis an jenen schicksalhaften Dienstagmittag, als ich genüsslich in ein Käsebrötchen beißen wollte. Ein plötzlicher Schmerz durchzuckte meinen Oberkiefer und mir wurde kurz schwarz vor Augen. Der Schmerz zog sich bis ins linke Auge, das  ungewohnt zu zucken begann. Ich schaute aus wie Karl Dall beim Versuch zu flirten.

Mit Highspeed zur Plombe

Leider war meine bisherige Zahnärztin vor kurzem in Ruhestand gegangen und hatte nicht nur in meinem Leben eine Lücke hinterlassen, sondern anscheinend auch in meinem linken Oberkiefer. Obwohl die Frau sensationell schnell gearbeitet hatte. Ich hatte noch nie in meinem gesamten Leben derart schnell eine Plombe erneuert bekommen.

So ähnlich muss sich ein Formel Eins Wagen fühlen, wenn ihm die Reifen gewechselt werden. Mund auf, zahnärztlicher Blick hinein und dann wurde so schnell gebohrt, dass der Bohrkopf nicht einmal lauwarm wurde.

Es gab weder vor noch nach der Behandlung viel Small Talk. Dr. P. hielt nichts von Schwätzchen und ganz ehrlich gesagt traute ich mich sowieso kaum in ihrer Nähe den Mund weiter als unbedingt nötig zu öffnen.

Nun war Frau P. eben in den Ruhestand gegangen und hatte an einen jungen, motivierten Nachfolger übergeben, der bei unserer ersten Begegnung mir nicht nur den Mund eröffnete, sondern auch, dass er in meinem Mund Entwicklungspotential zu erkennen meinte. Er schloss mit den unheilvollen Worten: „Das könnte teuer werden.“

Ich schloss darauf die Tür zu seiner Praxis und hatte vor so bald nicht wieder zu kommen. Bis zu meinem eingangs erwähnten Brötchen-Gate. Zerknirscht schleppte ich mich also in die zahnärztliche Ordination von Doktor G., die neu, modern und einladend wirkte, wenn man die Tatsache verdrängen konnte, dass der Mann eben Zahnarzt war.

Alleine im Wartezimmer

Anscheinend hatten Doktor G.s Dentalphantasien auch auf andere Patienten abschreckend gewirkt, denn ich war alleine im Wartezimmer. Nur ein Monitor leistete mir Gesellschaft auf dem gerade „Dental TV“ lief. (Das ist jetzt kein Scherz, das lief dort wirklich!) Vielleicht lag es an den Schmerzmitteln, aber das Programm faszinierte mich mehr als die Aussicht auf die anstehende Behandlung. Ein erster Blick auf das Röntgenbild machte die Wurzel des Übels offenkundig: eine Zahnwurzelentzündung. „Das kann ja Eiter werden,“ kalauerte Dr. G. und bohrte los.

Machen wir die Geschichte im Gegensatz zu meinem Zahnbehandlungsmarathon kurz und schmerzlos: Die Spritzen wirkten, die Behandlungen schlugen an und ich danke den beteiligten Ärzten für ihr nicht nachlassendes Interesse an meinen Zähnen und meinem Wohlergehen.

Und mir und meinen Kindern putze ich jetzt mit noch mehr Enthusiasmus die Zähne! Damit die Kinderzähnchen von meinem Schicksal verschont bleiben.

Themen rund um die Zahngesundheit lesen Sie in unserem aktuellen Online-Magazin.


einerschreitimmerÜber die Autorin

Anne hat Zwillinge. Weil ständig eines ihrer Kinder brüllt, betreibt sie den Zwillingsblog „Einer schreit immer – die Wahrheit über das Leben mit Zwillingen“. Anne ist Mitte 30, macht „irgendwas mit Medien“, hat acht Hände und viel Humor. Sie wartet einstweilen auf ihre Nominierung für den Pulitzerpreis. Insgeheim wünscht sie sich zur Mutter des Jahres gewählt zu werden. Die Chancen dafür stehen aber leider schlecht, weil ihr jedes Mal die Realität frech ins Gesicht lacht und ihre Pläne böse kreuzt.

Was sagen Sie zu diesem Thema?

Kommentar verfassen:

Bei der Verarbeitung von personenbezogenen Daten beachten wir die Vorschriften der EU-Datenschutz-Grundverordnung.
Ausführliche Informationen finden Sie im Datenschutzbereich unserer Webseite.

Hiermit erkläre ich mich mit der Netiquette einverstanden

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben.

Alle Felder mit einem * sind Pflichtfelder und müssen ausgefüllt werden.

*

Weitere Inhalte werden geladen...