Vom überzeugten Fleischesser zu veganer Ernährung

Aus Geschmack wurde Überzeugung, aus Überzeugung eine Lebenseinstellung. Mein Name ist Marco Cotney und ich lebe vegan….

Hätte mir vor circa fünf Jahren jemand gesagt, dass ich in naher Zukunft vegan leben werde, das heißt auf alles was vom Tier kommt verzichte, so hätte ich dem Überbringer der frohen Kunde mit Sicherheit geraten einen Arzt aufzusuchen, um seinen Geisteszustand prüfen zu lassen. Ich war der Alptraum jeder Hühnerfarm. Fleisch stand mehrmals täglich auf meinem Speiseplan.

Seit vielen Jahren interessiere ich mich für Kraftsport, vornehmlich Bodybuilding. Da geht es ja vor allem darum genug Proteine zu konsumieren, damit die Muskulatur auch wächst und leistungsfähig ist. Diese Proteine bezog ich hauptsächlich aus Puten- und Hühnerfleisch.

Hühner- und Putenfleisch stand mehrmals täglich auf dem Speiseplan.

Über andere Möglichkeiten habe ich gar nicht nachgedacht. Vor allem nicht über eine rein pflanzliche Ernährung. Wie sollte das auch möglich sein? Das geht doch nicht. Pflanzen haben doch keine oder nur wenig Proteine, oder? 

Wie es zum Wandel kam

Vor knapp fünf Jahren schmeckte mir plötzlich mein Essen nicht mehr. Es roch immer komisch beziehungsweise schlecht für mich. Ständig penetrierte ich mein Umfeld. Jeder solle an meinem Essen riechen oder probieren, da ich immer das Gefühl hatte es schmeckt nicht oder sei schlecht. 

Zum damaligen Zeitpunkt habe ich hauptsächlich Pute oder Hähnchen und sonst kein Fleisch wie Schwein oder Rind gegessen. Ich entschied mich dazu einfach so lange kein Fleisch mehr zu konsumieren, bis es mir wieder schmeckt oder ich Lust darauf habe. So lange habe ich dann hauptsächlich Fisch, Magerquark, Eier oder Käse konsumiert. Das hat eine Weile funktioniert, bis plötzlich etwas seltsames passierte.

Bei einer der Standardschlachten am Sushi-Buffet kamen die ersten moralischen Bedenken. Ich hatte ein komisches Gefühl dabei ein Tier zu essen, als ich mir ein Nigiri Sushi gönnte. Aber woher kam das?

Da ich mich aufgrund der etwas veränderten Essgewohnheiten nun nach anderen Rezepten umsehen musste, kam ich mit diversen Tierschutzorganisationen in Berührung. Darunter natürlich auch viele Dokumentationen über Massentierhaltung, Schlachtung, Leder- und Pelzindustrie.

Natürlich war mir klar, dass Tiere für den Konsum von Fleisch sterben müssen. Doch dachte ich bis dahin noch es sei ganz normal, da ich es nicht anders kannte. Außerdem sind es ja Nutztiere und zum Essen da, oder nicht (?)…

Als ich aber das erste Mal gesehen habe, wie Kühen denen ihre Kälber entrissen werden Tränen über das Gesicht laufen, war es für mich klar, dass der Mensch nicht das einzige Lebewesen ist, das Glück und Leid wahrnimmt und einen respektvollen Umgang verdient hat. Daraufhin entschied ich mich vegan zu leben.

Über eine vegetarische oder vegane Ernährung hatte ich mir aber bisher ebenso viel Gedanken gemacht, wie darüber an den Nordpol zu ziehen. Veganer waren für mich blasse, unterernährte Typen, die in fanatischer Art und Weise allen, die „normal“ leben ein schlechtes Gewissen machen. Sie passten damals einfach nicht in mein Weltbild. 

Die Lebenseinstellung entstand

Mein Entschluss stand aber fest, fortan vegan zu leben. Doch ich wollte auch weiterhin meinen Sport betreiben. Wie sollte ich aber an mein Protein kommen? Und so komisch wie die Veganer wollte ich auch nicht werden. 🙂

Wer mit dem Gedanken spielt, vegan zu leben, sollte sich im Klaren sein, dass dies nur dann möglich ist, wenn ein Grundwissen an Ernährung vorhanden ist. Es ist kaum möglich vom Mischköstler (Fleisch & Gemüse Esser), der selbst hauptsächlich auf Fertigprodukte zurückgreift, auf eine rein pflanzliche Ernährung umzustellen. Oft entsteht bei zu „radikalen“ neuen Essgewohnheiten ein Nährstoffmangel an notwendigen Vitaminen und Mineralstoffen.

Das passiert allerdings nicht nur bei Umstellungen von Mischkost auf vegetarisch, vegan oder Ähnlichem. Vor allem sollte darauf auch geachtet werden, wenn wieder einmal die Vorurlaubsdiät gemacht wird um strandfit zu werden. Dem Körper werden wichtige Nährstoffe vorenthalten, das Immunsystem wird schwächer und im Urlaub sind wir dann krank.

Zwar bietet die Lebensmittelindustrie bereits viele Alternativen an, doch halte ich grundsätzlich nichts davon, zu viele Fertigprodukte zu konsumieren. 

Vegan – oder Vegetarisch lebende Menschen sollten also darauf achten B12 und B3, Eisen usw. zu supplementieren, also über Vitaminpräparate zu sich zu nehmen, um keine Mangelerscheinung zu bekommen (manche verzichten auch darauf, ohne Schäden). Das wiederum ist oftmals ein Argument für Menschen nicht vegan zu leben.

Veganer gelten als besonders gefährdet für Vitamin-B12-Mangel

Veganer gelten als besonders gefährdet für Vitamin-B12-Mangel

Tatsächlich ist es aber so, dass der Mischköstler den Mangel nur deswegen nicht aufweist, da in der Tierzucht das Futter der Tiere mit entsprechenden Präparaten angereichter wird, damit sich beim Masttier ein entsprechender B12-Anteil im Fleisch, Milch, Gewebe usw. befindet, der dann über das Fleisch oder das Nebenprodukt beim Konsum aufgenommen wird. 

Vegane Ernährung – nicht nur gesund sondern auch lecker

Wenn ein entsprechendes Wissen und auch die Lust auf kochen und ausprobieren vorhanden ist, dann gibt es wirklich viele leckere Gerichte, Kuchen und Süßspeisen aller Art, die sehr gut schmecken gesund sind und auch satt machen. Dank meiner Frau weiß ich das.

Eines meiner Lieblingsrezepte stammt aus dem Kochbuch von Strongman Patrick Baboumian „Vegan ganz anders“. Khoreshd ein Persischer Bohneneintopf mit Kartoffelreis. Einfach lecker. Eine weitere Auswahl an veganen Gerichten findet man unter https://vebu.de/menuefolge/hauptgerichte/. Auch für nicht Veganer eine tolle Abwechslung. 

Viele Freunde und auch Kollegen waren erstaunt, dass es doch nicht wirklich anders oder eben auch gut schmeckt. Ausnahmen gibt es natürlich, es ist alles Geschmacksache. 

Ich persönlich legte am Anfang meiner veganen Zeit besonders großen Wert darauf, dass etwas noch nicht einmal aussah wie Fleisch oder Wurst. Doch inzwischen denke ich, dass das ja nicht das Wesentliche ist, solange es nicht tatsächlich nach Fleisch oder Wurst schmeckt. Wichtig ist mir vor allem, dass kein Tier dafür gestorben ist. 

Was ist jetzt mit den Proteinen in Pflanzen? Sind doch (fast) keine…

Das dachte ich wirklich und einige unter euch bestimmt auch. 

Fakt ist aber: Erdnüsse zum Beispiel liefern mehr Eiweiß als ein Rinder Steak. Und Reisproteine können wunderbar als Ersatz für Casein- und Molkeprodukte  dienen. Für den Sport haben sie somit die gleiche Wirkung. 

Es gibt viele bekannte Leistungssportler, die sich vegan ernähren. David Haye, Dirk Nowitzki ,Timo Hildebrand und Patrik Baboumian, um nur ein paar zu nennen. 

Rein pflanzlich zu leben, bedeutet also nicht sportlich keinen Erfolg zu haben, in irgendeiner Weise krank zu werden oder an Lebensqualität einzubüßen.

Vorteile für mich persönlich

Zum Anfang meiner veganen Zeit habe ich unwahrscheinlich schnell und viel Gewicht verloren, vor allem an Körperfett. Die Leistung im Sport steigerte sich und auch alte Beschwerden verschwanden. Auch fühlte ich mich besser und hatte mehr Energie. Ich weiß nicht, ob es nur an der veganen Ernährung liegt oder eben am bewussteren Umgang mit Lebensmitteln.

Was ist nun besser – mit oder ohne Fleisch?

Seit mehreren Jahren lebe ich vegan und fühle mich damit gut. Ich möchte niemanden bekehren oder überzeugen, da jeder für sich selbst entscheiden sollte was er als richtig oder falsch, gut oder schlecht für sich empfindet. 

Möglichkeiten gibt es viele. Wichtig ist vor allem sich mit Ernährung und auch dem fairen Umgang mit Ressourcen zu beschäftigen und nicht alles als selbstverständlich zu sehen egal ob Veganer, Mischköstler, Vegetarier, Fruktarier, Palleo, Low Carb, Atkins oder was auch immer. 

Denn Lebensmittel erhalten uns am Leben und nicht überall auf der Welt ist es möglich, sich den Luxus zu gönnen, frei über die Art und Weise zu entscheiden sich gesund und leistungsfähig zu ernähren.

Weiteres zum Thema Ernährung lesen Sie in unserem aktuellen Magazin. 

 
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3 Kommentare

  1. Shanice Simpson schreibt am 28. Juli 2017 um 12:40:

    Finde ich Persönlich echt super, ich hab mich noch nicht Motiviert Vegan zu werden, bin aber auch vom Fleischesser auf Vegetarier gewechselt. Super Sache 🙂 weiter so!! Ich bin persönlich der Meinung man könnte das mit den Tieren wenn jeder dran arbeitet etwas einstellen.

  2. Andreas Fielitz schreibt am 28. Juli 2017 um 13:21:

    Toller Artikel Marco, vielen Dank dafür. Ich mag Deine ausgewogene Art über das Thema zu berichten. Mich störte immer der missionarische Eifer den manche Veganer an den Tag legen. Hier keine Spur davon. Toll. Alles Gute und weiterhin viel Erfolg.

  3. Claudia Deß schreibt am 31. Juli 2017 um 14:03:

    Dein Artikel ist super geschrieben – herzlichen Glückwunsch, vor allem dazu, dass es Dir so gut damit geht. Ich habe auch schon mehrere Versuche in der Richtung vegetarisch oder vegan unternommen. Leider habe ich zu viele Nahrungsmittelunverträglichkeiten um da satt und gesund über die Runden zu kommen, dafür achte ich auf Bioqualität etc. Attila Hildmann kennst du ja sicher schon mit seinen tollen Kochbüchern, aus denen ich mir auch Anregungen hole. Auch ich wünsche Dir weiterhin alles Leckere.

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