Trendsportarten bringen Abwechslung und Spaß

Trendsportarten sind gerade in aller Munde. Deshalb habe ich den Sportmedizinier Dr. Sven Clausen befragt, was eine Trendsportart ausmacht.

Sportmediziner Dr. Sven Clausen

Sportmediziner Dr. Sven Clausen

In Deutschland entwickelt sich eine immer größer werdende Kluft zwischen sportlichen und weniger bewegungsfreudigen Menschen. Obwohl sich bei einem Teil der Bevölkerung eine Steigerung des Aktivitätsniveaus beobachten lässt, bewegen sich viele im Alltag zu wenig. Zudem arbeiten mittlerweile rund Dreiviertel aller Deutschen in bewegungsarmen Berufen. Um den gesellschaftlichen Stellenwert von Sport zu verbessern, sind sogenannten Trendsportarten wichtig. Deshalb habe ich mich mit Dr. Sven Clausen, einem Sportmediziner, zum Thema Trendsport unterhalten.

Regina Urich: Wie entstehen neue Trendsportarten?

Dr. Sven Clausen: In unserer Gesellschaft entstehen ständig neue Sporttrends, die neben ihrer sportbezogenen Besonderheit meist auch mit bestimmten kulturellen Ausdrucksformen (Kleidung, Sprache) einhergehen. Im Gegensatz zum reinem Funsport streben Trendsportarten eine Etablierung in der Sportlandschaft an. Frühere Trendsportarten wie das Snowboardfahren oder Inline-Skaten sind daher mittlerweile fast schon wieder als klassisch zu bezeichnen. Heutige Trendsportarten radikalisieren oder kombinieren häufig bestehende Bewegungsmuster einer oder mehrerer Sportarten, z.B. beim „Crossgolf“ im freien Gelände oder beim „Stand-Up-Paddling“ mit einem Paddel auf dem Surfbrett. Doch auch neue Bewegungsformen wie „Parkour“ aus Frankreich, wo es darum geht, sportlich-kreativ seinen eigenen Weg durch den meist urbanen Raum zu finden, haben das Zeug zur Trendsportart, obwohl sie nicht auf Wettbewerbe ausgelegt sind.

Infobox:
44 Prozent der Deutschen könnten sich vorstellen, zumindest einmal eine gefährliche Trendsportarten wie Freeclimbing oder Kitesurfen auszuprobieren – dies ergab eine TNS-Emnid-Umfrage im Auftrag der ERGO Direkt Versicherungen. Wir klären Sie über den notwendigen Versicherungsschutz für solche Freizeitbeschäftigungen auf.

Regina Urich: Welche Trendsportarten eigenen sich für Frauen und welche für Männer?

Dr. Sven Clausen: Im Prinzip ist jede Trendsportart gleichermaßen von Frauen und Männern ausführbar und eher von den persönlichen Interessen als vom Geschlecht abhängig.

Regina Urich: Würden Sie diese Sportarten für bestimmte Altersgruppen ausschließen?

Dr. Sven Clausen: Wie in allen Sportarten bergen auch Trendsportarten die Risiken der Selbstüberschätzung oder einer Verletzungsgefahr in sich. Im Gegensatz zu manchen Extremsportarten gelten Trendsportarten aber nicht per se als gefährlicher als klassische Sportarten.

Regina Urich: Worauf sollte ich vor dem Beginn mit Trendsportarten achten?

Dr. Sven Clausen: Es gelten die gleichen Hinweise wie bei jeder anderen Sportart auch: Sind die jeweils dominierenden Bewegungsmuster, z.B. Sprünge, Drehungen, Tempowechsel usw. für meinen Bewegungsapparat und mein Herz-Kreislauf-System geeignet? Und kann ich mich bei der jeweiligen Sportart durch gute Vorbereitung sowie durch eine moderate Erhöhung der sportlichen Beanspruchung schonend steigern?

Regina Urich: Was ist der Vorteil dieser neuen Sportarten?

Dr. Sven Clausen: In erster Linie bringen sie Abwechslung und dadurch Spaß. Physiologisch sind Trendsportarten nicht besser oder schlechter als klassische Sportarten – am Ende entscheiden die positiven Emotionen und die Freude an der jeweiligen Bewegung.

Regina Urich: Wo kann ich diese ausüben?

Dr. Sven Clausen: Das hängt von der Trendsportart selbst und selbstverständlich von den natürlichen Gegebenheiten ab (Berge, Meer, Sanddünen usw.). Beim „Outdoor-Bouldern“, also dem Klettern in Absprunghöhe, braucht man beispielsweise geeignete natürliche Kletterwände und Sturzmatten. Teilweise werden auch besondere Sportgeräte wie Kite-Segel (für das Kite-Surfen) oder Slacklines (für das Seilbalancieren) benötigt. Auch im Indoor-Bereich werden bestimmte Trendsportarten umzusetzen versucht, z.B. beim „Crossfit“, das Elemente aus dem Gewichtheben, Turnen und Ausdauersport kombiniert.

Vielen Dank für das Gespräch, Dr. Sven Clausen.

Welche Trendsportart würden Sie gerne mal ausprobieren?
Ich habe noch einen nicht ganz ernst gemeinten Tipp einer neuen Nonsense-Trendsportart für alle, die die ersten Schritte in Richtung Extremsport gehen wollen: Bading.

Was sagen Sie zu diesem Thema?

1 Kommentar

  1. Martin schreibt am 20. April 2014 um 20:06:

    Dieses Bading ist ja genial! Witzige Idee. 🙂

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