Natur genießen mit Handicap

Wiesent bei Streitberg

Kajakfahrer auf der Wiesent bei Streitberg

Unebene Wege, Treppenstufen, steile Hänge – mancher Spazierweg ist für Rollstuhlfahrer alles andere als ein Genuss. Doch auf der richtigen Route kann man auch mit Mobilitätseinschränkung eine Menge unternehmen. Hier sind meine drei Tipps für Ausflüge mit dem Rollstuhl in das schöne Franken.

Verbringen Sie Ihre Freizeit am liebsten in duftenden Wäldern, auf einsamen Bergen und mit Aussichten zum Niederknien? Dann beginnt für Sie, wie auch für mich, jetzt die schönste Zeit des Jahres. Sobald die Alpen schneefrei werden und die schlammigen Wanderwege der fränkischen Schweiz getrocknet sind, versuche ich mindestens einmal pro Woche „raus“ zu kommen.

Über mehrere Wochen hinweg suche ich mir spannende Wanderungen und je nach Wetterlage am Wochenende ziehe ich die eine oder andere Planung aus dem Register. Dafür tausche ich mich auch mit outdoorbegeisterten Kollegen und Freunden aus. Häufig erhalte ich so den einen oder anderen Geheimtipp. Bei einem solchen Gespräch fragte mich mein Kollege Klaus, ob ich einen rollstuhlgeeigneten Wanderweg kenne. Denn sein Vater – ein einst passionierter Wanderer – könne jetzt krankheitsbedingt nicht mehr laufen.

Also hielt ich in den letzten Wochen gerade auf Wanderungen die Augen offen, welchen Alternativen zu meinem gewählten Weg für gehbeinträchtigte Menschen zur Verfügung stehen.

Hier meine drei Tipps für alle, die nicht mehr so gut zu Fuß sind:

1. Tipp Rundgang im Schlosspark Dennenlohe

Eine Blütenpracht und Vielfalt wie im Schlosspark Dennenlohe bei Ansbach ist andernorts nur schwer zu finden. Der Zugang vom Parkplatz zum Park ist ebenerdig. Zudem ist der Großteil der Wege rollstuhlgerecht mit feinem Splitt angelegt. Vor schwierigeren Teilstücken gabelt sich der Weg und es kann die leichtere Alternative gewählt werden. Die zum Park gehörende Toilette ist nicht behindertengerecht, da am Eingang eine circa zehn cm hohe Stufe bewältigt werden muss. Allerdings befindet sich im zum Park gehörenden Cafe ein barrierefreies WC.

Viele der in der Gallerie dargestellten Blumen, Bäume und Arrangements befinden sich direkt an angelegten Wegen und können so auch mit dem Rollator oder Rollstuhl in Augenschein genommen werden.

Am Seerosenteich des Schlossparks Dennenlohe

 

2. Tipp: Brauereigasthof Roppelt – Stiebarlimbach

Wer sein ganzes Leben lang in urigen fränkischen Bierkellern eingekehrt ist, möchte dies auch mit Gehbeeinträchtigung nicht missen. Für Klaus‘ Vater und alle anderen, die nicht mehr gut gehen können, empfehle ich wärmstens den Bierkeller der Brauerei Roppelt. Keller impliziert zwar, dass man in einen dunklen Raum hinab steigen muss; in Franken versteht man unter dem Begriff jedoch nichts anderes als einen Biergarten. Deshalb sitzt man hier auch „auf“ dem Keller.

Der Zugang zum Biergarten Brauerei Roppelt erfolgt vom Parkplatz aus auf ebenem und fest-sandigem Boden. Um die fest installierten Bierbänke herum ist ausreichend Platz, um sich mit dem Rollstuhl bewegen zu können. Sowohl Getränke als auch Essen können ebenerdig abgeholt werden und die Toilette ist ebenerdig und behindertengerecht ausgestattet. Neben diesen wichtigen Aspekten ist das Essen noch richtig leckere Hausmannskost und die Bierauswahl lässt keine Wünsche offen. Der weitschweifende Blick durch Wälder oder über Felder ist hier nur das Tüpfelchen auf dem i. Um den Biergarten herum gibt es einige flache Feldwege, die auch mit dem Rollator oder dem Rollstuhl befahren werden können.

Schäufele mit Sauerkraut und Klößen – eine DER fränkischen Spezialitäten.

Durch die bäuerliche Dorfstruktur um Stiebarlimbach bei Hallerndorf gibt es am Wegesrand viele Tiere zu entdecken. Gerade im Juni lassen sich junge Rinder und Schafe beobachten. Auf den ausgehnten Weizenfeldern wächst der Klatschmohn und Vogelgezwitscher liegt in der Luft. Alles in allem ist die Gegend um den Kreuzberg, an dessen Hang sich der Biergarten befindet, sicher für jeden einen Besuch wert, auch für Menschen, die mit einer Bewegungseinschränkung leben müssen.

3. Tipp: rollstuhlgerechte Wanderwege am Flüsschen Wiesent

Wiesent bei Doos - ein ideales Ausflugsziel

Die Wiesent mäandert gemächlich dahin.

Wer in der fränkischen Schweiz unterwegs ist, kommt unweigerlich an der Wiesent vorbei. Dieser unverbaute, natürlich Fluss mit Auenwäldern und wildem Verlauf, garniert mit kleinen Mühlen und Brücken, zieht Besucher sofort in seinen Bann.

An vielen Stellen führen breite Wege direkt am Fluss entlang, sodass hier auch mit Rollstuhl oder Rollator die Landschaft erkundet werden kann. Vom trockenen Ufer aus hat man auch gute Sicht auf die vielen Paddler und Kajakfahrer. Langeweile kommt hier sicher nicht auf.

Entlang der Wiesent empfehle ich gleich zwei Wanderwege:

Von Doos zur Kuchenmühle

Als kurze Wanderung bietet sich das Aufseßtal am gleichnamigen Zufluss der Wiesent an. Dabei kann in Doos geparkt werden. Der Weg ist eben und die Ausblicke phänomenal. Eine Wegbeschreibung finden Sie auf dieser Karte:

Für den Weg zur sogenannten Kuchenmühle braucht man in langsamem Gehtempo einfach etwa 45 Minuten. Eine rollstuhlgerechte Toilette gibt es vor Ort an der Kuchenmühle leider nicht. Wenn ein Toilettengang ansteht, kann beim Haus Aufseßtal freundlich angefragt werden. Dort steht eine barrierefreie Sanitäreinrichtung zur Verfügung.

Von der Pulvermühle in Richtung Burg Rabeneck

Von Doos etwas aufwärts an der Wiesent liegt das Örtchen Waischenfeld. Von der dortigen Pulvermühle führt der „Kaspar-Bezold-Weg“ immer wiesentabwärts bis zur Burg Rabeneck und von dort weiter nach Doos. Der Weg ist ist mit einem Blauen Ring markiert und führt auf breiten, flachen Wegen immer am Fluss entlang.

Die Zugänge in der Pulvermühle sind durchgehend ebenerdig und die Toilette zwar nicht explizit barrierefrei. Der Wirt versicherte mir aber, dass Klaus‘ Vater mit etwas Hilfestellung problemlos die Toilette benutzen kann.

Weitere Informationsangebote für Ausflugsziele

Abgesehen von diesen Beispielen gibt es eine große Auswahl an barrierefreien Aktivitäten in Franken. Darüber hinaus werden mittlerweile für viele Regionen Wanderführer für Familien mit Kinderwagen angeboten. Darin ist auch die Bodenbeschaffenheit gut beschrieben. Anhand der folgenden Karte finden Sie das passende Buch für Ihr Ausflugsziel:

In diesen Büchern kommen Informationen zu rollstuhlgeeigneten Toiletten allerdings zu kurz. Eine gute Übersicht über alle rollstuhlgerechten Restaurants, Wege und Gebäude bietet stattdessen die hier vorgestellte App Wheelmap. Mit beiden Diensten lässt sich die nächste rollstuhlunterstützte Tour gut vorbereiten.

Letztlich ist mit dem Verlust der Gehfähigkeit immer eine Einschränkung verbunden, die auch eine noch so gute Pflegeversicherung oder Unfallversicherung bestenfalls finanziell stützen kann. Da ist es immerhin ein Lichtblick, dass zunehmend mehr Freizeitangebote auf die Bedürfnisse gehbehinderter Personen abgestimmt sind.

Ich freue mich darauf zu hören, was Klaus‘ Vater von den Vorschlägen hält und ob es ihm gefällt. Schreiben auch Sie mir per Kommentare, ob Ihnen meine Tipps weiterhelfen. Lob, Kritik und Ergänzungen sind jederzeit willkommen!

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