Klaus Pawletko: „Alte Freunde sind die besten!“

Der Verein „Freunde alter Menschen“ kämpft gegen die soziale Isolation und Vereinsamung von Senioren.

Klaus Pawletko

Klaus Pawletko hat viele Projekte für ältere Menschen unterstützt oder selbst auf die Beine gestellt: Er hat Demenz-WGs gegründet, eine Sozialstation aufgebaut, als Dozent und Heimberater beim Sozialpädagogischen Institut Berlin gearbeitet und ist unter anderem auch als Online-Berater auf der Webseite des Familienministeriums tätig.

Seit 1993 ist der heute 59-Jährige außerdem Geschäftsführer des Vereins Freunde alter Menschen. Die gemeinnützige Einrichtung konzentriert sich in Deutschland darauf, Senioren aus sozialer Isolation und Vereinsamung herauszuhelfen. „Freunde alter Menschen“ vermittelt Freiwillige an ältere Menschen, die sich einsam fühlen.

Lebensqualität ist auch im Alter wichtig

Älteren Menschen geht es oft so, dass ihre Kinder und Enkelkinder entweder weit weg wohnen oder sich nicht selbst um die Pflege der Angehörigen kümmern können. Die Personen, die sich dadurch einsam fühlen, sind meist zu stolz, das auch zuzugeben. Sie wollen niemandem zur Last fallen. Gleichzeitig wollen sie sich nicht eingestehen, dass sie Hilfe brauchen, denn sie fürchten, ihre Eigenständigkeit und Lebensqualität aufgeben zu müssen. „Der Leidensdruck muss sehr groß sein, damit sie sich bei uns melden“, sagt Pawletko. Der Verein „Freunde alter Menschen“ setzt genau da an: „Unser Ziel ist, dass die Menschen bis zuletzt zu Hause in der eigenen Wohnung und so eigenständig wie möglich leben können“, erklärt er.

Die Grundsätze des Vereins:

  • Wir erkennen und nehmen den Menschen in seiner Einzigartigkeit an.
  • Wir achten seine Würde, seine Intimität, seine persönliche Biographie und Lebensweise.
  • Wir wollen ihm (Ansprech-)Partner und Fürsprecher sein.
  • Wir unterstützen ihn, seine Potentiale zu entdecken und geben ihm die Möglichkeit, seine Wünsche und Sehnsüchte zum Ausdruck zu bringen.
  • Wir stehen ihm zur Seite, richten uns nach seinem Rhythmus und berücksichtigen seine persönlichen Bedürfnisse und gegebenenfalls vorhandene Behinderung.
  • Wir unterstützen ihn, selbstbestimmt leben zu können.

„Wir vermitteln Freundschaften – keinen Dienst“

„Freunde alter Menschen e.V.“ versteht sich nicht als Dienstleister. „Bei uns arbeiten alle freiwillig, das macht uns auch besonders glaubwürdig“, erzählt Pawletko. Auf der einen Seite werden junge Menschen gesucht, die Lust haben, in Kontakt zu älteren zu treten. Auf der anderen Seite melden sich Senioren beim Verein, um eine soziale Isolation zu verhindern.

Für Pawletko ist es immer wieder erstaunlich, dass die Initiative besonders bei jungen Menschen zwischen 18 und 39 Jahren beliebt ist. Häufig ist der Beweggrund dafür, dass sie ihre eigenen Großeltern vermissen. Aktuell gibt es sogar einen Überschuss an Freiwilligen, weshalb in manchen Fällen auch zwei bis vier Teilnehmer an eine ältere Person vermittelt werden. „Dabei wählen wir sehr sorgfältig aus, wer zu wem passt“, sagt Pawletko.

Ihm und dem Verein geht es nicht darum, Dienstleistungen wie Einkaufen, Wäschewaschen oder Putzen zu vermitteln. „Unsere Teilnehmer spielen zusammen Karten, sie gehen ins Theater, unternehmen Spaziergänge oder Kochabende“, zählt Pawletko auf. „So wollen wir mit unserer Initiative erreichen, dass sich Freundschaften entwickeln.“

„Freunde alter Menschen e.V.“ wurde 1991 in Berlin gegründet und ist ein Tochterverein von „Les petits frères des Pauvres“. Dieser wurde 1946 in Frankreich von Armand Marquiset ins Leben gerufen, um soziale Armut zu bekämpfen. Heute ist der gemeinnützige Verein eine anerkannte Nichtregierungsorganisation mit weltweit mehr als 10.000 Freiwilligen und 30.000 betreuten Menschen. 

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