Nur die richtige Sonnenbrille schützt die Augen

Im Interview mit dem „Kuratorium Gutes Sehen“ erhalten Sie viele Tipps für den richtigen Schutz Ihrer Augen vor der Sonne.

Nur die richtige Sonnenbrille schützt die Augen

Konrad Welzel: Wovor muss eine gute Sonnenbrille schützen?

Kerstin Kruschinski: Um die Augen vor starker Sonneneinstrahlung zu schützen, ist es nicht nur wichtig, das sichtbare Licht zu filtern und damit vor Blendung zu schützen. Noch wichtiger ist der Schutz vor der unsichtbaren ultravioletten (UV-) Strahlung. Denn durch eine hohe Intensität oder einem langen ungeschützten Aussetzen der Augen kann es zu schmerzhaften Entzündungen der Netz- und Hornhaut kommen. Im schlimmsten Fall kann das Auge dadurch dauerhaft geschädigt werden.

Konrad Welzel: Welchen Gefahren setze ich meine Augen aus, wenn ich bei starker Sonnenstrahlung keine Sonnenbrille trage?

Kerstin Kruschinski: Wenn Sie zu lange ungeschützt in der Sonne sind, können sich die Augen röten, verspannt anfühlen oder tränen. Unterschätzen Sie diese Alarmzeichen nicht. Wenn man diesen „Augen-Sonnenbrand“ spürt, ist es allerdings leider meist schon zu spät. Sind die Augen gereizt oder angegriffen, sollten Sie Ihren Augen unbedingt ein paar Tage Sonnenpause gönnen. UV-Strahlen lassen Augen und Augenpartie zudem schneller altern. Auch Augenkrankheiten wie Makuladegeneration können Folge von zu viel UV-Strahlung sein.

Kerstin Kruschinski ist Pressesprecherin des „Kuratoriums Gutes Sehen“ (KGS). KGS ist eine unabhängige Initiative, die sich für Aufklärungsarbeit rund um das Thema Auge einsetzt.

Konrad Welzel: Wann und wo sollte ich eine Sonnenbrille tragen?

Kerstin Kruschinski: Vorsicht ist vor allem bei längeren Aufenthalten am Wasser und Strand geboten aber auch im Schnee oder im Gebirge. Denn helle Flächen, Wasser und sogar das weiße Papier von Zeitungen oder Büchern vervielfachen die Strahlung der Sonne. UV-Strahlen treffen dann nicht nur von oben, sondern auch von unten auf den Körper. Wolken, Böden, Straßenoberflächen und Glasfronten an Gebäuden können UV-Strahlen ebenfalls reflektieren. Diese fallen schräg in das Auge ein, ohne wahrgenommen zu werden. Daher ist eine Sonnenbrille auch beim Stadtspaziergang sinnvoll. In südlichen Gefilden und im Gebirge ist die Sonnenbrille unerlässlich, da hier die UV-Belastung generell höher ist.

Kerstin Kruschinski Experteninterview Sonnenbrille

Kerstin Kruschinski von „Kuratorium Gutes Sehen“

Konrad Welzel: Wie hoch sollte der UV-Schutz idealerweise sein?

Kerstin Kruschinski: Sonnenbrillen, die in Deutschland verkauft werden, müssen das CE-Kennzeichen tragen. Dieses belegt, dass die Brille den EU-Sicherheitsstandards entspricht. Diese umfassen auch den Schutz vor UV-Strahlen. Eine zusätzliche Entspiegelung der Glasrückseite reduziert Reflektionen, wie sie entstehen, wenn Sonnenstrahlen von hinten auf das Glas treffen. Diese können immerhin bis zu 50 Prozent der gesamten UV-Belastung ausmachen.

Konrad Welzel: Welche Farbgebung sollten die Brillengläser haben?

Kerstin Kruschinski: In Sachen Glasfarben herrscht freie Wahl. Braune und graue Gläser sind sehr vorteilhaft für die Farbwahrnehmung, da sie Umgebungsfarben am wenigsten verfälschen. Anders dagegen gelbe, rote und blaue Gläser. Zwar kann das Gehirn den „Farbstich“, den diese Glasfarben erzeugen, zum Teil neutralisieren – das dauert aber ein wenig. Gelbliche und orangefarbene Gläser wirken zwar kontraststeigernd, aber nicht jeder fühlt sich damit wohl und auch der Blendschutz ist eher gering.
Um verschiedenen Lichtverhältnissen gerecht zu werden, gibt es zudem unterschiedliche Tönungsstufen der Gläser, von vergleichsweise hell bis ganz dunkel. Der so erreichte Blendschutz ist in fünf Kategorien eingeteilt: Je höher die Zahl, desto stärker die Tönung und damit der Blendschutz.

Kategorie Filter 
00 bis 20 Prozent des Sonnenlichts werden absorbiertsehr heller Filterfür leichten Lichtschutz oder für abends
120 bis 57 Prozent des Sonnenlichts werden absorbiertheller bis mittlerer Filtergut geeignet für bedeckte Tage und die Stadt
257 bis 82 Prozent des Sonnenlichts werden absorbiertdunkler Universalfilterbesonders geeignet für den Sommer - der perfekte Blendschutz für unsere Breitengrade
382 bis 92 Prozent des Sonnenlichts werden absorbiertsehr dunkler Filtergut geeignet für südliche Gefilde, Aufenthalte am/auf dem Wasser und in den Bergen
492 bis 97 Prozent des Sonnenlichts werden absorbiertextrem dunkler Filterzu dunkel für den Straßenverkehr, geeignet für Hochgebirge und Gletscher

Wichtig: Die Tönung der Gläser sagt nichts über ihren UV-Schutz aus. Das Motto „Je dunkler die Gläser, desto besser schützt die Brille vor UV-Strahlung“ ist falsch und gefährlich.

Konrad Welzel: Wie groß sollten die Brillengläser mindestens sein, um die Augen optimal zu schützen?

Kerstin Kruschinski: Die Gläser sollten nicht zu klein sein, um möglichst gut vor UV-Strahlung und Blendung zu schützen. Sie sollten die Augen komplett bedecken und auch an den Rändern keine Sonne durchlassen. Gebogene Fassungen umschließen die Augen besser als gerade. An den Seiten können breite Bügel zusätzlichen Schutz bieten.


Konrad Welzel: Empfehlen Sie unterschiedliche Sonnenbrillen für unterschiedliche Sommertage?

Kerstin Kruschinski: In unseren Breiten ist für wolkige Tage die Blendschutzkategorie 1 zu empfehlen, für Sommersonnentage in der City Kategorie 2, am Strand oder auf dem Wasser Kategorie 3, bei Schnee und auf dem Gletscher Kategorie 4.

Konrad Welzel: Welches Material des Brillengestells ist für eine Sonnenbrille am besten geeignet?

Kerstin Kruschinski: Die Materialien sind vielfältig; die Entscheidung für ein bestimmtes Material letztendlich Geschmackssache. Momentan scheint kaum eine Kollektion um Acetat herum zu kommen. Das leichte, sehr angenehm zu tragende Material wird vorzugsweise aus Baumwoll- oder Holzzellulose hergestellt und eröffnet vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten, was das Design angeht.
Auch die Passform kann bei Acetatbrillen individuell eingestellt werden, da es sich schon nach leichtem Erhitzen in Form biegen lässt. In kaltem Zustand ist es dagegen sehr stabil. Wer Metall bevorzugt liegt mit ultraleichtem, „unkaputtbarem“ und antiallergenem Chirurgenstahl oder Titan im Trend. Egal, ob man sich für Kunst-, Naturstoff oder Metall entscheidet: die Brille sollte leicht sein und auf Druck etwas nachgeben. Denn wenn das Material zu hart ist, lässt sich die Brille schlecht anpassen und zerbricht vergleichsweise schnell.

Konrad Welzel: Brauche ich für den Urlaub im Süden eine andere Sonnenbrille als zu Hause in Deutschland?

Kerstin Kruschinski: In südlichen Gefilden ist die Sonneneinstrahlung intensiver. Deshalb sollte hier an bewölkten Tagen zu Kategorie 2 und an sonnigen Tagen zu Kategorie 3 gegriffen werden.

Konrad Welzel: Worauf sollte ich achten, wenn ich eine Sonnenbrille fürs Autofahren suche?

Kerstin Kruschinski: Für Autofahrer eignen sich Sonnenbrillen mit Verlaufstönung. Die Gläser bieten den gewünschten Blendschutz, lassen aber den ungetrübten Blick nach unten auf die Armaturen zu. Braun oder grau getönte Gläser sind empfehlenswert. Diese Tönungen verfälschen den Farbeindruck am wenigsten, Schilder und Ampeln bleiben so gut erkennbar. Gelbe Gläser sorgen für verstärkte Kontraste, verfälschen allerdings die Farben von Ampeln und Warnschildern. Hier gilt: Ausprobieren. Zudem sollte die Brille schmale Bügel haben, um das Gesichtsfeld nicht einzuschränken. Und: Sobald die Dämmerung einsetzt, muss die Sonnenbrille runter.
Sinnvoll und sicher sind polarisierende Gläser. Sie filtern von unten einfallendes Blendungslicht das z.B. von flirrenden oder nassen Straßen sowie von tiefstehender Sonne verursacht wird.

Konrad Welzel: Auf welche Faktoren muss ich beim Kauf einer Sonnenbrille sonst noch achten?

Kerstin Kruschinski: Hochwertige Gläser weisen keine Kratzer, Verzerrungen oder Unregelmäßigkeiten auf, die zu Kopfschmerzen und müden Augen führen. Zudem dürfen weder die Nasenauflage noch die Scharniere oder Bügel drücken. Die Brille sollte auch ausschließlich auf Nase und Ohren aufliegen, keinesfalls Wangen und Wimpern berühren. Die Augenbrauen dürfen von der Brille zwar verdeckt werden, sollten aber nicht geschnitten werden.

Konrad Welzel: Woran erkenne ich die Qualität der Sonnenschutzgläser?

Kerstin Kruschinski: Der Käufer kann die Qualität einer Sonnenbrille und ihre Eigenschaften nur begrenzt prüfen. Bei wesentlichen Qualitätsmerkmalen ist er auf korrekte Einhaltung der EU-Sicherheitsstandards durch die Hersteller angewiesen. Diese wird durch das CE- Kennzeichen, das sich meist auf der Bügelinnenseite befindet, dokumentiert. Allerdings gibt es keine Überwachungsinstanz, die jedes Modell prüft. Sicherheit bietet der Kauf im Fachgeschäft.

Konrad Welzel: Verliert eine Sonnenbrille eigentlich durch Kratzer oder häufige UV-Strahlung irgendwann an Schutz?

Kerstin Kruschinski: Jeder noch so kleine Kratzer zwingt die Augen zu ständiger Korrektur, sodass sie schneller ermüden. Brillen mit zerkratzen Gläsern sind daher ein Fall für den Mülleimer. Die Filterung der UV-Strahlung findet im Glas statt und nutzt sich nicht ab.

Konrad Welzel: Was halten Sie als Expertin von selbsttönenden Sonnenschutzgläsern?

Kerstin Kruschinski: Selbsttönende Sonnenbrillengläser färben sich je nach Intensität des Sonnenlichts automatisch dunkel ein und hellen sich wieder auf. Die Augen sind so stets optimal vor der Blendung geschützt. Zudem sorgen diese Gläser für eine sehr gute Farb- und Kontrastwahrnehmung. Die Technik ist mittlerweile so ausgefeilt, dass sich die Gläser binnen kürzester Zeit auf veränderte Lichtverhältnisse einstellen und bereits nach zwei Minuten bis zu 90 Prozent dunkler sein können als zuvor.
Letztendlich ist es eine Frage des individuellen Geschmacks, ob man sich für diese Technik entscheidet oder zu einer gleichbleibend getönten Sonnenbrille greift. Für Autofahrer sind die meisten selbsttönenden Gläser nicht geeignet, da die Windschutzscheibe den Mechanismus außer Kraft setzt.

Konrad Welzel: Wenn ich eine Sehschwäche habe, ist es geschickter, Kontaktlinsen und darüber eine Sonnenbrille ohne Stärke zu tragen oder empfehlen Sie in jedem Fall eine Sonnenbrille mit Gläsern in der benötigten Sehstärke?

Kerstin Kruschinski: Beide Varianten sind problemlos tragbar und haben ihre Vorteile. Kontaktlinsenträger können jede Sonnenbrille ohne Stärke tragen. Zudem können sie sich schnell auf wechselnde Lichtverhältnisse einstellen und die Brille einfach abnehmen, wohingegen Nutzer einer Sonnenbrille mit Stärke ihre „normale“ Brille immer dabei haben müssen. Dafür sind sie nicht an Tragezeiten gebunden wie viele Kontaktlinsenträger.

Konrad Welzel: Empfehlen Sie für Brillenträger Sonnenclips oder Überbrillen?

Kerstin Kruschinski: Beide schützen die Augen ebenso vor Blendung und UV-Licht wie eingefasste Sonnenschutzgläser. Für mich persönlich kommen beide Varianten aber allein aus optischen, sprich modischen Gründen nicht in Frage. Clips und Überbrillen haben für mich immer noch etwas „Altbackenes“. Fans des Retro-Trends dagegen greifen mittlerweile wieder ganz bewusst zu den Aufsteck-Modellen. Auch hier gilt: Alles kann, nichts muss – jedem das, was ihm gefällt.

Konrad Welzel: Wie pflege ich meine Sonnenbrille am besten?

Kerstin Kruschinski: Auch wenn es verlockend ist, sollte man es vermeiden, die Gläser am T-Shirt oder mit einem Papier-Taschentuch abzureiben. Dadurch wird der Schmutz lediglich verteilt und kleinste Schmutzpartikel können die Gläser zerkratzen. Schonender und effizienter ist es, die Brille unter fließendem Wasser zu reinigen und anschließend mit einem Mikrofasertuch nachzupolieren. Für hartnäckigere Verschmutzungen bieten Augenoptiker die fachmännische Reinigung im Ultraschallbad an.

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5 Kommentare

  1. Susanne Besold schreibt am 13. Mai 2014 um 11:15:

    Hallo – wer ist Kerstin Kruschinski?

    • Konrad Welzel Konrad Welzel schreibt am 13. Mai 2014 um 11:27:

      Hallo Frau Besold,
      vielen Dank für Ihre Anregung – die Frage ist natürlich vollkommen berechtigt. Leider habe ich vergessen, eine Erklärung zur Person Kerstin Kruschinski und zu ihrem Hintergrund zu geben. Das werde ich nun umgehend nachholen.
      Mit besten Grüßen
      Konrad Welzel

      • Susanne Besold schreibt am 13. Mai 2014 um 13:21:

        Vielen Dank!

  2. Dirk Streuber schreibt am 29. Juni 2014 um 18:24:

    Ich fand interessant, was Sie über Sonnenbrillen berichtet haben.
    Einiges wusste ich garnicht!
    Der Artikel war eine grosse Hilfe für mich, auch in Bezug des Kaufes einer Sonnenbrille.

  3. Johnd20 schreibt am 12. April 2015 um 7:33:

    Say, you got a nice blog post. Really Cool.

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