Digitale Selbstvermessung: Über Online-Medizin und Quantified Self

Judith Zander nutzt eine Fitness App, um ihre Fortschritte beim Sport zu messen. Doch was bringt das wirklich? Im Video zu unserem Themenschwerpunkt „Gesundheit digital“ erkundet sie die Vor- und Nachteile von Quantified Self.

 

Andrea Tschaban: Seit wann nutzen Sie Apps für die digitale Selbstvermessung?

Judith Zander: Ich persönlich nutze ausschließlich Apps von Runtastic (inklusive Road Bike, Pull ups und Push ups) und diese seit etwa einem Jahr. Wearables nutze ich nie, da es mir zu viel Kontrolle ist, die einen „verrückt“ machen kann! Durch die technischen Hilfsmittel erhöht sich der Druck, immer mehr zu machen und mehr leisten zu müssen.

Andrea Tschaban: Teilen Sie Ihre sportlichen Ergebnisse in Social Media?

Judith Zander: Ja, Fotos vom Outdoortraining inklusive Ergebnisse der Workouts teile ich sowohl auf Facebook als auch auf Instagram. Hin und wieder poste ich auch meine Laufergebnisse auf Facebook.

Judith Zander ist 29 Jahre alt, lebt in Berlin und schreibt derzeit ihre Doktorarbeit. Sie betreibt seit einigen Jahren aktiv Sport: Unter anderem trainiert sie leidenschaftlich gern in der Outdoor-Sportgruppe „Athletik Training Berlin“, macht Pole-Fitness, Jumping-Fitness, Jogging und Hindernisläufe

Andrea Tschaban: Welche Vor- und Nachteile sehen Sie in der digitalen Selbstvermessung?

Judith Zander: Allein durch Messung und Überwachung verändert man schon sein Verhalten, da man besser werden möchte. Und die Motivation wird erhöht. Deshalb liegen für mich die Vorteile vor allem im Sammeln von Daten, um:

  • Schlüsse für das eigene Training daraus ziehen zu können.
  • sich verbessern zu können.
  • herauszufinden, welche Gewohnheiten man hat.
  • zu vergleichen, welche Umstände einen zu besseren Leistungen gebracht haben, und dann zu entscheiden, ob man seine Gewohnheiten beibehalten sollte.

Judith ZanderAuf der anderen Seite gibt es für mich auch Nachteile:

  • Man muss aufpassen, dass es nicht zur Sucht wird, immer bessere Ergebnisse zu erzielen.
  • Es besteht die Gefahr, dem Körper zu viel abzuverlangen und damit zu überlasten.
  • Es ist demotivierend, wenn man nicht die gewünschte bessere Leistung erzielt.
  • Es ist fraglich, ob ein Laie die Daten überhaupt korrekt bewerten kann.
  • Die Effektivität ist nicht immer nachweisbar: Was bringt das wirklich? Wird man dadurch wirklich leistungsstärker, obwohl man seinen optimalen Trainingsbereich gar nicht kennt?

Andrea Tschaban: Wie hat sich Ihr Leben generell verändert, seit Sie sich selbst in dieser Form messen?

Judith Zander: Seit ich die Fitness App nutze, bin ich ehrgeiziger im Sport geworden. Gleichzeitig fühle ich mich zum Einen motivierter, da man die Ziele im Blick hat und zum Anderen kontrollierter, da ich weiß, was ich leiste und dass da immer noch eine Steigerung möglich ist. Insgesamt fühle ich mich fitter und mir gefällt die Möglichkeit, mich mit anderen vergleichen zu können.

Andrea Tschaban: Im Video erfahren Sie, was Mediziner über die digitale Selbstvermessung denken. Werden Sie angesichts dessen Ihr Nutzungsverhalten ändern?

Judith Zander: Die Fitness Apps, die ich jetzt schon verwende, werde ich weiter nutzen wie bisher. Andere technische Hilfsmittel ziehe ich erstmal nicht in Erwägung. Ich werde mich nicht täglich von den Apps verrückt machen lassen. Man wird nicht von heute auf morgen besser, sondern es bedarf eines kontinuierlichen Trainings. Dabei hat man gute und schlechte Tage. Worauf es wirklich ankommt, ist die „Abrechnung“ nach einem bestimmten Zeitraum.

Noch mehr Informationen und Expertenmeinungen lesen Sie auf unserer Webseite zum Schwerpunkt „Gesundheit digital“.

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2 Kommentare

  1. Stefan schreibt am 29. April 2015 um 4:53:

    hallo, ich nutze ebenfalls Apps beim Sport. Ich verstehe nicht, wie mich der artikel weiterbringen soll. Soll ich nunweiter Apps beim Sport nutzen, welche sind zu empfehelen, welche nicht. Wie setze ich sie am besten ein?

    • Konrad Welzel Konrad Welzel schreibt am 29. April 2015 um 7:47:

      Hallo Stefan,

      uns ging es vor allem darum, sich mit dem Trend „digitale Selbstvermessung“ kritisch auseinanderzusetzen. In diesem Artikel hier zeigen wir beispielhaft eine junge Hobbysportlerin, die diese Botschaft vermittelt: Fitness Apps können helfen, die eigene Motivation für Sport und Bewegung zu steigern. Übertreiben sollte man diese Selbstkontrolle und -analyse allerdings nicht, um den eigenen Körper gesund und fit zu halten.
      Weitere und tiefergehende Informationen zur Online-Medizin und Quantified Self finden Sie auch in unserem Themenschwerpunkt auf der Webseite: http://bit.ly/1eccv55

      Viele Grüße
      Konrad Welzel aus dem Social Media-Team

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