Blutspenden rettet Leben

Am 14. Juni ist Weltblutspendetag. Vor allem für Krebspatienten und die Herstellung von Medikamenten wird das gespendete Blut eingesetzt.

Blutspenden rettet Leben

Christine Reinhardt arbeitet beim Blutspendedienst des Bayrischen Roten Kreuzes (BSD BRK) als Gebietsreferentin. In dieser Funktion organisiert sie die Blutspendetermine in diversen Landkreisen, so auch in Nürnberg.

Jasmin Trübenbach: Warum ist Blutspenden so wichtig?

Christine Reinhardt: Allein in Bayern werden täglich etwa 2.000 Blutkonserven benötigt, um den Bedarf zu decken. Blut ist für viele Menschen überlebenswichtig. Derzeit spenden in Bayern nur etwa sieben Prozent der Bevölkerung, aber jeder Dritte ist einmal in seinem Leben auf ein Blutprodukt angewiesen. 94 Prozent der in Deutschland lebenden Bevölkerung hält Blut spenden zwar für wichtig, aber nur 3,5 Prozent spenden tatsächlich.

Mit modernen Verarbeitungstechniken können Blutspenden in ihre Bestandteile zerlegt werden und so bis zu drei Patienten helfen. Darüber hinaus werden aus Blutspenden lebenswichtige Medikamente hergestellt, unter anderem für Patienten mit einer Immunschwächekrankheit.

Jasmin Trübenbach: Was passiert mit dem Blut, nachdem ich dieses gespendet habe?

Christine Reinhardt: Nach dem Blutspendetermin werden die Spenden in unser Produktions- und Logistikzentrum nach Wiesentheid gebracht. Dort werden die Blutspenden weiter verarbeitet. Dazu werden die Blutkonserven zentrifugiert und in ihre Blutbestandteile, Erythrozyten, Thrombozyten und Plasma, aufgeteilt. So entstehen Erythrozytenkonzentrate, Thrombozytenkonzentrate und therapeutisches Plasma.

Am Blutspendetermin werden außerdem von jedem Spender Kontrollröhrchen entnommen. Die abgenommenen Röhrchen werden in unseren Labors in München und Wiesentheid untersucht. Im ersten Schritt werden die Blutgruppe und der Rhesusfaktor bestimmt. Danach wird das Blut auf verschiedene Infektionskrankheiten wie HIV, Hepatitis und Syphilis untersucht. Dies geschieht mittels Antikörper- und Virusdirektnachweis-Tests.

Bis zur Verwendung im Krankenhaus oder in einer Arztpraxis werden die einzelnen Blutpräparate in den Instituten des Blutspendedienstes gelagert.

Jasmin Trübenbach: Muss ich wichtige Unterlagen zum Blutspenden mitbringen?

Christine Reinhardt: Aus gesetzlichen Gründen müssen Sie sich ausweisen. Bringen Sie deshalb bitte zu jeder Blutspende einen Ausweis mit Lichtbild oder Ihren Blutspendeausweis mit.

Ablauf einer Blutspende

Grafik 1: Ablauf einer Blutspende

Jasmin Trübenbach: Gibt es verschiedene Spendenarten?

Christine Reinhardt: Aus jeder „Vollblutspende“ können bis zu drei verschiedene Präparate aus roten Blutkörperchen (Erythrozyten), Blutplättchen (Thrombozyten) oder Plasma hergestellt werden.
Neben der Vollblutspende besteht die Möglichkeit einer Apheresespende. Dabei werden nur die benötigten Bestandteile wie Plasma oder Thrombozyten entnommen. Die restlichen Blutbestandteile werden dem Körper direkt zurückgeführt. Diese Spendeart ist wichtig, um die Nachfrage der Kliniken an den unterschiedlichen Blutprodukten decken zu können.

 

 

 

Jasmin Trübenbach: Wie viel Liter Blut spende ich bei einer Sitzung?

Christine Reinhardt: Bei einer Blutspende werden dem Spender circa 500 ml Blut abgenommen. Dies dauert an sich selten länger als zehn Minuten.

Jasmin Trübenbach: Kann der Körper das fehlende Blut ohne Probleme wieder ausgleichen?

Christine Reinhardt: Der Verlust des abgenommenen Blutvolumens von etwa 500 ml ist schnell wieder ausgeglichen. Die Nachbildung der weißen Blutkörperchen (Leukozyten), welche für die Abwehr von Krankheitskeimen zuständig sind, geschieht innerhalb weniger Tage. Das Blutplasma wird ebenfalls kurzfristig nachgebildet. Auch die Blutplättchen (Thrombozyten) brauchen wenige Tage. Die Neubildung der roten Blutkörperchen dauert etwa zwei Monate. Die Leistungsfähigkeit ist während dieser Zeit nicht beeinträchtigt.

Die vorgeschriebenen Spendeabstände der verschiedenen Spendearten ergeben sich aus den Zeiträumen, die die jeweiligen Blutbestandteile für ihre Neubildung benötigen. Innerhalb eines Jahres können Frauen vier Mal, Männer sogar sechs Mal Blut spenden. Ein Abstand von 56 Tagen zwischen den Terminen ist erforderlich, damit sich das gespendete Blut wieder nachbilden kann.

Jasmin Trübenbach: Bleiben die Blutspenden anonym?

Christine Reinhardt: Die Blutspenden werden am Blutspendetermin mit einem Code versehen mit dessen Hilfe bei Bedarf der Spender ermittelt werden kann. Das ist wichtig, denn wenn bei der Testung des Blutes Auffälligkeiten festgestellt werden, können wir den Spender darüber informiert. Danach werden die Blutprodukte anonym weitergegeben.

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Grafik 2: Wofür wird das gespendete Blut eingesezt?

Jasmin Trübenbach: Wofür wird das gespendete Blut eingesetzt?

Christine Reinhardt: Man möchte annehmen, dass der Großteil der Blutspenden denen hilft, die Verletzungen durch einen Unfall erleiden. Doch das meiste Blut – etwa 19 Prozent – kommt bei der Krebstherapie zum Einsatz. (siehe Grafik 2)

 

 

 

 

Jasmin Trübenbach: Das Blut welcher Blutgruppe wird besonders dringend benötigt?

Christine Reinhardt: Spender mit der Blutgruppe Null (speziell mit dem Rhesusfaktor negativ) sind immer gefragt, denn sie gelten als sogenannte Universalspender. Das heißt, ihr Blut ist mit allen anderen Blutgruppen kompatibel. Vor allem in Notfällen kann das lebensrettend sein.

Am besten werden natürlich Bluttransfusionen blutgruppengleich durchgeführt. Im Notfall zählt jedoch oftmals jede Minute, daher kommen in solchen Situationen Blutkonserven mit der Blutgruppe Null zum Einsatz. Die Erythrozyten-Konzentrate (rote Blutkörperchen) werden von Patienten aller Blutgruppen vertragen (siehe Grafik 3). Auf eine Blutgruppenbestimmung zur Prüfung der Verträglichkeit des Blutes von Empfänger und Spender kann vor der Transfusion somit im Notfall verzichtet werden. Der Bedarf an dieser universal helfenden Blutgruppe ist daher besonders hoch.

Verteilung der Blutgruppen

Grafik 3: Verteilung der Blutgruppen

Jasmin Trübenbach: Kann jeder Blutspenden oder kann ich nicht Blutspenden wenn ich etwa an Bluthochdruck oder anderen Erkrankungen wie Diabetes leide?

Christine Reinhardt: Es gibt unterschiedliche Kriterien für die Blutspende, die unter anderem durch den medizinischen Fragebogen im Vorfeld der Blutspende abgefragt und dann mit dem Arzt vor Ort durchgesprochen werden.

Nach bestimmten Krankheiten und Behandlungen, nach Urlaubsreisen in bestimmte Länder, nach manchen Impfungen oder auch bei der Einnahme von einigen Medikamenten darf man für eine gewisse Zeit kein Blut spenden.

Ein genereller Ausschluss für Menschen mit Bluthochdruck besteht nicht. Menschen mit gering erhöhtem Blutdruck und Menschen mit Bluthochdruck, die entsprechend medikamentös eingestellt sind, dürfen Blut spenden. Bei letzterer Gruppe kommt es jedoch darauf an, welche Medikamente eingenommen werden. Dies gilt ebenfalls für Diabetes-Patienten. Daher bitte vor der Blutspende im Zweifelsfall bei unserer kostenlosen Spender-Hotline unter der 0800 11 949 11 anrufen.

Grundlage für die Zulassung zur Spende sind die „Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten“. Unsere Aufgabe ist es, die größtmögliche Sicherheit für Spender und Empfänger zu gewährleisten.

Jasmin Trübenbach: Wie finde ich heraus, wann und wo der nächste Termin zum Blutspenden stattfindet.

Christine Reinhardt: Alle Termine der nächsten sechs Wochen finden Sie online unter www.blutspendedienst.com/termine.

Vielen Dank für das Interview, Frau Reinhardt.

[Anmerkung: Das Interview mit Christine Reinhardt wurde bereits im Juni 2014 geführt.]

Machen Sie mit

Die Blutspende dauert in der Regel weniger als zehn Minuten. Wenig Zeit, mit der Sie Leben retten können. Zögern Sie nicht, unterstützen Sie das BRK und melden Sie sich als Spender an. Die Kapazitäten für mehr Blutspender sind seitens des Blutspendedienstes vorhanden.

Sind Sie selbst Blutspender? Erzählen Sie mir gerne von Ihren Erfahrungen und warum Sie zum Blutspenden gehen.

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