Bergrettung – Kosten und Absicherung

Ammergauer Alpen - Kramerspitze: Beim Wandern im Gebirge warten einige Herausforderungen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei lebensgefährlichen Situationen in den Bergen werden Such- und Bergungskosten (die sogenannte Bergrettung) von der Auslandsreisekrankenversicherung erstattet.

Jeder, der häufiger in der Bergwelt der Alpen unterwegs ist, kennt die Situation: Das Wetter verändert sich innerhalb von Minuten drastisch und aus der Schönwetterwanderung wird durch Regen, Graupel oder Schnee eine Zitterpartie.

Weg zwischen Kölblam und Hesshütte

Nach Regen oder Graupel werden gerade steinige Steige oft zur Schlitterpartie.

In solchen Situationen habe ich mir schon öfter die Frage gestellt, wer im Fall der Fälle die Such- und Rettungskosten infolge einer Bergrettung übernimmt.

Denn im unwegsamen alpinen Gelände bedeutet ein Unfall, der das Weitergehen unmöglich macht, sehr häufig, dass ein Hubschrauber zur Rettung eingesetzt werden muss. Dass diese Einsätze sehr teuer sind, liegt auf der Hand, und mein Urlaubsbudget reicht dafür eher nicht aus.

Bergrettung in Deutschland

Die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) unterscheiden nach Rettung und Bergung.

Eine Rettung (mit dem Hubschrauber) wird dann übernommen, wenn ein andersartiger Transport den Zustand des Patienten gefährden würde. Hier gibt es also keinen Unterschied zu Unfällen in der Ebene, bei denen in bestimmten Situationen ebenso ein Hubschrauber eingesetzt wird.

Schwieriger wird es, wenn nur aufgrund des Geländes ein Hubschrauber eingesetzt wird,  bezogen auf das Krankheitsbild aber auch ein Transport mit einem Krankenwagen möglich gewesen wäre. In diesen Fällen spricht man von der Bergung – sie wird von den gesetzlichen Krankenversicherungen in der Regel nicht erstattet. Diese Unterscheidung fußt auf §60 (1) 2. Satz SGB V.

Bergrettung in den Alpen außerhalb Deutschlands

Zwischen Deutschland und Österreich sowie der Schweiz bestehen zwar zwischenstaatliche Abkommen zu Leistungen der GKV. Allerdings richten sich die Kosten der Rettung nach den Abrechnungssätzen des jeweiligen Landes. Ein mitunter deutlicher Eigenanteil ist also vorprogrammiert.

Zusätzlich besteht im Ausland das Risiko, dass vor Ort eine längere Behandlung, beispielsweise im Krankenhaus infolge eines Unfalls in den Bergen notwendig wird. Hier besteht ein hohes Kostenrisiko.

Mir ist es vor Antritt einer Tour deshalb wichtig, dass alle Teilnehmer neben einer kleinen Reiseapotheke für den Notfall vor allem eine Auslandsreisekrankenversicherung im Gepäck haben, denn diese leistet im Ausland bei:

  • Bergrettung (auch mit dem Hubschrauber)
  • Bergung
  • Suche (Suchkosten beispielsweise infolge eines Lawinenabgangs)
  • Transportkosten nach Deutschland, bei medizinischer Notwendigkeit

Mit 8,90 EUR Jahresbeitrag ist sie aus meiner Sicht auch ein sehr günstiger Teil der Wanderausstattung.

Gibt es Unterschiede bei Wintersport-Risiken?

Zusätzlich zu den genannten Risiken, die in den Bergen berücksichtigt werden sollten, ergibt sich bei vielen Wintersportarten ein erhöhtes Haftungsrisiko. Da auf präparierten Pisten oft wenig Ausweichfläche vorhanden ist, ereignen sich regelmäßig schwere Unfälle. Dabei ist neben der eigenen Absicherung über eine Unfallversicherung auch die Deckung fremder Schäden durch eigenes Verschulden über die Haftpflichtversicherung wichtig. Focus Online zeigt, welche Absicherung beim Wintersport notwendig ist.

Alpenvereinsmitgliedschaft versus Auslandsreisekrankenversicherung

Da auch der Deutsche Alpenverein (DAV) mit einer Versicherung für Bergrettungs- und Bergungskosten im Rahmen der Mitgliedschaft wirbt, hatte ich schon viele Gespräche mit anderen Wanderern, ob diese Mitgliedschaft in punkto Transportkosten überhaupt notwendig ist, wenn man schon eine Auslandsreisekrankenversicherung hat.

Das Gipfelbuch der Kramerspitze bei Garmisch

Wieder sicher einen Gipfel erreicht

Nachdem ich mich nun tiefer mit dem Thema auseinandergesetzt habe, kann ich sagen, dass dies zumindest bei Wanderungen außerhalb Deutschlands nicht notwendig ist. Der umfassende Schutz der Auslandsreiseversicherung reicht hier allemal aus. Nur bei Wanderungen in Deutschland kann die Mitgliedschaft sinnvoll sein, da hier die von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht erstattungsfähigen Bergungskosten abgedeckt sind. Da der DAV allerdings neben der Versicherung noch deutlich mehr bietet und vor allem viele Hütten und Wege in den Alpen unterhält, ohne die Wanderungen in den Bergen deutlich gefährlicher wären, möchte ich hier auch gar nicht von einer Mitgliedschaft abraten.

Für Menschen, die nicht in den Bergen unterwegs sind, könnte dieser Artikel den Eindruck erwecken, dass Angst ein ständiger Begleiter auf Touren ist. Dem ist natürlich nicht so. Aber eine Portion Konzentration und ein geübter Umgang mit steinigen Wegen sind schon nötig, um unfallfrei wieder nach Hause zu kommen.

Auf besonders prominenten Gipfeln, wie dem Mont Blanc oder dem Matterhorn, sind Tage ohne Rettungsflüge allerdings im Sommer die Ausnahme. Dies liegt aus meiner Sicht eher an der völligen Selbstüberschätzung der Bergsteiger.

Wer davor gefeit ist und sein Können objektiv einschätzt, kann das persönliche Unfallrisiko gut minimieren und eine schöne Tour erleben.

Dies tun wir auch bei ERGO Sports und bieten in der Gruppe Outdoor regelmäßig Touren verschiedener Schwierigkeitsgrade an, so dass jeder Teilnehmer ein passendes Angebot findet.

Nun wünsche ich eine bergrettungsfreie Tourensaison! Ich freue mich auf Ihre Fragen rund um Rücktransport, Bergung und Rettung  diese beantworte ich gerne mit Hilfe der Kollegen aus dem Hause ERGO Direkt.

 

 

 

Was sagen Sie zu diesem Thema?

4 Kommentare

  1. Jörg schreibt am 27. August 2014 um 11:49:

    Aus aktuellem Anlass fragt man sich ja schon, ob die im Artikel angesprochenen Bergungskosten auch für eine wochenlange Bergung aus einer Höhle reichen…

    Servus
    Jörg

    • Andreas Kiehr Andreas Kiehr schreibt am 28. August 2014 um 15:14:

      Lieber Jörg,
      vielen Dank für die Reaktion auf den Beitrag. Gern stelle ich die Varianten der Finanzierung einer solchen Bergung einmal dar. Im Rahmen der privaten Unfallversicherung sind Such-, Rettungs- und Bergungskosten (auch innerhalb Deutschlands) abgesichert, auch wenn nur Grund zu der Annahme eines Unfalls besteht.
      Da viele Unfallversicherer den Begriff nicht soweit auslegen, haben sowohl der österreichische als auch der deutsche Höhlenforschungsverein Lösungen zur Absicherung dieser Kosten erarbeitet. Mitglieder des deutschen VDHK können sich einem Bergungskosten-Solidaritätsfonds anschließen. Die Mitglieder des österreichischen VÖH sind per Mitgliedschaft versichert.

      Um eine effiziente Bergung zu gewährleisten, sollte der Alarmplan des Höhlenrettungsverbandes eingehalten werden.

  2. Mika schreibt am 19. August 2017 um 22:17:

    Hallo Andreas,
    zu Eurer Auslandsreisekrankenversicherung RD und Deinem Artikel über die Bergungskosten würde ich gerne wissen, wie es mit den folgenden Fällen steht:
    a) Auf einer Wanderung z. B. der Annapurna Runde verletzt sich der Versicherte und wird mit einem Hubschrauber aus sonst nicht per Pkw zugängigem Gelände zum Arzt gebracht. Es stellt sich heraus, dass eine ambulante Behandlung genügt und ein billigerer Transport per Esel die Verletzung nicht verschlimmert hätte.
    b) Es kommt zu einem unvorhergesehenem Schneeeinbruch. Wanderer können unverletzt
    aa) auf dem Weg per Hubschrauber gerettet werden, sie wären ohne Rettung erkrankt oder verstorben
    bb) in einer Schutzhütte/Unterkunft gerettet, es war nicht absehbar, wann eine Rückkehr möglich gewesen wäre.

    Welche Situationen sind mit der Auslandsreisekrankenversicherung abgedeckt oder überhaupt versicherbar?
    Vielen Dank für eine Information.
    Viele Grüße Mika

    • David Prestele Andreas Kiehr schreibt am 21. August 2017 um 14:06:

      Hallo Mika,

      danke Dir für Dein Interesse.

      a) Üblicherweise legt ein Arzt/Rettungssanitäter das geeignete Transportmittel nach Beurteilung der Informationen des erkrankten/verunfallten Wanderers fest. Meiner Erfahrung nach findet, nach Abschluss des Transports keine Überprüfung der Verhältnismäßigkeit statt. Wenn also das Lagebild in dem von Dir beschriebenen Fall einen Transport mittels Hubschrauber nahelegt und der Transport mit dem Hubschrauber als notwendig erachtet wurde, leistet hier auch die Auslandsreisekrankenversicherung von ERGO Direkt.

      b)
      aa) In der Auslandsreisekrankenversicherung von ERGO Direkt ist auch für Bergung die wesentliche Leistungsgrundlage die medizinische Notwendigkeit. Ein Wetterwechsel stellt also erst einmal keine Leistungsgrundlage dar. Sind Teilnehmer allerdings so stark unterkühlt, das Lebensgefahr droht, ist medizinische Notwendigkeit in jedem Fall gegeben. Transportmittel siehe a

      bb) siehe b, aa) Auf einer Hütte festzusitzen kann ziemlich romatisch sein und der Arbeitgeber ist sicher auch nicht gerade erfreut, wenn man nach dem Wochenende nicht zurückkehrt, aber wie schon bei b aa), muss eine medizinische Notwendigkeit gegeben sein, um hier einen Transport aus den Leistungen der Auslandsreiseversicherung zu rechtfertigen.

      Um vollumfänglich Leistungen bzgl. Rettung abzuklären, empfehle ich Dir die DAV-Mitgliedschaft, weil gerade solche Details wie „festsitzen“ in einer Tour oder auf einer Hütte, dort versichert sein könnten.

      Viele Grüße
      Andreas

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