Angst vor dem Zahnarzt

Laut einer Umfrage von Statista haben mehr als 50 Prozent der Deutschen keine Angst vor dem Zahnarzt. Ich gehöre zu der anderen Hälfte! 🙁

ZahnarztangstWarum habe ich so große Angst vor dem Zahnarzt?
Über die Ursache(n) meiner Phobie kann ich selbst nur spekulieren. Ich erkläre es mir aber so:

Mein Vater hatte bereits eine Zahnarztphobie

Als Kind ist das wirklich nicht schön, zu sehen, wenn ein erwachsener Mann mit allen Mitteln versucht, sich vor dem Besuch beim Zahnarzt zu drücken. Wenn doch jemand, der sich sonst vor Nichts fürchtet, ausgerechnet vor dem Zahnarzt so Angst hat, muss es sich dabei ja wohl um das schlimmste Ereignis überhaupt handeln.
Das Tolle war ja auch noch: Er wollte selbst nicht zur Untersuchung, aber hat mich auch noch geärgert, wenn meine Mutter verzweifelt versuchte, mich in die Höhle des Löwen zu schaffen.

An dieser Stelle muss ich vielleicht noch kurz erwähnen: Rund um den Zahnarztbesuch war meine Verhandlungsposition bezüglich neuer Spielsachen hervorragend. In gewisser Weise war der Termin deswegen doch keine soooo schlechte Sache. Aber aufgepasst liebe Eltern, das macht das Gequängel beim nächsten Mal nicht besser. 🙂

War der Mann wirklich Zahnarzt?

Sind wir dann doch in der Praxis angekommen, hat mir der Mann im weißen Kittel und dem Mundschutz (ohne diesen hab ich ihn nie gesehen!) den Rest geben. Wahrscheinlich hatte er selbst keine Zähne und bohrte sie sich deshalb langsam aus den Mündern seiner „Opfer“. So hatte ich mir das damals zumindest ausgemalt.

Die Sprechstundenhilfen waren sich wohl seiner Wirkung auf seine Mitmenschen bewusst, denn sie haben besonders viel Wert auf den Umgang mit den Patienten gelegt. Außerdem war sein Wortschatz sehr begrenzt bzw. sprach er wohl „Schiffe versenken“: H8, G3, B4…klang es in meinen Ohren. Der Höhepunkt seines sadistischen Verhaltens war dann noch das Gemetzel mit dem Bohrer. Eine Beschreibung dessen, möchte ich Ihnen aber ersparen.

Vermeidung bringt auch nichts

Die Auslöser meiner Angst sind nun also geklärt. Aber es hilft ja nichts, früher oder später muss man ja doch zum Dentisten. Das war mir zwar klar, aber den schwindenden Einfluss meiner Eltern auf regelmäßige Praxisbesuche nutzte ich, um einige Jahre einen großen Bogen um die Damen und Herren mit dem umfangreichen Bohrerset zu machen.

In Berührung mit dem Thema kam ich erst wieder, als ich bei ERGO Direkt Kunden zu Zahnzusatzversicherungen beriet. Nach einigen Kundengesprächen wurde mir bewusst, dass ich auch mal über diese Absicherung nachdenken sollte. Schließlich kann man ja davon ausgehen, dass ein paar Jahre Zahnarztabstinenz, schon die eine oder andere größere Baustelle mit sich bringt.

Und dann sind die Kosten wohl auch immens! Also: Zusatzversicherung abgeschlossen – das volle Programm! Dies war für mich aber noch lange kein Grund, meine Angst zu überwinden und die Beißerchen ohne Probleme untersuchen zu lassen.

Zahnschmerzen sind kein Zuckerschlecken

Vor etwa vier Jahren war es dann so weit: Zahnschmerzen! Nicht nur ein leichtes Ziehen oder Stechen, nein, ausgewachsene, höllische Zahnschmerzen. Mein erster Gedanke war: „Keine Sorge, vergeht von selbst.“
Nach drei Stunden Schmerzen musste ich mich doch geschlagen geben: „Ich frage mal in der Apotheke, ob da nicht Tabletten oder eine Spülung helfen.“ Noch in der Apotheke habe ich mir drei Schmerz-Tabletten, die Apothekerin hatte mir eine empfohlen, ohne Wasser hinunter gepresst.

Zu Hause angekommen, habe ich sofort mit der Internetrecherche begonnen: „Was hilft bei Zahnschmerzen – Hausmittelchen…“ Sowohl die Dame, die mir die Schmerzmittel verkauft hatte, die übrigens nicht halfen, als auch Google waren sich einig: „Du musst zum Zahnarzt!“

Ein guter Zahnarzt hilft, die Angst zu überwinden

Nachdem auch Meditation, kalte Umschläge und Tees in allen Variationen nicht den gewünschten Erfolg brachten, war die nächste Aktion klar: „Ok, zum Zahnarzt – aber zu welchem!“ Der Typ aus der Amateurliga der Weißkittel kam ja nicht in Frage. Also musste ich wieder die Suchmaschine befragen.
Als Suchterm wählte ich alle Synonyme für Angst, gefolgt vom Ort und erst am Ende „Zahnarzt“. Sofort wurde als erster Treffer eine sehr sympathische Zahnarztpraxis in der Nähe angezeigt. Drei Stunden später, ich kannte auf der Website inzwischen jeden Buchstaben, wählte ich die Nummer.

Einer freundlichen Dame erklärte ich zunächst ausführlich mein Angstproblem und kam erst dann auf meine Schmerzen zu sprechen. Sie meinte, es gäbe noch viel schlimmere Fälle und dass ich mir keine Sorgen machen soll. Ich kam dann direkt vorbei und alle waren super freundlich, sogar der Zahnarzt.
Dieser erklärte in einigen kurzen Sätzen, dass die eine oder andere Wurzelbehandlung nötig sei, aber kein Problem. Irgendwie hat er es geschafft, dass ich bei dem Wort Wurzelbehandlung nicht ins Koma fiel. Er fing auch gleich mit der Behandlung an. Die Schmerzen waren noch abends weg. Alles gut! Ich hatte nicht mal ein Problem mit den Folgebehandlungen, naja, ich ging zumindest hin. Es war tatsächlich nicht schlimm.

Nun bin ich wieder regelmäßig Kunde bei diesem Zahnarzt, jedes Mal inklusive Prophylaxe. Da ich aber immer noch Angst-Patient bin, hat mein Zahnarzt ein tolles System, damit ich auch jedes halbe Jahr zu Besuch komme: Ich werde für den Termin kontaktiert! Das heißt, eine nette Sprechstundenhilfe ruft mich an oder schreibt – wenn ich die Nummer erkenne – eine Erinnerungsmail, wenn es ganz schlimm ist, sogar einen Brief. Dies ist nötig, da ich aus Angst auch gerne einen Termin verschiebe oder ausfallen lasse.

Ich hoffe, dass jeder Angstpatient so eine klasse Zahnarztpraxis findet.

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