10 Ernährungsmythen auf dem Prüfstand

Rund um unsere Ernährung und Lebensmittel gibt es immer wieder viele offene Fragen. Was ist gesund und was nicht? ERGO Direkt hat deshalb einen Ernährungswissenschaftler darum gebeten, in einem Gastbeitrag 10 Ernährungsmythen unter die Lupe zu nehmen.

Ernährungsmythen1. Probiotischer Joghurt ist nicht gesünder

Das stimmt, er ist aber auch nicht grundsätzlich ungesund. Zwar verändert sich die Darmflora bei regelmäßigem Konsum von probiotischem Joghurt. Das ist nicht negativ, aber eben auch nicht positiv zu beurteilen. Und: die Wirkung endet, sobald man nicht mehr jeden Tag probiotischen Joghurt zu sich nimmt. Er ist vor allem süß, der probiotische Joghurt, und genau darum kritisch zu bewerten.

Besser ist ein so genannter stichfester Joghurt. Der beinhaltet eine Vielzahl lebender Joghurtkulturen und hat deshalb ein kürzeres Mindesthaltbarkeitsdatum. Anders als beim überwiegend verkauften cremig gerührten Joghurt sind die Bakterien im stichfesten keiner Pasteurisierung ausgesetzt. In besonders cremigem Joghurt gibt es also eigentlich nichts mehr, was sich positiv auf den Verbraucher auswirken könnte.

2. Wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, muss ich ein Lebensmittel wegwerfen

Hier ist zwischen dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) und dem Verbrauchsdatum zu unterscheiden. Das Mindesthaltbarkeitsdatum schützt weniger den Kunden, als es eine Absicherung für die Industrie ist. Der Produzent eines Lebensmittels garantiert bis zum Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums, dass sein Produkt so schmeckt, wie wir Kunden es erwarten. Schlecht oder gar ungenießbar ist es nach dem Ablauf der Frist nicht. Allerdings ist der Produzent dann aber nicht mehr haftbar, falls Veränderungen in Geschmack oder Konsistenz auftreten.
Das Verbrauchsdatum dagegen garantiert die Keimfreiheit von Lebensmitteln wie Fleisch oder Fisch. Das ist ein wichtiger Schutz für den Kunden, denn nach Ablauf des Verbrauchsdatums ist ein Lebensmittel ungenießbar und muss entsorgt werden.

3. Industriezucker ist ungesünder als brauner Zucker

Richtig ist: Bei braunem Zucker ist der Gehalt an Mineralstoffen geringfügig höher als bei weißem Industriezucker. Eine gesündere Ernährung erreicht man mit braunem Zucker allerdings nicht. Grundsätzlich gilt, dass man keine Angst vor Zucker haben muss. Hier macht die Dosis das Gift. Wer seinem Zucker nur etwas Kaffee beimischt, wird auf Dauer Probleme mit den Zähnen und dem Gewicht bekommen. Wer jedoch dafür sorgt, dass er den Energieträger Zucker nur maßvoll konsumiert und generell mehr Energie verbraucht, als er zu sich nimmt, wird keine Probleme bekommen. Zucker soll den Geschmack ergänzen und nicht komplett verändern.

4. Süßungsmittel, die nicht Zucker sind, sind besser als Zucker

Wolfgang Sünkel über Ernährungsmythen

Der Ernährungswissenschaftler Wolfgang Sünkel klärt auf (Foto: privat)

Es wird sehr viel gesüßt in der Lebensmittelindustrie, und wir als Verbraucher müssen schon genau hinsehen, um zu erkennen, was uns da verkauft wird. So werden allerlei Süßungsmittel in Produkten verwendet, die alle eines gemeinsam haben: sie sind kein Industriezucker. Stoffe wie Fruktose-Sirup, Maissirup, Reissirup, Glukosesirup sind auch nur Zucker, können aber zur Verschleierung des tatsächlichen Zuckergehaltes eines Produktes in der Zutatenliste getrennt aufgeführt werden.

Um den Gehalt an Zucker und Sirup zu senken, werden auch viele Süßungsmittel und Süßstoffe verwendet, die zwar nicht gesundheitsschädlich sind, wie das von Aspartam lange behauptet wurde. Bei langfristigem Konsum gewöhnt man sich aber so sehr an die hohe Süße, dass der natürliche Geschmack ungesüßter Lebensmittel abstoßend oder langweilig wird. Diesen Effekt macht man sich auch in der Tiermast zunutze. Hier werden die billigen Süßstoffe zur Geschmacksveränderung eingesetzt, da moderne Mastmittel den Tieren schlicht nicht schmecken.

5. Rohkost ist gesund

Die Menschheit hat mit der Entdeckung des Feuers einen gewaltigen Zivilisationssprung gemacht. Dass die Lebenserwartung im Laufe der menschlichen Entwicklung gestiegen ist, liegt auch an der besseren Verarbeitung unserer Lebensmittel. Wir können durch Erhitzen unsere Speisen leichter verdaulich und genießbar machen. Schädliche Keime werden abgetötet. Generell ist zu sagen, dass Rohkost nicht schädlich ist, sie aber auch nicht besser ist als eine ganz normale Mischernährung.

6. Spinat und Pilze darf man nicht mehr aufwärmen

Das stimmt so nicht. Aufwärmen an sich ist kein Problem. Vielmehr ist darauf zu achten, dass man die Speisen nicht zu lange stehen lässt, bevor man sie zur Aufbewahrung in den Kühlschrank gibt. Je länger die Standzeit ohne Kühlung ist, desto mehr werden sich Bakterien vermehren und das Essen ungenießbar machen.
Ein zusätzliches Problem bei Spinat kann der oft hohe Gehalt an Nitrat sein, das sich durch überdüngte Felder in den Blättern anreichert. Dies wird im Körper in Nitrit umgewandelt und kann vor allem bei Kindern zu Bauchschmerzen und Unverträglichkeit führen.

7. Der Bierbauch kommt vom übermäßigen Bierkonsum

Jein. Hier ist wieder zu betonen, dass die Dosis das Gift macht. Natürlich ist übermäßiger Bierkonsum nicht gesundheitsfördernd. Er wird aber vor allem die Leber belasten. Viel wichtiger ist, dass zum Bier gerne fettig und viel gegessen wird. Das führt auf Dauer zum (Bier-)Bauch.

8. Fett macht fett

Fett ist wie Kohlenhydrate und Eiweiße ein Energieträger, der uns hilft, unsere Leistungsfähigkeit zu erhalten. Schuld am Übergewicht ist darum nicht das Fett allein, sondern allgemein ein Zuviel an Energie, die zugeführt, aber nicht verbraucht und darum als Fett gespeichert wird. Fettarme Diäten sind darum nicht geeignet, um Körperfett abzubauen. Wichtiger ist es, den eigenen Energieumsatz anzukurbeln und so langfristig die Fettspeicher zu leeren. Je mehr Energie der Körper umsetzen muss, desto mehr Fett wird er abbauen, um diesem Energiebedarf gerecht zu werden. Sport und eine ausgewogene Mischernährung sind die beste Diät.

9. Der Körper kann entschlacken

Nein. Der Körper kann zwar unverdauliche und wasserlösliche Bestandteile der Nahrung ausscheiden, eine Entschlackung, also das Absondern von Schadstoffen, die sich im Fettgewebe angesammelt haben, funktioniert nicht. Die einzige Möglichkeit, körpereigenes Fett und die darin enthaltenen Schadstoffe wirklich abzubauen, besteht während des Stillens. Denn nur bei der Produktion von Muttermilch scheidet der Körper aktiv Fett und damit auch fettlösliche Stoffe aus.

10. Multivitaminsäfte sind gesund

Säfte, die aufgrund ihres erhöhten Gehaltes an Vitaminen (besonders Provitamin A, Vitamin C und Vitamin E) als Multivitamin- oder ACE-Säfte verkauft werden, sind nicht prinzipiell ungesund. Das Problem besteht eher darin, dass sie häufig nach dem Prinzip von „viel hilft viel“ produziert und konsumiert werden. Bei gleichzeitigem Konsum dieser Säfte und anderer vitaminangereicherter Produkte können sie dann schon wieder fast schädlich wirken. Dabei sind solche angereicherten Produkte eher unnötig. Generell ist es bei einer ausgewogenen Mischernährung in Europa nur schwer möglich, sich einen Vitaminmangel anzuessen.

Mein Fazit zu den Ernährungsmythen

Essen muss Spaß machen. Wer mit verzogener Miene seine Mahlzeit verspeist, die vielleicht noch nicht mal richtig schmeckt, dafür aber gesund sein soll, wird auf Dauer weder gesund noch glücklich. Dabei haben wir so viele gute lokale Produkte zu meist auch erschwinglichen Preisen; wir haben so viele unterschiedliche Zubereitungsmöglichkeiten: mit ein bisschen gutem Willen kann gesundes Essen Spaß machen und schmecken.

Ansonsten gilt: Achten Sie immer auf das Maß. Die Dosis macht das Gift. Diese Regel alleine unterstützt eine gesunde Ernährung schon sehr.

Auf der Webseite von ERGO Direkt finden Sie Tipps zur Stärkung Ihres Immunsystems und einen Immunsystemtest.

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