Was geschieht mit meinem Blog nach meinem Tod?

Sterben 2.0 für Blogger: Darauf sollten Sie vorbereitet sein!

Interview Blog Sterben 2.0

Michaela Zinke, Experte der Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin

Ich habe Michaela Zinke von der Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin getroffen. Sie ist Expertin für „Verbraucherrechte in der digitalen Welt“ und unterstützte uns inhaltlich beim Dreh zu unserem Video „Sterben 2.0“. Darin beschäftigen wir uns intensiv mit Fragen zu den digitalen Spuren, die wir im Netz hinterlassen: Was soll damit passieren, wenn wir gestorben sind? Was passiert mit unseren Online-Accounts und unserem Profil bei Facebook? Was kann ich zu Lebzeiten vorbereiten, damit mein digitales Ich in meinem Sinne weiterlebt? Die Antworten darauf haben wir multimedial aufbereitet und in unserem Themenschwerpunkt „Sterben 2.0“ veröffentlicht.

Zum Thema Blogging, habe ich Michaela Zinke noch einmal ganz konkret interviewt.

ERGO Direkt: Was passiert mit den Inhalten, wenn der Blogger nicht mehr lebt?

Michaela Zinke: Die Inhalte sind in der Regel geistiges Eigentum des Bloggers und urheberrechtlich geschützt. Gleiches gilt für selbst produzierte Bilder. Diese Urheberrechte gehen nach dem Tod des Bloggers auf den Erben über. Auch die Domain des Blogs wird vererbt.

Der Blogger muss sich also grundsätzlich darüber Gedanken machen, ob das Blog weiterleben soll oder nicht. Wenn ja, wer kommt dafür in Frage das Blog im Sinne des Bloggers weiterzubetreiben? Diese Person sollte im Testament mit Angabe der Aufgabe festgelegt werden. Damit der Erbe überhaupt den Blog betreiben kann, benötigt dieser die Zugangsdaten zum Publishing-System.

ERGO Direkt: Was kann im schlimmsten Fall geschehen, wenn ich keine Vorbereitungen treffen?

Michaela Zinke:
Die Hosting-Unternehmen stellen bei ausbleibender Mietzahlung die Domain ein und damit gehen alle Inhalte für die Öffentlichkeit verloren. Die wenigsten Hosting-Unternehmen tätigen Auskunftsersuchen, forschen also nach, wenn die Hostingkosten nicht beglichen werden.

ERGO Direkt: Was müssen Blogger also unbedingt vorbereiten, damit dies nicht geschieht?
Michaela Zinke:

  1. Das Wichtigste sind die Zugangsdaten zum Publishing System: Diese aufschreiben und entsprechend hinterlegen – entweder beim Notar im Testament oder direkt der Person mitteilen, die das Blog weiterführen soll. Ohne diese Zugangsdaten kann der Erbe nicht über den Tod des Bloggers informieren, was die Abonnenten interessieren könnte.
  2. Das Blog hat wie jede andere Website Rechtspflichten: Die Kommentare auf der Seite müssen überwacht werden, da der Blogger die Verantwortung für die Inhalte übernimmt. Sind lizenzierte Bilder auf dem Blog veröffentlicht, müssen die Fotos nach Ablauf der Lizenzzeit gelöscht werden oder die Lizenz verlängert werden. Bei letzterem muss man wissen, wer Lizenzgeber ist. Der Blogger sollte also die gekauften Bilder auflisten mit Angabe der Lizenzen: Welches Bildformat wurde lizenziert zu welchem Betrag, für welchen Zeitraum und vor allem, von wem.
  3. Ich empfehle jedem Blogger Sicherheitskopien der Inhalte anzufertigen, in regelmäßigen Abständen. Printscreens könnten auch ausreichend sein, je nach dem wie wertvoll der Blogger den Eintrag für sich einschätzt.

Grundsätzlich empfehle ich jedem, der im Netz aktiv ist, diese Checkliste über digitalen Nachlass. Weitere Informationen finden Sie auch in der aktuellen Kampagne der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. machs-gut.de.

Der Tod gehört genauso zu unserem Leben, wie die Geburt. Den meisten Menschen fällt es trotzdem sehr schwer ihr Beileid auszudrücken. So finden Sie die richtigen Worte zur Beileidsbekundung.

Was sagen Sie zu diesem Thema?

3 Kommentare

  1. Mia schreibt am 23. Oktober 2018 um 10:53:

    Bekannte die schon älter sind haben sich darüber auch schon bei einem Rechtsanwalt und Notariat informiert. Die Hoster wollen vor allem oft einen Erbschein sehen, wenn ein Vertrag übernommen werden sollte. Das sind in der Tat Themen die einem beim betreiben eines Blogs eigentlich nicht in den Sinn kommen.

    • Andrea Tschaban schreibt am 23. Oktober 2018 um 15:05:

      Danke für Deine Eindrücke zu diesem „traurigen“ Thema. Ja, generell kommt uns beim Nutzen unserer Social Media Kanäle nicht der Gedanke, was damit passiert, wenn wir nicht mehr „da“ sind. Und weil das niemand richtig auf dem Schirm hat: im November veröffentlichen wir hierzu ein Themen-Special auf unseren Kanälen.

  2. Pingback: Nach mir die Sintflut? Blogger und ihr digitales Erbe - ERGO Direkt Blog

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