Sabbatical: Ich bin dann mal weg – komme aber wieder!

Was ist eigentlich ein Sabbatical? Das werden Sie sich jetzt vielleicht fragen. Im Grunde steckt dahinter eine besondere Form der Auszeit vom Job.

Durchatmen, abschalten - das Sabbatical ermöglicht den Ausstieg aus Zeit ()Was frühere Generationen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern für schlichtweg absurd gehalten hätten, setzt sich in Deutschland immer mehr in modernen Unternehmen durch: Der Mitarbeiter bekommt die Möglichkeit, sich eine Auszeit vom Job zu nehmen – das sogenannte Sabbatical. Das Besondere daran: Das Unternehmen hält dem Mitarbeiter seine Stelle frei und nach seiner Rückkehr kann er in der Regel in derselben Position weiterarbeiten.

Mehr Freiheiten durch ein Sabbatical

Auch ERGO Direkt Versicherungen haben im Zuge einer internen Arbeitsgruppe zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf diese Möglichkeit für ihre rund 1.800 Mitarbeiter erarbeitet und im Jahre 2011 in den Betriebsvereinbarungen verankert. Insgesamt 27 Mitarbeiter haben bislang eine Freistellung in Anspruch genommen, davon 14 Frauen und 13 Männer über alle Altersstufen, Hierarchien und Abteilungen hinweg. Die Freistellung geht in der Regel von einem Monat bis zu einem Jahr.

Ich bin neugierig auf diese Erfahrung und befrage deshalb zwei Kolleginnen aus dem Bereich B2C Vertrieb, die dieses Angebot genutzt haben:

Wie lange wart Ihr jeweils im Sabbatical und was habt Ihr in dieser Zeit gemacht?

Katharina:
Ich bin drei Monate durch Neuseeland gereist. Ich habe die Reise sehr flexibel gestaltet und konnte mir täglich überlegen, ob ich weiterreise oder bleibe, wo es mir gerade gefällt. Zum Schluss war ich noch ein paar Tage in Sydney und auf den Fiji-Inseln.

Susanne: Ich habe mir ein Jahr Auszeit genommen, war zu Hause und habe meinen Alltag entzerrt, der durch meine Familie mit drei kleinen Kindern und meinen Job sehr stressig war. Ich habe mein Französisch aufgefrischt, mehr Sport machen können und bin einfach den Tag entspannter angegangen.

Bitte erklärt kurz, wie ein Sabbatical funktioniert und was man als Arbeitnehmer vorher tun muss:

Katharina: Mein Sabbatical war in zwei Teile gegliedert. In eine „Arbeits-“ und eine „freie“ Zeit. Während der drei Monate Arbeitszeit habe ich ganz normal Vollzeit gearbeitet, aber nur das halbe Gehalt bekommen. Anschließend folgten die drei Monate freie Zeit, in der ich ebenfalls die Hälfte meines Gehalts bekommen habe. Das Sabbatical hatte ich zuvor rechtzeitig mit meinen Chefs abgesprochen und mir genehmigen lassen.

Susanne: Meine Freistellung war unbezahlt, das heißt ich habe bis zur Unterbrechung mein volles Gehalt bezogen. Zunächst habe ich es mit meinem Chef abgesprochen, der sehr verständnisvoll reagiert hat. Er hat auch die Abwicklung mit der Personalabteilung übernommen. Das war ganz unkompliziert.

Wie haben Eure Vorgesetzten, Eure Kollegen und Euer privates Umfeld auf Euer Vorhaben reagiert?

Katharina: Sehr positiv. Natürlich musste mit den Vorgesetzten geklärt werden, dass meine Arbeit während meiner Abwesenheit nicht liegen bleibt. Aber meine Kollegen waren sehr kollegial und haben ohne Probleme meine Aufgaben in dieser Zeit übernommen. Freunde und Familie haben sich mit mir gefreut, dass ich die Möglichkeit habe, eine Auszeit zu nehmen und ans andere Ende der Welt zu fliegen. Ich habe zudem viele positive Reaktionen dazu bekommen, dass unsere Firma ein Sabbatical ermöglicht. Das ist nicht überall möglich und deshalb auch nicht selbstverständlich.

Susanne: Alle reagierten sehr positiv und kooperativ. Mein Mann war sehr verständnisvoll, da er gemerkt hat, dass mir die Auszeit gut tun würde. Die finanziellen Einbußen wurden gemeinsam getragen.

Wie habt Ihr Euer Sabbatical bezogen auf Euren Arbeitsplatz vorbereitet?

Katharina: Meine Aufgaben konnte ich auf mehrere Kollegen aufteilen, so musste nicht einer alles abnehmen und die zusätzliche Arbeit für die einzelnen Vertreter hat sich in Grenzen gehalten. Für meine Kollegen habe ich dann Übergaben geschrieben und mit ihnen durchgesprochen.

Susanne: Circa drei Monate vorher wussten alle im Team Bescheid und die Aufgaben wurden verteilt. Jeder der Kollegen hat einen Teil übernommen, auch das war problemlos.

Welche Erwartungen hattet Ihr an das Sabbatical und wurden diese erfüllt?

Katharina: Ich habe zuvor mein zweijähriges Abendstudium beendet. So war die Reise nach Neuseeland eine Belohnung für mich, mit der ich mir einen großen Wunsch erfüllt habe.

Susanne: Es war eine sehr schöne Zeit, die ich nicht missen möchte. Ich habe mich in dieser Zeit sehr gut erholt, habe die Zeit sehr genossen und gut genützt. Ich habe etwas für mich getan und war auch gegenüber der Familie sehr viel entspannter, da dieser ewige Zeitdruck weg war.

Euer Sabbatical – eine tolle Erfahrung, die Ihr weiter empfehlt?

Katharina: Auf jeden Fall. Die Gelegenheit für so eine freie und lange Reise hat man nicht oft. Das war ein tolles Erlebnis, an das ich gerne und oft zurück denke.

Susanne:
Unbedingt. Für mich in meiner Situation mit Kindern und Arbeit und dem ganzen Alltagsstress war diese Auszeit echter Luxus. Man bekommt wieder einen Blick dafür, was wirklich wichtig ist im Leben und was nicht. Dass ich diese Möglichkeit bekommen habe, dafür bin ich dem Unternehmen wirklich dankbar.

Viel mehr als nur ein Angebot für den Mitarbeiter

So weit, so gut und nachvollziehbar, aber was hat das Unternehmen davon? Geht es hier um ein Geben ohne Nehmen? Welchen Vorteil sieht der Arbeitgeber für sich? Den Unternehmensstandpunkt von ERGO Direkt Versicherungen fasst Eva Belwe, die Leiterin des Personalwesens so zusammen: Das berufliche und private bzw. familiäre Leben miteinander in Einklang zu bringen, ist heute viel mehr als der Wunsch nach Annehmlichkeiten. Angebote, wie ein Sabbatical, die dem Mitarbeiter eine ausgeglichene Work-Life-Balance ermöglichen, bilden einen strategischen Erfolgsfaktor für das Unternehmen.

Eine höhere Lebensqualität und die Zufriedenheit der Mitarbeiter sind Voraussetzung für ein starkes
Engagement, hohe Produktivität und Loyalität dem Arbeitgeber gegenüber. Und nicht zuletzt gewinnt ERGO Direkt durch solche Angebote als Unternehmen an Attraktivität. Ein wichtiger Aspekt, um im Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter gut aufgestellt zu sein.

Und Ihre Erfahrung?
Das Sabbatical ist also im Idealfall eine klassische Win-Win-Situation, aus der sowohl Mitarbeiter als auch Unternehmen Vorteile ziehen. Wie ist es in Ihrer Firma? Ist das Sabbatical dort noch Zukunftsmusik oder schon Teil der Unternehmenskultur? Schreiben Sie uns zu diesem Thema – wir sind gespannt.

Ihr Versicherungsschutz während des Sabbaticals – ein wichtiges Thema

Nehmen Sie Ihre berufliche Auszeit auf Basis eines Arbeitszeitmodells, das Ihre Firma anbietet, werden Ihnen parallel zum Gehalt auch die entsprechenden Beiträge zur gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung gezahlt.  Privatversicherte sollten sich unbedingt bei ihrer Krankenkasse zu Anwartschaften erkundigen, die die Rückkehr beim Wiedereinstieg ins Berufsleben ermöglichen.

Nehmen Sie hingegen eine unbezahlte Auszeit, müssen Sie sich selbst um Ihren Versicherungsschutz kümmern. Hier gilt es sorgfältig abzuwägen, ob z. B. die Zahlungen der gesetzlichen Rentenversicherung ausgesetzt werden, oder ob es zugunsten der Beitragszeiten nicht sinnvoller ist, wenigstens den Mindestbeitrag aus eigener Tasche zu bezahlen. Private Lebensversicherungen können beitragsfrei gestellt werden. Eine Kündigung sollten Sie möglichst vermeiden, sonst droht Ihnen ein Verlustgeschäft.

Auch andere Versicherungen, wie Hausrat- und Haftpflichtversicherung sollten nicht vorschnell gekündigt, sondern aufrechterhalten werden. Die Haftpflichtversicherung z. B. gilt meist weltweit, das heißt, wenn Sie einen Auslandsaufenthalt während Ihres Sabbaticals planen, kann dieser Schutz sehr hilfreich sein. Denken Sie auch unbedingt an eine Auslandskrankenversicherung. Insbesondere dann, wenn Sie sich außerhalb der EU aufhalten. Dort müssen die Kosten, die bei Krankheit anfallen, aus der eigenen Tasche bezahlt werden.

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