Nach mir die Sintflut? Blogger und ihr digitales Erbe

Familie schaut aufs Tablet zum digitalen Erbe

Filiz & Serki

Als Influencer und Blogger teilen Von guten Eltern und Filiz viele private Details mit den Nutzern und stehen im ständigen Austausch mit ihren Communities. In einem Interview haben wir sie gefragt, wie sie mit ihrem digitalen Leben als Familie umgehen, was sie von online trauern halten und ob sie sich schon Gedanken zu ihrem digitale Erbe gemacht haben.

Liebe Blogger, ihr seid ja im Internet sehr aktiv und betreibt professionell einen Blog bzw. einen Videoblog. Wisst Ihr, wie viel Datenvolumen an Fotos und wie viele Stunden Videomaterial ihr in eurem Leben bisher schon ins Netz gestellt habt?

Von guten Eltern: Eine genaue Zahl kennen wir nicht. Auf dem Blog „Von guten Eltern“ sind aktuell rund 780 Beiträge veröffentlicht, mit mindestens einem, meist mehreren Bildern. Der Instagram-Account hat derzeit fast 700 Bilder. Wir gehen überall immer wieder durch und löschen Beiträge und Bilder, primär um zu kuratieren und immer eine gut gepflegte Präsenz im Netz zu haben.

Filiz & Serki: Um ehrlich zu sein, nein. Bei über 500 Videos und 3.000 Bildern, hat man kein Gefühl mehr dafür.

Als Blogger und Influencer ist eure Präsenz in den sozialen Netzwerken ein Kernpunkt eures Berufslebens. Habt Ihr euch bereits davor Gedanken über euer digitales Erbe gemacht?

Von guten Eltern: Bevor wir mit dem Blog und der Medienpräsenz angefangen haben, haben wir uns genau überlegt, was wir zeigen wollen und was nicht – und das im Laufe der Zeit immer wieder kritisch hinterfragt. Alles, was man selbst mal ins Netz gestellt hat, ist da irgendwo. Das muss einem klar sein. Wir haben uns vor allen Dingen auch gefragt, wie unsere Kinder damit umgehen werden und was sie später über sich und ihre Eltern lesen wollen im Netz – und was genau nicht.

Filiz & Serki: Nein, wir haben uns dazu tatsächlich noch nie Gedanken gemacht. Heute denke ich aber, dass es für die Hinterbliebenen sehr wichtig ist, die Passwörter und Daten des Verstorbenen zu haben. Ich werde mich in der nächsten Zeit  bemühen, eine Liste mit meinen Passwörtern zu erstellen.
 

 

Online Trauer ist offener, dadurch aber auch weniger privat. Wie steht Ihr zur öffentlichen Trauerkultur?

Von guten Eltern: Sie kann helfen, birgt aber auch das Risiko, dass selbst hier irgendwelche Trolle unpassende Dinge dazu in Foren oder Kommentaren dazu verfassen. Eine Moderation ist auf jeden Fall empfehlenswert.  

Filiz & Serki: Ich finde, man kann und darf überall trauern, wo man nur möchte und es hilft manchmal, die Öffentlichkeit daran teilhaben zu lassen.

 

Die Gestaltung einer Trauerseite auf einem virtuellen Friedhof hilft vielen Menschen bei der Bewältigung ihres Verlusts. Denkt ihr, dass der online Friedhof den Besuch an einem „normalen“ Grab ersetzen kann?

Von Guten Eltern: Auf jeden Fall. Orte der Trauer sind Orte, egal ob real oder virtuell. Eine meiner beiden Großmütter hat sich anonym bestatten lassen und vorher immer sinngemäß gesagt: „Wer an mich denken will, braucht dafür keinen anderen Ort als sein Herz.“

Filiz & Serki: Nein, ich glaube nicht, dass man den „echten“ Besuch an einem Grab ersetzen kann. Dennoch ist es für Angehörige aus weiteren Regionen vielleicht eine Option.

Wenn Gedenkseiten nicht durch ein Passwort geschützt sind, können die meisten von ihnen auch von Fremden aufgerufen und kommentiert werden. Denkt Ihr, die allgemeine Anteilnahme hilft den Angehörigen? Wie schätzt Ihr das Risiko von Vandalismus in den virtuellen Kondolenzeinträgen ein?

Von guten Eltern: Wie ich gerade schon erwähnt habe: Es wird immer irgendwelche Menschen geben, die etwas Schlechtes schreiben – und wenn jemand gestorben ist, kann sich diese Person natürlich nicht dagegen wehren. Und gerade online ist es in der gefühlten Anonymität viel einfacher, sich schlecht zu verhalten. Darum darf ein Kondolenzbuch nie unmoderiert irgendwo im Netz verbleiben.

Filiz & SerkiSobald etwas öffentlich ist, ist man leider angreifbar. Ich denke, es kommt auf die Person an. Entweder man kann mit negativen Kommentaren umgehen oder man sollte von einer Veröffentlichung absehen.

Man tippt auf Tablet

 
 

Wisst Ihr eigentlich, wo Eure Kinder online angemeldet sind? Kontrolliert ihr Nutzungsverhalten?

Von guten Eltern: Ja, das wissen wir bei dem einen Kind, das sich aktuell auf bestimmten Portalen anmelden darf. Alle Kinder nutzen bei uns Apple-Geräte, wodurch wir über die Familien-Einstellungen Zugang und Zugriff auf alles Wesentliche haben. Wir setzen aber auf bewusste Gespräche und versuchen, allen Kindern einen guten Umgang mit ihren Daten vermitteln und ein Bewusstsein für ihr digitalen Tun zu schaffen. Bisher hat das gut geklappt. Unsere große Tochter teilt ihre Onlinewelt mit uns und lässt uns teilhaben. Sicherlich auch, weil wir ein ehrliches Interesse daran zeigen.

Filiz & Serki: Unsere Kinder sind dafür noch zu klein, aber sollten sie sich später irgendwo anmelden, würden wir das natürlich kontrollieren

 

Vater schaut mit Kind aufs Tablet

Christian Gaca, Blogger von „Von guten Eltern“

 

 

Abgesehen von Online-Trauer: Habt Ihr Euch schon mal Gedanken für den Ernstfall gemacht, wenn mit Euch etwas passiert? Habt Ihr eine Patientenverfügung?

Von guten Eltern: Nein, die haben wir aktuell noch nicht. Aber das ist sicherlich etwas, was man mit fortschreitendem Alter dann mal machen muss. Uns ist durchaus bewusst, dass man auch jung sterben kann. Aber vielleicht wollen wir uns an dieser speziellen Stelle noch ein paar Jahre etwas Naivität erhalten.

Filiz & Serki: Eine Patientenverfügung haben wir nicht. So richtig Gedanken haben wir uns auch noch nicht gemacht. Es scheint alles so fern, dabei kann es ja immer und jederzeit passieren. Mein Mann hat einige Passwörter von mir, aber sonst niemand.

 

Welche Möglichkeiten der Vorsorge für den Todesfall gibt es? Wie sichert Ihr Euch ab?

Von guten Eltern: Wir haben eine Lebensversicherung, die im Sterbefall natürlich die Hinterbliebenen eine Weile absichert. Über eine Sterbegeldversicherung der Eltern könnte man sicherlich noch dafür sorgen, dass die Bestattungskosten nicht an den Kindern hängen bleiben. Eine solche haben wir aber noch nicht.

Filiz & Serki:  Wir sind derzeit noch gar nicht abgesichert. Das werden wir aber tun, damit unsere Kinder es später so einfach wie möglich haben, wenn was passiert. Vor allem in finanzieller Hinsicht.

Vielen Dank für euer Interview!

Mann sitzt auf Stuhl

Christian Gaca, Blogger von „Von guten Eltern“

Mann sitzt auf Stuhl

Serki Bütcü, Ehemann von Filiz

 
 
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3 Kommentare

  1. Wilhelm Dr. Margula schreibt am 28. November 2018 um 18:25:

    Patientenverfügung – später,
    @ von guten Eltern: Eine Patientenverfügung sollte man machen, weil es auch einem jungen Menschen passieren kann, dass er (z.B. infolge eines Unfalls) seinen Willen bezüglich bestimmter Behandlungen nicht mehr bilden oder ausdrücken kann – und nicht weil man auch jung sterben kann.
    Wenn ihr dann über die Patientenverfügung nachdenkt, dann vergesst bitte nicht auch eine/n Vorsorgebevollmächtigte/n zu bestimmen. Der Partner, die Eltern, und auch die Kinder sind ohne diese Vollmacht nicht berechtigt für Euch oder über Euch zu entscheiden.

    • Ewelina Zolneczko Ewelina Zolneczko schreibt am 29. November 2018 um 15:50:

      Danke für Ihr Feedback, Sie haben durchaus Recht. Aus diesem Grund haben wir bereits am 26.10.2018 einen Artikel zum Thema Patientenverfügung veröffentlicht. Ein weiterer Artikel, der die Wichtigkeit der Vorsorgevollmacht herausstellt, ist bereits geplant. Viele Grüße, Ewelina aus dem Social Media Team

  2. Christian Gaca schreibt am 29. November 2018 um 14:43:

    Danke für die wertvollen Hinweise, die werden wir sicherlich in unsere Überlegungen dazu mit einbeziehen. Liebe Grüße, Christian Gaca (Von guten Eltern)

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