Learntec 2014 – Tag 2 auf dem Kongress

Mein zweiter Tag bei der Learntec in Karlsruhe. Im Kongress werden mir intelligente Programme und das Lernen der Zukunft vorgestellt.

Learntec in Karlsruhe Tag 2Der Morgen danach
Es ist halb Neun und ich sitze mit einem ziemlichen Informationskater vom Vortag im Messe-Café. Ich grüble immer noch über die vielen Neuerungen nach und suche gedanklich nach möglichen Einsatzszenarien in unserer Firma.

Nebenbei beobachte ich die hereinströmenden Massen und zum ersten Mal fällt mir auf, wie bunt das Publikum hier ist. Klar, die meisten Besucher sehen so aus, wie man sie auf einer Messe eben erwartet: Anzug oder Kostüm, polierte Schuhe und stylishe Frisuren.
Aber es gibt auch zahlreiche Kollegen, die im Freizeitdress kommen. Zwischen all den Krawatten sehe ich Latzhosen, Dreadlocks und eigenwillige Kopfbedeckungen. Wieder ein Sympathiepunkt mehr auf meiner Liste!

Der Kongress ist eine Welt für sich
Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass es Zeit ist, den Kongress zu besuchen. Er befindet sich im ersten Stock und man braucht dafür eine extra Eintrittskarte. Wehmütig werfe ich einen Blick zurück zur Messehalle, entscheide mich dann aber doch für den theoretischen Teil meines Besuchs.
Obwohl der Kongress nur durch eine Glastür von der Messe getrennt ist, glaubt man, in eine andere Welt einzutauchen. Die Menschen hier sind eine Spur schicker, die Gespräche gedämpfter und von bunten Messeständen ist weit und breit nichts mehr zu sehen.

Lernen 2.0 – alter Wein in neuen Schläuchen?
Bei einem Blick in das Programmheft gehen mir die Augen über: Es ist einer dieser Momente, in denen man sich einen eigenen Klon wünscht, um an mehreren Orten gleichzeitig zu sein. Nach kurzem Grübeln entscheide ich mich für einen Vortrag über Social Learning. Klingt kompliziert, ist aber eigentlich ganz einfach: Der Lerner lernt nicht mehr allein im stillen Kämmerchen, sondern vernetzt sich (man spricht auch vom Konnektivismus) mit anderen Lernern. Dabei tauschen sie sich – bevorzugt in den neuen Medien – über den Lerninhalt aus.

Moment, das gab´s doch schon in meiner Jugend? Nur haben wir das ganze Studienkreis oder Hausaufgabenbetreuung genannt! Der Vorteil des social learnings ist allerdings, dass die Lerner sich orts- und zeitunabhängig miteinander austauschen können, also selbst im Bus, im Café oder zu Hause. 1:0 für die neue Welt!

Intelligente Software – 5 Sterne Deluxe?
Ich komme kaum zum Durchatmen, schon steht der nächste Termin an: Adaptives Lernen! Keine Ahnung, was das sein soll, aber es hört sich gut an. Also nichts wie rein zu den ca. 100 Kollegen, die schon im Saal warten und Notizen auf ihren Tablets machen. Hier erfahren wir, wie das E-Learning in einigen Jahren aussehen könnte.

In der Zukunft misst eine intelligente Software die Lesegeschwindigkeit des Lerners und steuert ihm automatisch die Lerninhalte im passenden Tempo zu. Darüber hinaus erkennt das System die Intelligenz seines Gegenübers und erhöht oder senkt wie von Geisterhand den Schwierigkeitsgrad in Tests und Lernkontrollen.
Das finde ich etwas unheimlich, aber irgendwie auch logisch. Was mir am besten gefällt, ist, dass der Nutzer dem Programm wiederum Punkte geben und somit Einfluss auf die Inhalte nehmen kann. Das Ganze erinnert an die Produktbewertungen im Internet. Da die Idee zwar gut ist, aber bis zur Serienreife noch einige Jahre ins Land gehen werden, mache ich mir für das Jahr 2017 eine gedankliche Notiz.

Messehalle Karlsruhe LearntecMOOOOOOOC???
In den nächsten Vortrag gehe ich ohne auch nur ansatzweise zu wissen, worum es geht. Auf der Beamer-Leinwand steht das Wort „MOOC“. Was zum…? Ich gebe es ja zu: Etwas nicht zu wissen, treibt mir die Schweißperlen auf die Stirn. Zum Glück sind viele andere Besucher genauso ahnungslos wie ich (das sieht man an den zahlreichen Wikipedia-Aufrufen und dem Stirnrunzeln). Kurze Zeit später erfahren wir, dass MOOC für massive open online course (massiver offener Online-Kurs) steht.

Dabei handelt es sich um eine Art Online-Lerneinheit, die theoretisch keine Teilnehmerbegrenzung hat. Diese MOOCs kombinieren verschiedene Wissensvermittlungen und Medien für eine große Menge Teilnehmer.
Tja, wir sind zwar schon einige in der Firma, aber Massen sind das nicht. Wir müssen ja auch nicht jeden Trend mitmachen, zumal sich mir auch nach einer Stunde noch immer kein echter Vorteil zu anderen Schulungsmaßnahmen erschließt.

Wie tickt das Hirn?
Der mit Abstand beste Vortrag ist der, von dem ich es am wenigsten erwartet habe: Die Neurobiologie des Lernens. Ein Wissenschaftler erklärt in bester Edutainment-Manier, wie das menschliche Gehirn in Bezug auf Informationsaufnahme tickt und wie man das Lernen leichter gestalten kann:

  • Reduziere die Fakten: Wir können nur eine begrenzte Menge an Wissen auf einmal aufnehmen.
  • Informiere Dich unterbewusst: Wir lernen ohne Unterlass, auch in Entspannungsphasen.
  • Sozialisation bildet: Ein Mensch mit stabilem Sozialgefüge lernt leichter als ein Außenseiter.
  • Bewegung macht klug: Sport regt die Zellerneuerung an. Regelmäßige Bewegung erleichtert das Lernen.

Leaving Learntec
Nach diesem Vortrag laufe ich wieder gedankenverloren in das Messe-Cafe. Der Tag ist vorbei und ich muss mich erst einmal sortieren. Meine Finger fliegen über das iPad und entwerfen Szenarien für unsere Lerner. Es waren aufregende Tage und dass ich nicht alles mit nach Hause bzw. in die Praxis mitnehmen kann, stimmt mich doch etwas melancholisch.
Als ich die heiligen Hallen verlasse, muss ich dann doch wieder grinsen. Wir sehen uns nächstes Jahr, liebe Learntec! Ich bin gespannt, was ich bis dahin umgesetzt habe und welche Trends 2015 noch Bestand haben.

Weitere Hintergrundinformationen rund um die Learntec finden Sie auf dem Messe-Blog.

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