Hilft uns das Internet bei der Trauerverarbeitung?

Trauerverarbeitung im Internet wird immer populärer. Nicht nur die Angehörigen, sondern auch die Sterbenden wollen sich mitteilen.

Hilft uns das Internet bei der Trauerverarbeitung_bearbeitet-1Auf den ersten Blick ist das Thema Tod sehr weit vom Internet entfernt. Als mein Opa vor einem Monat starb, war mein erster Impuls, mich von der Außenwelt abzuschotten und einige Tage weder auf Facebook-Nachrichten noch SMS oder ähnliches zu reagieren. Viele Menschen trauern jedoch ganz bewusst im Internet und in sozialen Netzwerken. Vor allem für die digitale Generation – der man zumindest nachsagt, sie sei rund um die Uhr online – ist es naheliegend, dass sie auch ihren Schmerz digital verarbeitet und mit anderen Personen teilt.

Welche Formen der Trauer existieren im Internet?

Für Angehörige besteht zum Beispiel die Möglichkeit, Verstorbene auf einer Internetgedenkseite oder in Trauerportalen zu ehren. Zwar bieten einige Betreiber an, klassische Traueranzeigen im Internet zu veröffentlichen. Die meisten Trauerportale sind jedoch kaum mit klassischen Zeitungsannoncen vergleichbar.

Während meiner Recherche bin ich beispielsweise auf Internetgedenkseiten gestoßen, die seit zehn Jahren oder länger von den Angehörigen gepflegt werden. Sie enthalten oft Fotos aus dem Leben des Verstorbenen und erzählen seine Lebensgeschichte. So kann man sich auch als Außenstehender ein Bild über die Persönlichkeit des Toten machen. Andere Internetgedenkseiten erzählen weniger über den Menschen, ermöglichen es dem Trauernden aber, eine virtuelle Kerze zum Zeichen des Gedenkens anzuzünden.

Es gibt aber auch Trauerforen, in denen sich die betroffenen Familien über ihre Trauer untereinander austauschen können. In den Foren können die Trauernden ihre Gedanken und Gefühle zu dem Verlust eines Angehörigen in einem Beitrag verfassen und jeder kann durch Kommentare Anteil nehmen. Der Austausch mit Menschen, die vielleicht einen ähnlichen Verlust erlitten haben, hilft den Trauernden den Schmerz zu überwinden.

Trauerverarbeitung findet aber auch auf Social Media-Kanälen wie Facebook statt. Natürlich bleiben Online-Profile bestehen, wenn der Verstorbene sich keine Gedanken um sein digitales Erbe gemacht hat. Aber manchmal wollten entweder der Verstorbene oder die Angehörigen, dass das Profil erhalten bleibt. Diese Art der Online-Gedenkseite dient häufig den Freunden, die den Verstorbenen auf seinem Facebook-Profil betrauern und sich über den Toten austauschen.

Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod – ganz öffentlich

Eine andere Form der Trauerverarbeitung sind Trauerblogs. Hier sind es vor allem die Sterbenden, die sich im Internet mit ihrer Diagnose „Tod“ auseinandersetzen. Was und wie sie in den Blogs schreiben, hat mich sehr berührt. Vor Kurzem hat das Blog von Janna Rupprecht Schlagzeilen in Deutschland gemacht. Janna hat mit 15 Jahren die Diagnose Krebs erhalten und den Kampf sieben Jahre später verloren. Vor ihrem Tod hat sie in einem Blog eine Liste angefertigt mit 100 Dingen, die sie noch erleben wollte. Janna hat es leider nicht mehr geschafft die Liste vor ihrem Tod abzuarbeiten. Deswegen führen ihre Eltern und ihr Freund diese Aufgaben jetzt für sie weiter.

Den eigenen Tod öffentlich zu machen, ist in anderen Ländern noch ausgeprägter. In den USA hatte die unheilbar kranke Brittany Maynard eine öffentliche Debatte über Sterbehilfe ausgelöst, indem sie für das Recht auf selbstbestimmtes Sterben gekämpft hat. Brittany wollte ihren Todeszeitpunkt selbst bestimmen, um ihre letzten Lebenstage nicht als Pflegefall verbringen zu müssen. Von einem Arzt in Oregon bekam sie das Betäubungsmittel und am ersten November beendete sie ihr Leben im Kreise der Familie. Brittany berichtete auf ihren Social Media-Kanälen über ihren Weg des Sterbens, dadurch verbreitete sich Debatte über Sterbehilfe wie ein Lauffeuer.

Dank des Internets und sozialer Netzwerke gibt es heutzutage also neue Wege, um uns an Verstorbene zu erinnern, uns mit anderen Trauernden auszutauschen und den Schmerz über den Verlust zu bewältigen. Ich glaube, dass es vielen Familien hilft, ihre Trauer zu verarbeiten, wenn sie den Verstorbenen in Internet zumindest ein Stück weit weiterleben lassen.

Letztendlich muss aber jeder seinen eigenen Weg finden, um mit dem Tod umzugehen – ob öffentlich oder im Stillen.

Was sagen Sie zu diesem Thema?

1 Kommentar

  1. Nadine schreibt am 29. Januar 2015 um 17:51:

    Trauerbewältigung ist wichtig – egal ob ofline oder im Internet. Umso ratsamer ist es aber auch für den Fall der Fälle vorzusorgen – z.B. mit einer Bestattungsvorsorge. Näheres dazu auch unter http://www.beerdigungsversicherung.de/2015/01/sterbegeldversicherung-im-check-ergo-direkt-sterbegeldvorsorge.html

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