Ferienzeit ist Fotozeit – Teil 1

Mann_Kamera_Blog_Twitter_FBIm entscheidenden Augenblick gibt der Kamera-Akku auf, die volle Speicherkarte geht verloren oder ein Dieb schnappt sich Ihre wertvolle Ausrüstung – beim Fotografieren auf Reisen können Probleme über Probleme auftauchen. Wie Sie sich und Ihre Ausrüstung gut auf den nächsten Urlaub vorbereiten, erfahren Sie hier.

In unserer Konsumgesellschaft ist es mittlerweile üblich, für die Urlaubsreise jede Menge Technik einzupacken. Neben dem Smartphone sind das gerne mal ein Tablet, ein Laptop und ein Fotoapparat. Zwar wächst die Fraktion der Reisenden, die nur noch mit dem Handy fotografieren und die Digitalkamera zuhause lassen. Der der anspruchsvolle Fotofan jedoch kommt weiterhin nicht um eine DSLR- oder Systemkamera herum, wenn er unterwegs in der weiten Welt nicht nur Schnappschüsse machen möchte.

Dies ist der erste Beitrag aus der Reihe „Ferienzeit ist Fotozeit“. Mehr über Reisefotografie erfahren Sie unter Tipps zur sicheren Kameranutzung im Urlaub und Tipps zum richtigen Archivieren der Bilder.

Reisen mit Foto-Ausrüstung haben besondere Fallstricke!

Wer wie ich beim Fotografieren besonders ambitioniert ist, sollte seine grauen Zellen vor und während einer Reise mehr als sonst anstrengen. Einerseits, um nicht selbst zu sehr dem Klischee des auf den ersten Blick erkennbaren Touristen zu entsprechen, und andererseits, um dabei möglichst wenig Probleme mit Fluggesellschaften, leeren Akkus, Dieben, defekter Ausrüstung oder verlorenen Bildern zu haben.

In diesem Beitrag beschreibe ich, was Sie bei Ihrer nächsten Reise mit Kamera und Co. beachten sollten. In einem weiteren Text liefere ich Ihnen Anregungen dazu, was rund um das Thema Foto während und nach einer Reise wichtig ist.

Was mich persönlich betrifft, muss die weitgehend komplette (und dementsprechend teure) Fotoausrüstung immer mit ins Gepäck. Immerhin wollen die eigenen Zimmerwände, diverse Fotobücher, Mailpostfächer der Verwandtschaft und die sozialen Netzwerke regelmäßig mit neuen digitalen Trophäen bereichert werden. Da ich also häufig Elektronik mit Wert im fünfstelligen Bereich um den Globus schleppe, soll das weder umsonst geschehen, noch soll dabei etwas schief gehen. Und falls doch einmal Murphy’s Gesetz zuschlagen sollte, unterstützt eine gute Vorbereitung die Schadensbegrenzung.

Die Planung: Durch Irrtum ersetzter Zufall

Zunächst stellt sich die Frage: „Muss wirklich alles mit?“ Wenn Sie nicht zufällig als professioneller Fotograf für National Geographic arbeiten, verläuft Ihr Urlaub mit einer reduzierten Ausrüstung möglicherweise deutlich erholsamer. Bewusst gesetzte Beschränkungen sind zudem eine positive Herausforderung für Ihre Kreativität und somit oft die Quelle einzigartiger Fotos. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Trip in die Berge nur mit einem Tele-, aber keinem Weitwinkel-Objektiv? Ihre eingefangenen Bilder wären sicher unverwechselbar und einzigartig, zumindest im Vergleich zu denen der meisten Touristen vor Ort.

Fotoreise oder Familienurlaub?

Beides unter einen Hut zu bringen, funktioniert normalerweise nicht. Es sei denn, Partner und/oder Kinder stehen gerne vor 4 Uhr auf, um Ihnen stundenlang dabei zuzusehen, wie Sie bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt einen atemberaubenden Sonnenaufgang am abgelegenen Abschnitt einer Steilküste abwarten. Wenn Sie sich, dank Anhang, Ihre Zeit nicht komplett frei einteilen können, wirkt etwas Zurückhaltung beim Fotografieren konfliktvermeidend. So erstrebenswert einzigartige Bilder auch sind, so viel verpassen Sie auch, wenn Sie alles nur durch den Sucher sehen statt wirklich zu erleben und zu genießen. Bedenken Sie also am besten schon vor der Abreise, dass ein Kompromiss aus Erleben und Aufnehmen Ihr Leben bereichern kann. Bilder im Kopf sind schließlich auch etwas wert.

Alles nur geklaut

Je nach Reiseziel setzen Sie sich der ernstzunehmenden Gefahr von Diebstahl und Raub aus, wenn Sie Ihren Reichtumvor dem Bauch baumelnd zur Schau stellen oder unbewacht im Hotelzimmer lagern. Wie Sie Raubversuche abwähren und Ihre Ausrüstung tarnen können, erfahren Sie im zweiten Beitrag genauer. Im Vorfeld kann es schon helfen, ein Hotel mit Safe im Zimmer zu wählen. Und dann gibt es ja noch Versicherungen: Eine Hausratversicherung schützt Sie auch im Urlaub vor finanziellen Schäden bei Raub und Einbruch-Diebstahl. Ich empfehle Ihnen, vor Beginn einer Reise zu überprüfen, wie umfassend der Versicherungs-Schutz ihrer Hausratversicherung ist. Falls Sie noch keine abgeschlossen haben, können Sie das jetzt hier nachholen.

Kameragurt von Canon

Mit Marke versehene Kameragurte schreien förmlich: „Seht her, hier gibt’s was zu holen.“

Richtig packen

Neben Kamera, Objektiv(en) und Ladegerät gibt es noch einige andere Dinge, die besser nicht zu Hause bleiben sollten.

Grundsätzlich gilt, bei Flugreisen so viel Fotokram wie möglich im Handgepäck unterzubringen. So ist er am besten vor Diebstahl geschützt. Wichtig ist hierbei das Gewicht der Ausrüstung – nicht nur im Hinblick auf die Vorgaben der Fluglinien, sondern auch angesichts der Tatsache, dass Sie alles tagelang mit sich herum schleppen müssen. Falls Sie also fliegen, lohnt sich ein Blick in die Bestimmungen der Fluggesellschaft. Meist dürfen auch Stative nicht im Handgepäck mitgeführt werden.

Taschen und Koffer

Eigentlich klar – diese sollten Ihre Ausrüstung möglichst gut gegen Stöße, Wasser usw. schützen und leicht zu tragen/rollen/ziehen sein. Bei Flugreisen zählen zudem Größe und Gewicht besonders. Machen Sie sich außerdem klar: Leicht erkennbare Markenzeichen auf dem Kameragepäck machen es Dieben leicht, ihr nächstes Opfer auszukundschaften.

Jo-Gurt

Sie helfen Langfingern auch bei der „Arbeit“, wenn Sie Gurte verwenden, auf denen in leuchtenden Farben Canon, Nikon, Sony und Co. steht. Sie sollten also statt der mitgelieferten Standard-Variante besser etwas Neutrales einpacken.

Für besonders sicherheitsbewusste Fotografen gibt es Modelle mit eingearbeitetem Stahlseil (hilfreich bei Diebstahlversuchen mit einem Cutter). Überhaupt sind die von Kameraherstellern beigepackten Riemchen, mit denen man sich kiloweise Technik um den Hals hängen soll, ergonomisch eine mittlere Katastrophe. Investieren Sie lieber in einen Schultergurt. Ihr Rücken wird es Ihnen danken.

Dienstahlversuch einer Kamera mit einem Cutter

Kameradiebstahl mit Cuttermesser – wer einen Gurt mit Stahlseil verwendet, ist auch davor geschützt.

Stillgestanden!

Ja, es nervt, das Stativ ordentlich auszurichten, die Kamera aufzusetzen und ohne Rempler am Stativ die Belichtungszeit zu überstehen. Allerdings werden Sie sich im Nachhinein ärgern, wenn Ihre Bilder verwackelt oder (High-ISO sei Dank) rauschig sind. Bei Belichtungszeiten unter 1/60 sec. empfiehlt sich daher immer der Einsatz eines Stativs. Auf Autoreisen nehme ich üblicherweise ein vollwertiges Stativ mit. Für Städte-Trips reicht mir ein Einbein. Auch ein leichtes Reisestativ ist für manchen Fotografen Gold wert.

Wer mit möglichst wenig Gepäck unterwegs sein möchte, nimmt einfach einen Baumwollbeutel und eine Plastiktüte mit. Die Plastiktüte wird vor der Aufnahme mit Sand gefüllt und zugeknotet in den Baumwollbeutel gelegt. Auf einer Balkonbrüstung oder einem Fensterbrett hilft dieses „Bohnensack“-Imitat beim sauberen Ausrichten der Kamera.

Saubere Sache

Neben Mikrofaser-Tüchern gehören auch ein kleiner Blasebalg und gegebenenfalls ein Sensor-Reinigungs-Set in die Tasche.

Möge der Saft mit Dir sein

Sie werden Strom zum Laden Ihrer Akkus benötigen. Vergessen Sie also Ihr Ladegerät nicht (eventuell auch für Blitz-Akkus). Zudem ergibt auch der eine oder andere Ersatz-Akku Sinn. Und Sie werden sich ärgern, wenn Sie am Ende der Welt feststellen, dass der Stecker vom Ladegerät nicht in die landesübliche Steckdose passt (von der Spannung mal ganz abgesehen). Auf Wikipedia finden Sie viele Infos zu Steckertypen, Netzspannung und Netzfrequenz. Ein Reiseadapter gehört in vielen Fällen ins Reisegepäck. Meine Erfahrung hat mich schmerzlich gelehrt: vorher kaufen! Entweder finden Sie keinen am Urlaubsort oder Sie zahlen ein Vermögen für brandgefährliches Hartplastik zweifelhaften Ursprungs.

Zoll

Der Zoll kann bei der Wiedereinreise bei wertvollen Gegenständen Probleme machen. Wohl dem, der nachweisen kann, dass das teure Objektiv nicht während des Urlaubs, sondern bereits davor gekauft wurde. Dabei helfen Kopien der Kaufbelege oder die vorherige Organisation einer vereinfachten Nämlichkeitsbescheinigung.

Analog

Fotografieren auf Film (wie es gerade Astrofotografen immer noch mehrheitlich nutzen) ist auf Flugreisen umständlicher. Die Filme sollten auf jeden Fall gut verpackt sein – etwa in Taschen mit Bleieinlage. An Sicherheitsschleusen können Sie nach einer manuellen Inspektion fragen. So wird der Film nicht durch Röntgenstrahlen beschädigt.

Dies ist der erste Beitrag aus der Reihe „Ferienzeit ist Fotozeit“. Mehr über Reisefotografie erfahren Sie unter Tipps zur sicheren Kameranutzung im Urlaub und Tipps zum richtigen Archivieren der Bilder.

Datensicherung

Mehrere Speicherkarten (zum Beispiel für jeden Tag eine Karte mit geringer Kapazität) oder externe Backup-Medien sorgen für mehr Sicherheit und weniger lange Gesichter nach dem Urlaub bei Datenverlust. Speicherkarten sollten Sie übrigens immer in der Kamera formatieren und nicht mit Ihrem Computer.

Die beste Kamera ist immer die, die man überhaupt dabei hat

Wenn Sie all das beherzigen, sollte Ihr Urlaub mit Kamera ein voller Erfolg werden. Spätestens in zwei Jahren, wenn Sie Ihre alten Fotos durchstöbern, werden Sie feststellen, dass sich das Quäntchen mehr Vorbereitungsaufwand mit einzigartigen Bildern bezahlt gemacht hat. Vermutlich habe ich noch einiges vergessen zu erwähnen. Möglicherweise fällt es mir für den zweiten Beitrag in dieser Reihe aber noch ein. Falls Ihnen noch etwas dazu einfällt, helfen Sie mit und schreiben Sie gleich hier unten einen Kommentar.

Alles rund um das Thema Sehen in der digitalen Welt lesen Sie in unserem aktuellen Online-Magazin.

 
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