Medienpreis-Gewinner erwartet eine transparente Zukunft

Handelsblatt-Redakteur Thomas Trösch erklärt im Interview, vor welchen Herausforderungen der Journalismus in digitalen Zeiten steht.

v.l. Pavel Kanovich, Carl-Eduard Meyer, Thomas Trösch

ERGO Direkt Medienpreis 2013; v.l.: Pavel Kanovich, Carl-Eduard Meyer, Thomas Trösch

Wie macht man ein klassisches Medium internetfähig? Thomas Trösch und sein Handelsblatt Online Team zeigen mit dem Webspecial zum Europäischen Erfinderpreis 2013, welche multimedialen Möglichkeiten Online-Journalismus heute bietet. Die umfangreiche Live-Berichterstattung und das Storytelling überzeugten durch ihre visuelle Aufbereitung die Jury des ERGO Direkt Medienpreises – dafür gab es den ersten Platz in der Kategorie „Online-Auftritte klassischer Medien“. Ich habe mich mit dem Redakteur über die Zukunft des Journalismus unterhalten.

Thomas Schörner: Herr Trösch, Sie wurden für Ihre Berichterstattung über den Europäischen Erfinderpreis 2013 mit dem ERGO Direkt Medienpreis ausgezeichnet. Für das Webspecial haben Sie nahezu alle Möglichkeiten der Online-Berichterstattung genutzt. Worin besteht die größte Herausforderung bei einem solchen Projekt? 

Thomas Trösch: Die größte Herausforderung liegt in der Vermeidung von Redundanz. Es bringt dem Konsumenten recht wenig, wenn er über das Bewegtbild nur die gleichen Informationen wie im Artikel erhält. Das heißt, man muss die verschiedenen Bausteine der Berichterstattung so zusammenstellen, dass sie zum einen selbsttragend sind und zur Not auch alleinstehend wirken. Auf der anderen Seite müssen sie Neues und Originelles beitragen, das in einem anderen Baustein nicht vorhanden ist. Die Zusammenführung dieser Aspekte war wohl eine der größten Herausforderungen.

Thomas Schörner: Wie hat sich das Verhältnis zwischen Unternehmen auf der einen Seite und Journalisten, Lesern und Konsumenten auf der anderen Seite durch Social Media verändert?

Thomas Trösch: Dank Social Media agieren wir nicht mehr im luftleeren Raum, sondern erhalten ein schnelles und unmittelbares Feedback auf unsere Arbeit. Anregungen lassen sich zum Teil sofort aufgreifen. Wir müssen uns einer ganz anderen Bewertung unserer Arbeit stellen.

Thomas Schörner: Sehen Sie Blogger als Gefahr für den Journalismus an?

Thomas Trösch: Nein, ich sehe das Verhältnis weniger als ein Gegenüber, sondern vielmehr als ein sich gegenseitig befruchtendes Nebeneinander.

Thomas Schörner: Wie wird sich die Kommunikation aus Ihrer Sicht in 20 Jahren verändern?

Thomas Trösch: Wir werden in Zukunft viel transparenter sein. Viele Menschen, die sich durch die digitale Welt bewegen, sind bereit, Dinge von sich preiszugeben. Diese Dinge, darüber müssen wir uns im Klaren sein, werden irgendwann wieder auftauchen. Außerdem werden wir uns einem viel stärkeren Informationsdruck stellen müssen. Unzureichend informiert zu sein wird in einer Welt umfassender Informationsangebote als persönlicher Fehler gebrandmarkt.

Thomas Schörner: Als Historiker kennen Sie sich nicht nur mit aktuellen, sondern auch mit vergangenen Innovationen aus. Welche Erfindungen haben Ihrer Meinung nach die Geschichte vorangebracht?

Thomas Trösch: Eine der bahnbrechendsten Erfindungen war meiner Meinung nach das Alphabet. Es war eine geradezu geniale Form der Informationstechnologie. Mit den geringsten Mitteln und wenigsten Zeichen erlaubt es, Wissen über Jahrtausende hinweg zu speichern. Sie können in eine Bibliothek gehen und eine tausend Jahre alte Handschrift lesen und die Informationen herausbekommen, die der Schreiber damals hineingepackt hat. Versuchen Sie das mal mit, sagen wir, Magnetbändern der Nasa aus den 1970er Jahren.

Thomas Schörner: Welche Bedeutung haben Medienpreise wie der ERGO Direkt Medienpreis On.Line für den Journalismus?

Thomas Trösch: Solche Medienpreise dokumentieren, wohin es in Zukunft mit dem Journalismus gehen könnte. Sie zeigen heute schon, welche Kommunikationsformen morgen möglich sind.

Vielen Dank für das Gespräch, Thomas Trösch!

Impressionen von der Verleihung des ERGO Direkt Medienpreises 2013

Was sagen Sie zu diesem Thema?

Kommentar verfassen:

Hiermit erkläre ich mich mit der Netiquette einverstanden

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben.

Alle Felder mit einem * sind Pflichtfelder und müssen ausgefüllt werden.

*

Weitere Inhalte werden geladen...