Ein Tag im Leben eines E-Learning-Autors

Es ist 7:30 Uhr und ich fahre (zugegebenermaßen noch etwas verschlafen) meinen Rechner hoch. Ich liebe es, eine Stunde nur für mich zu haben, bevor die anderen Kollegen kurz vor 9:00 Uhr im Büro eintreffen. Mit einem doppelten Espresso ausgerüstet, überfliege ich die Mails und beantworte dringende Anfragen zum Thema E-Learning und neue Medien.

E-Learning bei ERGO Direkt

Wie macht man eigentlich E-Learnings? Und warum braucht das eine Versicherung?

Um 8:00 Uhr geht es ans Eingemachte: Ein neues E-Learning muss her! Thema: Lebensversicherung. Da der Inhalt weit über 1.000 Mitarbeiter betrifft, lohnt sich ein Lernprogramm, der Schulungsaufwand ist schlichtweg zu hoch. Außerdem können die Kollegen dann lernen – wenn sie wollen, sogar von zu Hause aus. Das Thema Lebensversicherung als E-Learning zu verpacken, ist ziemlich spannend. Denn wie schaffe ich es nur, ein relativ trockenes Thema angenehm und mit einer Prise Humor zu vermitteln?

Ohne Drehbuch geht gar nichts
Für das neue Lernprogramm habe ich zusammen mit dem Auftraggeber und den Fachbereichen bereits ein Drehbuch erstellt. Dabei handelt es sich um ein zehnseitiges Word-Dokument, in dem festgehalten wird, welches Wissen vermittelt werden soll. Außerdem haben wir schon ein paar Bilder ausgesucht, denn nur Schrift ist auch langweilig. Der schwierigste Teil des Drehbuchs ist jedoch der Sprechertext: Was hier geschrieben steht, wird später eins zu eins von einem Profi gesprochen und aufgenommen. Also hier bloß keinen Fehler machen…!

Eigenproduktion dank Autorensoftware
Früher habe ich das Drehbuch an eine externe Firma geschickt, die dann ein Lernprogramm für uns erstellt hat. Seit fast zwei Jahren machen wir das nun selbst. Es ist nicht nur günstiger, sondern wir können auch jederzeit Änderungen vornehmen, was gar nicht so selten ist.
Jetzt kommt der schönste Teil meiner Arbeit: Ich darf produzieren! Auf dem linken Monitor bearbeite ich das neue Lernprogramm, auf dem rechten sehe ich das Drehbuch und die Bilder, die eingebaut werden sollen. Seite für Seite erstelle ich den Content (Inhalt), spiele mit Animationen und konstruiere die Texte so, dass diese angenehm zu konsumieren sind. „Edutainment“ heißt das Zauberwort, mit dem man komplexes Wissen leicht und unterhaltsam vermittelt.

Der Hausfrauentest
Gegen 13:00 Uhr steht dann das Grobgerüst. Ich habe die Seiten so oft gelesen, dass ich gar kein Gefühl mehr dafür habe, ob das Programm einfach zu verstehen ist. Daher hole ich mir gerne zwei oder drei Kollegen ins Büro, die das E-Learning durcharbeiten und mir Feedback geben. In der Zwischenzeit fülle ich meinen Magen und lüfte meinen Kopf. Danach können fix die Änderungswünsche umgesetzt werden.
Im Anschluss bekommen der Auftraggeber und die Fachbereiche das Programm und ich warte auf ein „Gefällt mir!“.

Jetzt rede ich!
Ich nutze die Zeit und schnappe mir ein Mikrofon. Nein, ich singe nicht Karaoke! Ich bespreche das Lernprogramm, damit der professionelle Sprecher später weiß, mit welcher Intonation und Geschwindigkeit er die Kapitel vorlesen soll.
Gegen Nachmittag sind dann auch die endgültigen Feedbacks aus dem Haus da und ich arbeite die Wünsche ein. Jetzt nur noch meine Sprachaufzeichnung eintüten und an den Profi schicken. In spätestens drei Tagen kommen dann die fertigen Audio-Dateien und sie können in das (grafisch) fertige Programm gebastelt werden.

Für mich gibt es jetzt nur noch eins: Ab nach Hause in einen computerlosen Feierabend!

Was sagen Sie zu diesem Thema?

2 Kommentare

  1. Beo schreibt am 5. Februar 2014 um 12:11:

    Super pfiffig geschrieben! Macht Spaß zu Lesen. Bitte mehr davon in diesem Stil ….

  2. Ute Will schreibt am 6. Februar 2014 um 11:48:

    Danke lieber Jens für dein unermüdliches Schaffen. Ja, ohne E-Learning wäre ich jetzt nicht so gut dran. Bin leider von der Grippe geplagt und kann trotzdem für die Schulung VFF von daheim lernen. Muss dabei ja nicht sprechen 😉

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