Eigene Ideen mit Crowdfunding umsetzen

Per Crowdfunding können Sie eigene Projekte über das Internet finanzieren. Mein Kollege Jan Hagemann konnte selbst mit dieser Möglichkeit einen internationalen Film über Crowdfunding realisieren. Er erklärt, worauf es bei einer solchen Finanzierung eines Projekts ankommt.

Ob eine Kühlbox, die Musik abspielt, eine Schriftart im Stile der Handschrift Albert Einsteins oder gar ein abendfüllender Kinofilm – hatten Sie schon einmal eine ungewöhnliche Idee für ein neues Produkt? Vor dem Zeitalter des Internets ließen sich viele innovative Ideen nur schwer umsetzen, weil es an Geldgebern fehlte. Doch seit einigen Jahren bietet Crowdfunding die Möglichkeit, solche Projekte über das Netz schnell und einfach in die Tat umzusetzen.

Mein Kollege Jan Hagemann hat mir genau erklärt, wie das Phänomen Crowdfunding funktioniert. Denn er beschäftigt sich privat intensiv mit dem Thema. So hat er zum einen mit Freunden die Kino-Dokumentation „Capital C“ über Crowdfunding gedreht. Diesen Film haben sie dabei auch noch selbst per Crowdfunding finanziert. Zum anderen organisiert er mit Gleichgesinnten die Crowdfunding-Konferenz „Discover:Me“ am 23. Mai 2015 in Nürnberg.

Was ist Crowdfunding?

„Crowdfunding bedeutet, dass viele Personen ein Produkt oder eine Idee finanzieren“, erklärt Jan Hagemann. Mehrere Personen beteiligen sich dabei mit kleinen Geldbeträgen. Die Idee einer solchen Finanzierung ist an sich nicht neu. „Es gab früher bereits Obligationsscheine oder den Vorverkauf: Ich gehe in Vorleistung und bezahle für etwas, das ich erst im Nachhinein bekomme“, sagt mein Kollege. Erste Projekte dieser Art gab es bereits Anfang der Jahrtausendwende.

Jan Hagemann

Jan Hagemann arbeitet bei ERGO Direkt und beschäftigt sich privat intensiv mit Crowdfunding

„Die Finanzierung per Crowdfunding wird einfacher, wenn man es gut erklären kann“, so der Tipp von Jan Hagemann. Das heißt: Man sollte etwas zeigen können, in Bildern oder bereits mit einem fertigen Prototypen. Auch kurze Videos helfen beim Start einer Kampagne: „Wenn man eine Idee in zwei bis drei Minuten vermitteln kann, hat man gute Chancen“, so Hagemann. Denn: Je mehr Leute die Kampagne erreicht, desto mehr Geld kann man auch einsammeln.

Wie werden Projekte finanziert?

Es gibt verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten. Die klassische Variante ist diese: Die Leute gehen in Vorleistung und erhalten am Ende das Produkt, manchmal auch mit einer Zusatzleistung. Die neueste Entwicklung sind Ansätze des Crowdinvestments. „Dabei wird eine Rendite versprochen – allerdings steckt das noch in den Kinderschuhen“, meint Hagemann.

Beim Crowdfunding gibt es die sogenannten „Backer“, im Deutschen auch Unterstützer genannt. „Diese sagen: Ich finde die Idee super und gebe hierfür einen bestimmten Geldbetrag“, erklärt Jan Hagemann. Die meisten Kampagnen setzen eine Zielsumme fest. Kommt diese im festgelegten Zeitraum von einem oder zwei Monaten zusammen, kann das Projekt umgesetzt werden. „Am Besten funktionieren Projekte, wenn sie nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip arbeiten“, sagt Hagemann. Das heißt, ein bestimmter Sockelbetrag muss erreicht werden, um die generierten Gelder überhaupt einsammeln und das Projekt umsetzen zu dürfen.

So setzt man eine Idee um

„Wenn die Idee steht, muss man diese visualisieren und erklären können – am besten mit einen Video“, rät Jan Hagemann. „Man muss das Leuchten im Auge des Erfinders spüren!“ Ebenso sollte man diese Fragen erklären: Warum brauche ich die Leute draußen? Wo stehe ich gerade in der Entwicklung? Dann sollte man eine geeignete Plattform auswählen. So ist Kickstarter vor allem in den USA sehr beliebt, aber seit dem 12. Mai auch in Deutschland vertreten. Die meisten Projekte werden hierzulande aber bei Startnext eingestellt. Zusätzlich gibt es zahlreiche Plattformen mit speziellen Schwerpunkten wie beispielsweise Kunst oder Software.

Eine enge Bindung zu den Nutzern hält man zum Beispiel über Social Media. Man kann seinen Backern auch Raum für Mitgestaltung geben. „Crowdfunding lebt vom Austausch zwischen dem Erfinder und den Leuten, die ihn unterstützen“, betont Hagemann. Zum Beispiel kann man bei Produkten Design und Farben in der Crowd erarbeiten lassen. Solche Nutzer identifizieren sich stark mit dem Produkt und sind deshalb in der Zukunft viel wert. Denn sie empfehlen das Produkt nach Fertigstellung weiter und machen somit unbezahlt Werbung.

Wie eine Kampagne abläuft, hat Jan Hagemann selbst mit seinem Film „Capital C“ erfahren: „Mit zwei Freunden wollte ich eine Dokumentation über die Aufbruchstimmung des Crowdfunding drehen.“ Zentral dabei: Der Film sollte auch per Crowdfunding finanziert werden. Im Jahr 2011 wurde ein Trailer gedreht – mit Greenscreen im Wohnzimmer. „Wir haben die Kampagne dann bei Kickstarter für zwei Monate eingestellt. Am Ende hat unser Team gut 80.000 Dollar von 586 Unterstützern aus 24 Länder erhalten“, so der Experte. Dann folgten zwei Jahre Dreh weltweit. Nachdem der Film seit 2014 bei verschiedenen Filmfestivals gastierte, soll er dieses Jahr noch ins Kino kommen.


Wer mehr über Crowdfunding erfahren möchte, kann am 23. Mai an der Crowdfunding-Konferenz Discover Me in Nürnberg teilnehmen. Einen Tag lang gibt es dort Tipps von erfolgreichen Crowdfundern. Der Film „Capital C“ wird dabei erstmals in der deutschen Fassung gezeigt.

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