Digitaler Nachlass: So funktioniert’s

Welche Regeln gibt es zu beachten? Und wohin mit meinen Passwörtern? Wir unterstützen Sie mit unserer Checkliste „Digitaler Nachlass“.

Checkliste Sterben 2.0

Mit dem Laptop zum Friedhof: Auch eine Methode, um sich für die Regelung seines digitalen Nachlasses zu motivieren.

Seit einigen Monaten beschäftigen wir uns mit dem wichtigen Thema „Sterben 2.0“. Seither wandle ich viel sensibler in meinem Online-Leben umher: Soll ich schon wieder ein neues Online-Konto bei einem Internet-Versandhaus eröffnen? Wie viele Online-Konten habe ich eigentlich? Und wie sollen meine Angehörigen meinen digitalen Nachlass verwalten, wenn ich das selbst nicht mal überblicke?

Denn Fakt ist, dass jedes von mir eröffnete Online-Konto und alles, was ich digital konsumiere, im Internet bleibt – auch nach meinem Tod. Fakt ist auch, dass es (noch) keine gesetzliche Regelung für den digitalen Nachlass gibt. Ich muss mich also zu Lebzeiten vorbereiten – und zwar am besten jetzt.

So kam es, dass ich die folgende Checkliste zusammengestellt habe. Und im Nachhinein muss ich sagen: „So kompliziert ist das gar nicht – aber aufwendig schon!“ Die Arbeit lohnt sich. Denn es beruhigt ungemein, wenn man selbst über sein eigenes Online-Leben Bescheid weiß.

1. Wer soll sich um meinen digitalen Nachlass kümmern?

Bestimmen Sie am besten eine Person, der Sie Ihr ganzes Online-Leben anvertrauen können und bei der Sie sicher sind, dass die Person nach Ihrem Tod alles in Ihrem Sinn regeln wird.

2. Was gibt‘s zu regeln?

Die Zugänge zu Ihren E-Mail-Accounts sind am wichtigsten, da die meisten Online-Aktivitäten über E-Mails bestätigt werden müssen bzw. Passwörter neu angefragt werden können. Ein weiteres Augenmerk liegt auf den Online-Abos; werden diese nicht rechtzeitig gekündigt, kann es für Ihre Erben ganz schön teuer werden.
Die Auflistung aller Online-Shopping-Accounts ist eine echte Herausforderung, hier muss On- und Offline alles richtig durchforstet werden: Rechnungen, die in realen oder digitalen Ordnern abgelegt sind, liefern Aufschluss. Und wenn man schon dabei ist, empfehle ich dringend das „digitale Ausmisten“. Fragen Sie sich: „Brauche ich den Online-Account beim vierten Sportartikelhersteller oder der dritten Online-Apotheke wirklich?“ Alles was mit „Nein“ beantwortet werden kann, bitte gleich löschen.

Ich würde empfehlen, eine eigene Liste anzulegen, in der die bestehenden Online-Konten samt Zugangsdaten eingetragen werden. Hier sollten auch angegeben sein, was damit nach meinem Leben geschehen soll:

  • E-Mail-Accounts
  • Online-Banking und -Zahlungen
  • Soziale Netzwerke
  • Foto- und Video-Sharing
  • Online-Shopping-Konten
  • Entertainment
  • Anwendungen und Online-Speicher
  • Blogs

3. Wo soll die Liste abgelegt werden?

Hier besteht ein Konflikt: Einerseits sollen wir aus Sicherheitsgründen ständig unsere Passwörter ändern. Andererseits soll der Erbe Zugang zu unseren Online-Konten erhalten. Am besten ist es, die Liste auf einen USB-Stick passwortgeschützt zu speichern. Diesen verschlüsselten USB-Stick samt Passwort kann man der Person des Vertrauens direkt weitergeben. Einfacher und sicherer ist es, den USB-Stick in einem Safe zu verwahren und beim Notar das Testament mit Angabe der entsprechenden Person und dem USB-Passwort zu hinterlassen.
Eine weitere Möglichkeit ist, die Passwörter zentral bei einem Passwortmanager abzuspeichern und regelmäßig zu ändern. Auch dieses Master-Passwort benötigt dann die Vertrauensperson. Die Liste mit den Angaben, was mit den Accounts passieren soll, kann man wieder in einem Safe oder beim Notar aufbewahren. Letzeres ist auf die Dauer jedoch teuer und zeitintensiv, denn unser Online-Leben lebt und vergrößert sich in der Regel und es kommen ständig neue Accounts hinzu.

Der digitale Nachlass ist gesetztlich nicht geregelt und viele Erben sind damit überfordert. Immer mehr Online-Unternehmen entdecken darin einen neuen Geschäftszweig. Sie bieten gegen Gebühr an, die Passwörter zu verwahren und diese im Ernstfall an die Angehörigen weiterzugeben. Von diesem Service raten Datenschutz- und Erbrechtsanwälte ab. Denn grundsätzlich gilt im digitalen Leben: „Behalte deine Passwörter für dich, um dich vor Diebstahl und Betrug zu schützen!“


In diesem Video umreißt Michaela Zinke, Expertin für Datenschutz und Sterben 2.0 beim Bundesverband Verbraucherzentrale, kurz, was für die Regelung des Digitalen Erbes zu tun ist.

Update am 31. Juli 2015:

Facebook hat nun auch in Deutschland die Funktion freigeschaltet, mit der jeder Nutzer einen Erben für sein Facebook-Konto eintragen kann. Im Blog von Thomas Hutter bekommen Sie dafür eine Anleitung.

Was sagen Sie zu diesem Thema?

6 Kommentare

  1. Bettina Schöbitz | Respektspezialistin schreibt am 26. Januar 2015 um 20:35:

    Es ist klasse, dass Sie sich des Themas annehmen und die Menschen für diesen Bereich sensibilisieren. Doch wäre es nicht hilfreicher, wenn die „Checkliste“ vollständiger und vor allem auch direkt praktisch nutzbarer wäre?

    Also so, dass der User ankreuzen kann, wo er Accounts an und vielleicht auch die zugehörigen Passwörter in der Liste eintragen könnte? Die Liste könnte dann ja in einen Safe gelegt oder abfotografiert werden zur „sicheren“ (wirkliche Sicherheit gibt es da wohl kaum…) Aufbewahrung.

    Info und Links zu weitgehend sicheren Passwortverwaltern wie 1Password oder PasswordBox wären sicher auch hilfreich – vor allem für Menschen, die keine digital natives sind. Ich denke da an meine eigene Mutter mit jetzt 72 Jahren, die schon eine Menge Spuren im Netz hat….

    Wichtig fände ich auch, dass die Menschen festlegen, was mit ihrem digitalen Nachlass passieren soll – und zwar einzeln je nach „Spur“. Ich beispielsweise möchte die Inhalte meines Blogs erst einmal erhalten wissen. Meine Profile in Facebook, Twitter & Co.sollten hingegen zeitnah aus dem Netz verschwinden, denn es ist gespenstisch, wenn einem da in der Timeline die Verstorbenen so ins Gesicht lächeln, als wäre nix passiert.

    Gerne setze ich mich zu diesem WERTvollen Thema zwecks Gründung eines Projektes zusammen – denn hier gibt es wirklich noch eine Menge Handlungs- und Aufklärungsbedarf.

    Dieses Thema ist einfach zu wichtig, um es auf die leichte Schulter zu nehmen. Und gerade für Versicherungen sehe ich hier eine ausgeprägte Interessenlage. und einen echt guten Kundenservice….

    Mit herzlichem Gruß
    Bettina Schöbitz

    • Bettina Schöbitz | Respektspezialistin schreibt am 26. Januar 2015 um 20:37:

      Uaaaah – Kommando zurück – ich hatte die falsche Checkliste bei „Nachlassbegleiter“ geöffnet und erst jetzt den Link zu Ihrer Seite entdeckt. Die sieht inhaltlich schon mal genau das vor, was ich mir wünsche….

      • Andrea Tschaban Andrea Tschaban schreibt am 28. Januar 2015 um 15:02:

        Hallo Frau Schöblitz,
        das freut mich sehr, dass Ihnen die Checkliste in meinem Blog-Artikel weiterhilft – dann hat sich die Arbeit ja wirklich gelohnt.

        Viele Grüße
        Andrea Tschaban

  2. Pingback: Was am Ende von uns bleibt - ERGO Direkt Blog

  3. Brunhild Laabs schreibt am 14. Februar 2015 um 2:55:

    Hallo ERGO/ALSO-Versicherung! Seit dem Sie meine Familien-Versicherung bei Karstadt-Quelle übernommen/aufgelöst haben, habe ich die monatlichen Beiträge anderweitig angelegt und so eine Absicherung meiner Familie gesichert! Verschonen Sie uns bitte mit Ihren Bittgesuchen zum Abschluss irgendeiner Sterbe oder sonstwas-Versicherung! Sie sind wie eine Schmeißfliege! Versichern Sie sich lieber selbst, besser aber noch die Karstadt-Arbeitnehmer, die ihren Arbeitsplatz für 1 E an die Schweden verloren haben. Gehört ERGO/ALSO auch dazu? Und bettelns Sie uns nie wieder an!

    • Konrad Welzel Konrad Welzel schreibt am 16. Februar 2015 um 10:01:

      Hallo Frau Laabs,

      gerne richten wir Ihnen eine Werbesperre ein. Dafür benötigen wir noch einige Daten (wie Ihren Vor- und Nachnamen sowie Ihre Anschrift) von Ihnen, die Sie uns gerne per E-Mail an beratung@ergodirekt.de mit der Bitte um eine Werbesperre senden können.

      Mit freundlichen Grüßen
      Konrad Welzel aus dem Social Media-Team

Kommentar verfassen:

Bei der Verarbeitung von personenbezogenen Daten beachten wir die Vorschriften der EU-Datenschutz-Grundverordnung.
Ausführliche Informationen finden Sie im Datenschutzbereich unserer Webseite.

Hiermit erkläre ich mich mit der Netiquette einverstanden

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben.

Alle Felder mit einem * sind Pflichtfelder und müssen ausgefüllt werden.

*

Weitere Inhalte werden geladen...