Bloggen: Social Media für Fortgeschrittene

Ein Gastbeitrag von Blogger Christian Buggisch zum einjährigen Jubiläum des ERGO Direkt Blogs.

Christian Buggisch über Corporate Blogs

Christian Buggisch, Leiter Corporate Publishing bei DATEV, über Corporate Blogs.

Ich halte Bloggen nach wie vor für die Social Media-Königsdisziplin. Für Unternehmen ist es eine ziemliche Herausforderung (dazu gleich mehr), bietet aber auch einzigartige Möglichkeiten. Nehmen wir als Beispiel dieses Blog der ERGO Direkt: Hier bekommen Sie Einblicke in Themen rund um ERGO Direkt wie in kaum einem anderen Medium. Hier schreiben Menschen, die bei ERGO Direkt arbeiten, über Themen, die sie bewegen. Hier können Sie sich über die Kommentarfunktion direkt mit ihnen austauschen, Rückfragen stellen, Standpunkte diskutieren … Diese Möglichkeiten bietet keine Kundenzeitschrift, kein Plakat, kein TV-Spot und keine Pressemeldung. Diese Möglichkeiten gibt es sonst nur im „analogen“ Leben, zum Beispiel im direkten Kontakt auf einer Veranstaltung – und digital vermittelt in sozialen Medien wie diesem Blog.

Das klingt einfach, ist es aber nicht. Ein Unternehmensblog zu betreiben ist kein Kinderspiel, sondern echte Kommunikationsarbeit für echte Kommunikationsprofis. Einerseits versteht sich das eigentlich von selbst, schließlich ist ein Blog Teil der Unternehmenskommunikation (und eine Pressekonferenz zu organisieren oder eine Kundenzeitschrift zu gestalten, überlässt man ja auch nicht dem Praktikanten). Andererseits bringen Social Media im Allgemeinen und Blogs im Speziellen drei Eigenschaften mit sich, die in Unternehmen für Missverständnisse sorgen können:

Missverständnis 1: Bloggen geht schnell

Das stimmt schon. Ein Microblog- bzw. Twitter-Account ist in zwei Minuten eingerichtet, ein Tweet in 20 Sekunden geschrieben und abgeschickt. Und selbst ein Blog ist schnell online gebracht.
Alles Weitere aber kostet Zeit. Gute Inhalte sind immer aufwändig. Sascha Lobo, Deutschlands bekanntester Blogger und Social Media-Experte, hat mal gesagt, dass er nicht selten eine Stunde oder länger an einem Tweet feilt, bevor er ihn veröffentlicht – um seine Wirkung zu maximieren. Umso aufwändiger ist es, einen guten Blog-Beitrag zu schreiben. Themenplanung, -recherche und -abstimmung sind wichtig, da die Kommunikation eines Unternehmens koordiniert sein will, und kosten mindestens ebenso viel Zeit wie das Schreiben des Beitrags selbst.

Missverständnis 2: Bloggen kostet nichts

Stimmt vordergründig ebenfalls. Twitter, Facebook oder ein einfaches Blog belasten das Budget erst mal nicht. Befasst man sich intensiver mit sozialen Medien, merkt man schnell, dass es ohne Budget nicht geht, sei es für Reichweite auf Facebook, für die man inzwischen größtenteils bezahlen muss, sei es für gestalterische Anpassungen, damit auch ein Blog der Corporate Identity entspricht.

Wirklich teuer wird ein Unternehmensblog aber durch die investierte Zeit der beteiligten Mitarbeiter. Ob Gastautoren aus den Fachabteilungen, Textprofis aus der Kommunikationsabteilung oder ein Social Media Manager, der sich um Strategie, Planung, Umsetzung und Erfolgskontrolle kümmert: Arbeitszeit ist Geld. Die gute Nachricht: Wenn man es richtig angeht, ist Bloggen doch nicht teuer, sondern preiswert im Sinne von: seinen Preis wert. Im Medienmix der Unternehmenskommunikation lassen sich mit Blogs spezifische Ziele erreichen: So eignen sich Blogs hervorragend, um den Lesern und Kunden einen Blick hinter die Kulissen des Unternehmens zu gewähren, um Menschen vorzustellen, die hier arbeiten, denn sie machen in ihrer Vielfalt schließlich das Unternehmen aus und geben ihm ein Gesicht. Auch hier im ERGO Direkt Blog gibt es dazu schöne Beispiele.

Missverständnis 3: Bloggen ist einfach

Blogs gibt es wie Sand am Meer. Allein auf wordpress.com, einer bekannten Blog-Plattform, werden monatlich rund 50 Millionen neue Beiträge veröffentlicht. Auf Tumblr, einer anderen Plattform, gibt es weltweit 217 Millionen Blogs. Und jeder kennt das Schlagwort vom „user generated content“, das mit dem Web 2.0 in die Welt kam und beschreibt, dass die Zeit der Einbahnstraßenkommunikation im Internet vorbei ist und wirklich jeder zum Produzenten von Inhalten werden kann.

Auch das ist völlig richtig, sagt aber gar nichts über die Qualität der Inhalte aus, die die Nutzer generieren. Um es auf den Punkt zu bringen: Bloggen ist einfach. Gut und erfolgreich bloggen ist ziemlich schwierig. Wer das tun will, braucht nicht nur Zeit, sondern auch Know-how. Dabei genügt es nicht, einen Social Media Manager als Experten im Unternehmen zu haben. Viele Unternehmensblogs sind – wie dieses ERGO Direkt Blog oder unsere DATEV Blogs – Mehrautoren-Blogs: Viele Autoren berichten direkt aus ihrem Arbeitsumfeld. Diese Autoren müssen gefunden, motiviert und befähigt, also geschult und beraten werden, damit sie wirklich gute, interessante und lesenswerte Blogbeiträge schreiben, mit denen das Unternehmen letztlich seine Kommunikationsziele erreichen kann.

Fazit

Mit anderen Worten: Für einen professionellen Einsatz von Social Media und Blogs braucht man Zeit, Geld und Fachwissen. Doch der Aufwand lohnt: Unternehmensblogs sind großartige Kommunikationsplattformen. Suchmaschinen lieben Blogs und führen viele Interessenten dorthin, die sonst vielleicht nie mit dem Unternehmen in Kontakt gekommen wären. Blogs ermöglichen eine direkte, authentische Kommunikation von Mensch zu Mensch, von Mitarbeiter zu Kunde, wie es sie sonst nur im „analogen“ Leben gibt. Blogs sind ein wichtiger, fast möchte ich sagen: unverzichtbarer Bestandteil einer modernen Unternehmenskommunikation.

Vor diesem Hintergrund gratuliere ich ERGO Direkt herzlich zum ersten Blog-Geburtstag – und freue mich auf viele weitere interessante Beiträge!

Christian Buggisch ist Leiter Corporate Publishing bei DATEV, einem der größten deutschen Software-Häuser und IT-Dienstleister, und verantwortet dort unter anderem den DATEV-Blog, den DATEV Karriere-Blog und den Unternehmerblog Trialog. Privat bloggt er seit mehreren Jahren über Internet und echtes Leben.

Letzte Beiträge des Bloggers:
 
Was sagen Sie zu diesem Thema?

3 Kommentare

  1. verena schreibt am 2. Februar 2015 um 12:07:

    Das Problem, das wir immer haben, ist die Auswahl der Themen! Was interessiert die Leser überhaupt? Und was hat das trotzdem noch mit unserem Unternehmen zu tun… an diesen Fragen scheitert es im Moment häufig noch in Facebook. das wird doch mit einem Blog noch schwieriger und umfangreicher.
    Gibt es dazu irgendwie Tipps?

    • Christian Buggisch schreibt am 3. Februar 2015 um 18:07:

      Hallo Verena,

      ja, die Themenfindung ist eine spannende Aufgabe – aber nicht nur für Facebook und Blogs, das gilt ja für die gesamte Kommunikation. Ich vermute, jedes Unternehmen geht hier anders vor, ich kann nur sagen wie wir bei DATEV das machen: Bei uns gibt es regelmäßige Redaktionskonferenzen, in denen alle Themen für alle Medien und Kanäle konzertiert werden. Hier kommen Redakteure und Medienexperten wie der Social Media Manager zusammen und besprechen, welche Themen wann in welchem Medium und in welcher Form publiziert werden. Die Beteiligten sollten natürlich im Unternehmen gut vernetzt sein, um wichtige Themen rechtzeitig mitzubekommen. Außerdem machen wir Online-Monitoring, um zielgruppenrelevante Themen zu identifizieren, die gerade intensiv im Netz diskutiert werden. Diese können dann der aktuelle Aufhänger für einen Beitrag sein oder wertvollen Input für einen Beitrag liefern. Und schließlich werten wir natürlich auch statistisch aus, welche Beiträge im Blog erfolgreicher waren und welche nicht, auch daraus lassen sich gut Rückschlüsse auf Themenauswahl und Darstellungsform ziehen …

      Viele Grüße
      Christian Buggisch

      • Konrad Welzel Konrad Welzel schreibt am 4. Februar 2015 um 11:21:

        Hallo Verena,

        wir können uns Christian Buggisch da anschließen. Die Themenfindung für die Kommunikation in Social-Media wird bei uns auch in Redaktionskonferenzen vorgenommen. Dabei unterscheiden wir zwischen tagesaktuellem Content und Geschichten, die wir thematisch tiefer aufbereiten wollen, wie wir es gerade mit Sterben 2.0 machen.

        Viele Grüße
        Konrad Welzel aus dem Social Media-Team von ERGO Direkt

Kommentar verfassen:

Hiermit erkläre ich mich mit der Netiquette einverstanden

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben.

Alle Felder mit einem * sind Pflichtfelder und müssen ausgefüllt werden.

*

Weitere Inhalte werden geladen...